Das Museum Ludwig in Köln feiert dieses Jahr sein 50. Jubiläum. Wir sprachen mit Direktor Yilmaz Dziewior über das Erbe des Ehepaars Ludwig, japanische Pop-Art und die „Mona Lisa“ von Köln
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02.03.2026
Das ist schwer zu sagen. Ich habe nur gemerkt, es gibt manchmal Ausstellungen, deren Bedeutung für mich wachsen. Das war für mich zum Beispiel die „Fünf Freunde“-Ausstellung. Über die vier Jahre, in denen wir mit Achim Hochdorfer vom Museum Brandhorst in München und seinem Team an dieser Ausstellung gearbeitet haben, ist mir bewusst geworden, welche Bedeutung die verhandelten Themen gerade heute wieder haben. Und das liegt bestimmt auch an der politischen Lage in den USA. Wie sich da Narrative verändert haben. Ein Thema war ja ein Queer-Reading der fünf Freunde und das emanzipatorische Errungenschaften, sei es Feminismus, sei es Gender-Fragen, queere Fragen, die für uns vielleicht heute selbstverständlich sind, leicht in Gefahr gebracht werden können. Das sehen wir jetzt in den USA sehr deutlich, aber ich finde auch in Deutschland. Wenn ich höre, dass unser Kulturstaatsminister Schwierigkeiten mit dem Gendern hat. Ich finde, es wird deutlich, dass man nie sicher ist vor einem konservativen Ruck, bis hin, wenn man in die USA schaut, zu einem extremen Rechtsruck. Und das habe ich im Laufe der Vorbereitung der Ausstellung gemerkt und gesehen, wie relevant das Interdisziplinäre auch für zeitgenössischere Positionen ist. Wie relevant die Arbeiten, die ja teilweise von Ende der 1940er-, Anfang 50er-, 60er-Jahre sind, heute noch sind. Das war eine Ausstellung, die mich immer noch zum Nachdenken anregt.
Mit Teilhabe sicherlich. Also, wie ermögliche ich einem breiten sehr diversen Publikum Zutritt und wie mache ich das auch interessant. Auch ökologische Fragestellung, sind extrem wichtig. Wir können nicht so weitermachen, als wäre die Umwelt nicht in Gefahr. Dies versuchen wir auch für die Ausstellungsplanung und deren Realisierung im Museum Ludwig zu berücksichtigen. Die Fragen der Digitalisierung, der Digitalität sind ebenfalls extrem relevant und alle drei Fragen bedingen sich eigentlich gegenseitig oder überschneiden sich. Das sind drei Themen, mit denen wir noch über viele Jahre zu tun haben werden.
Ich hoffe, dass sie sie erleichtert. Es ist immer noch einiges zu tun, aber je besser wir online werden, desto besser kommunizieren wir mit einem Außen, das gar nicht unbedingt hierherkommen muss. Für mich ist die unmittelbare Begegnung mit der Kunst sehr wichtig, aber es gibt auch Kunstwerke und Fragestellungen für ein Publikum weit draußen, die es sich vielleicht nicht leisten können oder zu weit weg sind. Dieser Anschluss wird glaube ich auch nochmal ganz wesentlich.
Auf jeden Fall. Ich finde, es wäre dasselbe, wenn Sie mich fragen, was halten Sie von der Malerei? Für mich ist das Medium eine wichtige Komponente innerhalb eines Kunstwerks. Aber ob eine Arbeit relevant ist, hängt nicht davon ab, ob sie immersiv oder Öl auf Leinwand ist, sondern es hängt von verschiedenen Faktoren ab. Hierzu zählen sowohl formal, ästhetische wie auch inhaltliche Aspekte. Welches Emotionen und Gedanken rufen diese Arbeiten in uns hervor, welche Themen werden verhandelt. Für mich ist es nicht entscheidend, ob es ein gemaltes Bild oder eine immersive Arbeit ist. Die Form des Mediums ist wirklich zweitrangig.
Wir merken das unmittelbar. Wir sind angehalten Kürzungen von unserem eh schon sehr geringen Etat vorzunehmen. Und wir merken es auch in dem ganzen Verwaltungsapparat, dass die ganzen Dinge einfach restriktiver werden. Unser Gebäude muss instandgehalten werden, es muss eine neue Klimaanlage eingebaut werden, es stehen große Sanierungsarbeiten im Haus an. Und aufgrund der wirtschaftlichen Lage der Stadt Köln, ist da sehr wenig bis gar keine Bewegung drin.
Arbeiten. Man muss das Gespräch mit der Politik, mit der Öffentlichkeit, mit unseren Stakeholdern, mit unseren Unterstützerinnen und Unterstützern suchen und versuchen Öffentlichkeiten und Allianzen herzustellen und versuchen, dass da Bewegung reinkommt.
Ich wünsche mir für die Zukunft des Museums, dass dieser gute Drive, den wir in den letzten Jahren haben, anhält. Dass möglichst viele und ein sehr diverses Publikum sich von unserem Programm angesprochen fühlt und kommt und dass auch unser Gebäude eine Zukunft haben wird. Sprich, dass die Stadt und die Politik uns in dieser Hinsicht stärker unterstützt. Vor allem aber wünsche ich mir, dass das Museum Ludwig im besten Sinne ein Ort für alle wird.