Im März erkunden wir Marianna Simnetts schrägen Kosmos in Brühl, bestaunen das gemeinsame Œuvre von Marina Abramović und Ulay in Ljubljana und entdecken die Kultur der Maori in München
ShareHe Toi Ora
Museum Fünf Kontinente, München, bis 10. Mai
Wachsam blickt der Ahne mit dem Namen Tāwhaki in die Welt. Das hat seinen Grund, denn der 168 Zentimeter große, hölzerne Halbgott stand als Pfostenfigur in einem Versammlungshaus der Rongowhakaata, einem Stamm aus dem Norden Neuseelands. 80 herrliche Objekte der Maori-Kultur aus der eigenen Sammlung präsentiert das Museum Fünf Kontinente – und bei vielen bleibt die Herkunft trotz Forschung unklar. Tāwhaki jedoch könnte künftig nach Neuseeland zurückkehren. Ein Anlass mehr, ihn genau jetzt zu besuchen.
Marianna Simnett
Max Ernst Museum Brühl, bis 5. Juli
Humor und Horror halten sich die Waage in den Werken der englischen Künstlerin, Jahrgang 1986, die sich nun in Brühl dem Collagenroman „Die hundertköpfige kopflose Frau“ von Max Ernst widmet. Darauf aufbauend schafft Marianna Simnett eine bonbonbunte Welt voll schräger Figuren. Zum Teil blicken diese aus eigens für die Schau geschaffenen neosurrealistischen Malereien, etwa bei „Headless #1“. Oder sie überraschen das Publikum im Raum – wie die Skulpturen von überfahrenen Vögeln und Einhörnern ihrer „Roadkill“- Serie. Abgedreht ist auch die Videoarbeit über ein Schweinchen, das seinen Ringelschwanz einbüßt und in einer Unterwelt landet, in der es von Tieren in Fetisch-Kleidung umtanzt wird.
Ulay / Abramović
Cukrarna Gallery, Ljubljana, bis 3. Mai
Die Performancekünstlerin Marina Abramović ist für ihr Arbeitsethos bekannt, und so sind Ausstellungen von ihr nicht selten. Aber diese Schau im slowenischen Ljubljana ragt aus der Menge heraus – weil die Kuratorinnen hier eine Carte blanche bekamen, um sich in den Archiven der Künstlerin und ihres 2020 verstorbenen Ex-Partners und Mitstreiters Ulay zu bedienen: Videos und Fotos, Zeichnungen, private Briefe und Tagebücher sind ausgebreitet aus den gemeinsamen Jahren 1976–1988, die das Paar zum Teil reisend in einem Citroën-Bus erlebte. Näher könne man ihrem inneren Selbst nicht kommen, sagte Abramović über die Schau. Ein Pflichtbesuch für alle Fans der gebürtigen Serbin, die in diesem Jahr 80 wird.
August Gaul
Liebieghaus, Frankfurt, bis 3. Mai
Liegende Löwen, pausierende Pinguine, Adler im Anflug auf ihr Nest: August Gaul wählte sich um 1900 eher undramatische Momente aus der Tierwelt, um so daraus dennoch sehr bewegende Bronzeskulpturen zu machen: Die Körperhaltungen und Gesichtszüge seiner Protagonisten offenbaren Seelentiefen. Der Bär, den er 1904– 1910 auf eine Kugel stellte, wirkt daher sehr verspielt. Und das Antlitz des 1895 porträtierten Orang-Utans Jumbo geriet so individuell, dass es im Liebieghaus nun im Vergleich mit einer römischen Büste des Kaisers Marc Aurel zu sehen ist.
Wright of Derby
National Gallery, London, bis 10. Mai
Um 1750 war die Stadt Derby in Mittelengland ein frühes Zentrum der industriellen Revolution. Hier wirkte Joseph Wright, der als später Caravaggist inhaltlich völlig neue Dinge zeigte: Das Zentrum seiner Hell-Dunkel-Gemälde bildeten nicht mehr spirituelle Motive wie der kindliche Christus oder Kerzen, sondern technische Apparaturen wie eine Luftpumpe und eine Planetenmaschine – oder auch ein Brief, der den Akt des Lesens selbst symbolisiert („A Girl Reading a Letter with an Old Man Reading over her Shoulder“, um 1767–1770). Wright of Derby zählt in Großbritannien zum Kanon, darüber hinaus ist er jedoch noch zu wenig bekannt.
Richard Paul Lohse
Haus Konstruktiv, Zürich, bis 10. Mai
Logik spielte eine große Rolle für den 1902 in Zürich geborenen Richard Paul Lohse – nicht nur im Raster seiner Kompositionen, sondern auch in den seriellen Ablauffolgen der Farben („Grün–Gelb–Rot“, 1950/1970). Ein Leitgedanke des Malers lautete: „Farbe und Form heben sich als Gegensatz auf.“ Und im Haus Konstruktiv kann man an 50 leuchtenden Werken der Jahre 1942 bis 1987 sehr schön sehen, was dabei am Ende bestehen bleibt: die Atmosphäre des Bildes, die fast wie aus sich selbst heraus entstanden scheint. Als ein Hauptvertreter der Konkreten Kunst transportierte Lohse mit seinen Werken positive Gefühle, ohne seine Schöpferpersönlichkeit zu thematisieren. Ein meisterhaftes Understatement!