Auktionsjahr 2020

Deutschlands Spitzenergebnisse

Im Krisenjahr 2020 erzielten Moderne und Nachkriegsmoderne insgesamt die höchsten Preise der deutschen Auktionshäuser, auch wenn Platz eins auf einen alten Meister fällt. Künstlerinnen haben es im hochpreisigen Bereich nach wie vor schwer

Von WELTKUNST Redaktion
11.01.2021

Das Auktionsjahr 2020 wird immer als das Jahr der Corona-Pandemie in Erinnerung bleiben. Zugleich ist es das Jahr, in dem die Auktionshäuser ihre Krisenfestigkeit unter Beweis stellten. Den höchsten Preis des vergangenen Jahres im deutschsprachigen Raum erzielte ein alter Meister aus der Sammlung Hinrich Bischoff: Georges de La Tours meisterhafte Darstellung eines Mädchens, das in ein Kohlebecken pustet, brachte bei Lempertz beachtliche 3,6 Millionen Euro. Auf den Plätzen zwei und drei der 20 höchsten Zuschläge in Deutschland folgen Gerhard Richters „Christiane und Kerstin“ mit 2,1 Millionen und Ernst Ludwig Kirchners „Das Haus“ von 1918/22 mit 1,35 Millionen Euro bei Ketterer. Künstlerinnen sind bei den Spitzenergebnissen noch immer in der Minderheit. Hampel versteigerte Gabriele Münters „See am Abend“ (1914) für 470.000 Euro, das somit als einziges Werk einer Frau auf Platz 15 der deutschen Top 20 landet.

Spitzweg Auge des Gesetzes Auktion Neumeister
Carl Spitzwegs „Auge des Gesetzes“ erzielte im Mai 2020 bei Neumeister 550.000 Euro. © Christian Mitko/Neumeister

Als umsatzstärkstes deutsches Auktionshaus punktete Ketterer in München nicht nur mit dem Zuschlag von 2,1 Millionen Euro für Gerhard Richters Doppelporträt von 1968, sondern aber auch mit mehreren Millionen, die Werke von Ernst Ludwig Kirchner erzielten. Der Maler ist gleich viermal unter den 20 höchsten Zuschlägen in Deutschland 2020 zu finden, und alle diese Versteigerungen fanden bei Ketterer statt. Ebenfalls in München erzielte Carl Spitzwegs „Auge des Gesetzes“ bei Neumeister 550.000 Euro, das Gemälde belegt Platz zwölf in den Top 20. Zu den Erfolgen von Karl & Faber in München, wenn auch außerhalb der Top 20,  gehört László Moholy-Nagys „Eisenbahnbild“, eine Gouache und Collage aus der Zeit um 1919/1920, die 133.000 Euro einspielte.

Van Ham in Köln hat in der Vergangenheit immer wieder Schlagzeilen mit umfangreichen Sammlungen gemacht, zuletzt mit zeitgenössischer Kunst und Wunderkammerobjekten aus der Thomas Olbricht Collection. John Michael Armleders Neonlichtinstallation „O.T. (Target)“ von 2001 ersteigerte die Heidi Horten Collection für 150.000 Euro, das teuerste Werk aus dieser Auktion war Daniel Richters „Das Recht“, ebenfalls von 2001, das bei 340.000 Euro zugeschlagen wurde.

Nagel Stapeldose
Mit einem Hammerpreis von 670 000 Euro wurde bei Nagel in Stuttgart eine chinesische Stapeldose aus dem 16./17. Jahrhundert versteigert. © Nagel Auktionen

Das beste Jahr seiner Geschichte schloss das Berliner Auktionshaus Dr. Irene Lehr ab, unter anderem mit dem Zuschlag von 460.000 Euro für Günther Förgs „Metro 3“ von 2001, das Platz 16 der deutschen Top 20 belegt. Nagel in Stuttgart hat sich nach Schwierigkeiten komplett neu aufgestellt und konnte sich über die chinesische Stapeldose aus dem 16./17. Jahrhundert freuen, die mit einem Hammerpreis von 670.000 Euro auf Platz sieben unter den Zuschlägen in Deutschland landete. Überhaupt gibt es immer wieder Überraschungen bei Asiatika: Für 310.000 Euro wandern zwei Vasen des 19. Jahrhunderts von Hargesheimer in Düsseldorf zurück nach China. Bei den im Hochpreissektor noch immer schwach vertretenen Künstlerinnen hat ein Werk von Karin Kneffel im Jahr 2020 gut abgeschnitten. Bei Grisebach in Berlin kam unter anderem ihr monumentaler Teller Makkaroni von 2003 unter den Hammer, der zuvor bei Thomas und Raffaela von Salis über dem Esstisch in Salzburg hing – er brachte jetzt 100.000 Euro netto ein.

Lempertz Georges de la Tour, „Mädchen, in ein Kohlebecken blasend“, 1646-1648
Georges de La Tours „Mädchen, in ein Kohlebecken blasend“ von 1646–1648 erzielte bei Lempertz 3,6 Millionen Euro netto. © Lempertz

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Lesetipp

Die vollständige Liste der deutschen und der internationalen Top 20 lesen Sie in der Februarausgabe der WELTKUNST, die am 26. Januar erscheint.