Das Museum Ludwig in Köln feiert dieses Jahr sein 50. Jubiläum. Wir sprachen mit Direktor Yilmaz Dziewior über das Erbe des Ehepaars Ludwig, japanische Pop-Art und die „Mona Lisa“ von Köln
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02.03.2026
Wir wollten zum einen unsere Stärke zeigen und das ist die Pop-Art. Mit Kusama zeigen wir einen japanischen Blick auf die Pop-Art. Da wir im Gründungsjahr eine Arbeit von Kusama geschenkt bekommen haben, ist sie die ideale Künstlerin für diese Ausstellung. Wir möchten unsere Stärke feiern, aber auch selbstkritisch auf unsere Sammlung schauen. Das Museum Ludwig ist das Haus für die amerikanische Kunst außerhalb der USA. Es gibt kaum ein Museum, das so in der Tiefe und auch so qualitätsvoll die amerikanische Nachkriegskunst in der Sammlung hat. Aber wir wollten auch klarmachen, welche Positionen nicht in unserer Sammlung vertreten sind, die aber in derselben Zeit wie Arbeiten in unserer Sammlung entstanden sind. Das zeigt die Ausstellung „Along the Color Line. Perspektiven einer transatlantischen Moderne“. In unserer Sammlung sind aus strukturellen Gründen wenig Werke von schwarzen Künstlerinnen und Künstler. Anfang bis teilweise Mitte des 20. Jahrhunderts war es für Schwarze Menschen in den USA sehr schwierig bis unmöglich Kunst zu studieren, und es gab kaum Galerien, die sie ausgestellt haben. Das heißt, Peter und Irene Ludwig konnten auf ihren Streifzügen durch die Galerien in New York diese Kunst gar nicht antreffen und deshalb sind sie auch nicht in unserer Sammlung. Es gab eine strukturelle Vernachlässigung, oder man kann sogar zugespitzt sagen, es gab strukturellen Rassismus, der bewirkt hat, dass die Künstler und Künstlerinnen nicht präsent waren und dementsprechend nicht in unserer Sammlung vertreten sind. Ich finde es wichtig in unserem Jubiläumsjahr, einerseits die Stärke und andererseits aber auch die Leerstellen innerhalb der Sammlungen durch unsere beiden großen Jubiläumsausstellungen zu reflektieren.
Wir wollen die Öffnung zum Publikum noch weiter stärken. Also wie machen wir die Arbeit des Museum Ludwig relevanter für ein breites Publikum? Und wie bilde ich im Programm noch stärker Gesellschaft ab und gesellschaftliche Belange? Wie schaffe ich es, ein Publikum, das bisher noch nicht zu uns kommt, für uns zu interessieren und zu begeistern? Ein Paradebeispiel, wo sich unser Museum noch hinbewegen kann und inklusiver und integrativer für die Stadtöffentlichkeit werden kann, ist für mich die Ausstellung mit Francis Alÿs „Kids Take Over“, wo die Kinder im Mittelpunkt standen.
Wenn Sie am langen Donnerstag zu uns kommen, finden man wirklich ein äußerst junges, diverses Publikum vor. Wir merken, es liegt auch am Geld, also das es keinen Eintritt kostet. Das ist ein wichtiger Faktor, wofür wir die Politik noch stärker sensibilisieren müssen. Wir haben Freundeskreise, die sich teilweise mit Untergruppen speziell auf ein junges Publikum fokussieren. Und ich glaube, an uns liegt es, wie wir alte Kunst möglichst jung kommunizieren. Also, wie können wir junge Menschen aus unterschiedlichen sozialen Gruppierungen für unser Haus begeistern?
Ich weiß gar nicht mehr, was ist ein klassisches Ausstellungsformat? Also zum Beispiel hatten wir bei der Ausstellung „Fünf Freunde“ Bilder an den Wänden, Skulpturen und Vitrinen standen im Raum, das hatte die Anmutung nach so genannten klassischen Ausstellungen. Wir haben das aber immer aktiviert, also wir haben im größten Saal mit Tänzerinnen und Tänzern zusammengearbeitet, mit Musikerinnen und Musikern. Und auch bei der aktuellen Ausstellung aus der Reihe „Hier und jetzt“ mit Mary Watt und Wendy Red Star, wird es eine ganze Reihe von Performances und Lesungen geben. Ich glaube „klassische“ Ausstellungsformate sind für uns ein wichtiges Werkzeug, das gleichzeitig immer wieder aktiviert werden muss. Etwas hinzustellen oder hinzuhängen und denken, das wird schon jemand interessieren und da wird schon jemand kommen, das ist, glaube ich, nicht der richtige Ansatz. Unser Anliegen ist dann schon das Publikum zu aktivieren und zu involvieren. Das ruft einen großen Zuspruch hervor.
Eine gute Ausstellung ist eine Ausstellung, die mich visuell anspricht, in der ich ein ästhetisches Erlebnis habe, das ich in anderen Kontexten und Freizeitaktivitäten nicht habe und von der ich im besten Fall auch überrascht werde und wo meine eigenen Vorstellungen und eigenen Urteile hinterfragt werden und die mich emotional und intellektuell involvieren.