Im Oktober widmen wir uns der transatlantischen Moderne in Köln, entdecken den Designer Christian Dell in Wiesbaden und tauchen ein in die digitale Welt der Generation Alpha in Berlin
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01.10.2026
Gropius, klar. Albers, Breuer, Schlemmer auch. Aber Dell? Es ist ein bisschen gemein, dass sich Bauhaus-Enthusiasten weniger an den Werkmeister Christian Dell erinnern. Vielleicht weil er den Umzug von Weimar nach Dessau nicht mitmachte, sondern stattdessen 1926 an die Kunstschule nach Frankfurt wechselte. Dort wurde er dann als Designer sehr einflussreich, vor allem in der Gestaltung von Lampen. Seine Leuchte „Rondella“ von 1928 gilt heute als moderner Klassiker. Sie ist nicht nur schlicht und elegant, sondern bietet auch ein innovatives Kugelgelenk, das den Schirm in beliebige Richtungen schwenkbar macht. Die Ausstellung im Wiesbadener Stadtmuseum am Markt zeigt Werke aus allen Schaffensphasen des gelernten Silberschmieds, zum Beispiel auch eine wundervolle Bauhaus-Weinkanne von 1922 mit recht kugeliger Gestalt. Eine Figur aus einem Oskar-Schlemmer-Gemälde würde diese Kanne lieben.
Arbeiten Schwarzer Künstlerinnen und Künstler sind in den meisten europäischen Museen, vor allem im Bereich der Moderne, unterrepräsentiert. Zu diesem Schluss kam ein Forschungsprojekt des Museum Ludwigs. Mit der Schau „Along the Color Line – Spuren einer transatlantischen Moderne“ zeigt die Kölner Institution in ihrem Jubiläumsjahr gezielt Werke der Schwarzen Diaspora im Dialog mit der eigenen Sammlung. So bildet der deutsch-amerikanische Künstler James Gregory Atkinson in seiner Installation „Your Job in Germany“ eine Schwarze Schaufensterpuppe in traditionellen Lederhosen ab. Vor dem Hintergrund einer großformatigen, gerasterten Tapete mit dem Aufdruck amerikanischer Militäruniformen setzt sich die Inszenierung mit der Präsenz Schwarzer US- Soldaten und ihren Familien in Deutschland auseinander und lenkt den Blick auf kulturelle Identität in Form von Kleidung.
Devon, Zoe und Ruby haben ihre Augen gebannt auf die Bildschirme ihrer Smartphones gerichtet. Auf den Gesichtern der 13- und 14-Jährigen lassen sich verschiedene Emotionen – von Sorge und Anspannung über Erstaunen bis hin zu Freude – ablesen. „Girls on Phones“ ist eines der Werke von Lauren Greenfield, das vom Umgang der jungen Generation mit den sozialen Medien erzählt. Bereits sechs Dokumentarfilme der Foto- und Videografin befassen sich mit den Themen Konsumkultur, Online-Communitys, Jugend und Geschlechterrollen. Für ihren neuesten Film „Social Studies“ begleitete Greenfield 150 Tage lang den digitalen sowie realen Alltag von Jugendlichen und arbeitete mit über 2000 Stunden ungefilterter Bildschirmaufnahmen. Mithilfe von Fotowänden, nachgebauten Jugendzimmern und Algorithmus-Installationen wird so die digitale Welt der Generation Alpha zu einer begehbaren Ausstellung.
Für seine „Latent City“-Serie entwickelte der Pionier der KI-Kunst Refik Anadol komplexe Algorithmen, die das urbane Leben in Metropolen in bunt verpixelte Datenströme übersetzen. In der neuen Kunsthalle Brusk fließen derzeit sowohl historische als auch aktuelle Informationen über die Weltkulturerbestadt Brügge, die der türkisch-amerikanische Künstler gesammelt hat, in seine über 10 Meter hohe immersive Installation ein. Die Skulptur speist sich auch aus live generierten Daten und transformiert sich kontinuierlich. Dabei geht Anadol der Frage nach, wie Technologie die vielen Schichten einer Stadt – von mittelalterlichen Netzwerken bis zu berühmten Kunstsammlungen – darstellen kann.
Pfotenfetischisten aufgepasst! Erstmals widmet sich im Dommuseum Hildesheim eine Ausstellung ausgiebig dem oft übersehenen Unterbau von mittelalterlichem Kunsthandwerk. Obwohl man dabei von „Füßen“ spricht und die Schau „Zu Fuß“ betitelt ist, wird man doch häufiger auf animalische Pranken oder Tatzen blicken. Ein Tragaltar aus dem 12. Jahrhundert wird von vier Greifenklauen dezent in die Lüfte gehoben. Ein Leuchter in Form eines Elefanten steht auf bemerkenswert schlanken Beinen. Und man glaubt es kaum: Die zwei Kontinenteleuchter des Domschatzes, die Erdteile als sitzende Figuren darstellen, ruhen auf Tierkörpern, die an schnittige Windhunde erinnern. Welche Bedeutung steckt dahinter? Die Rolle der Füße in der Kunst ist einfach noch nicht erforscht! Diese Schau hat sich vorgenommen, das zu ändern.
Mit seinem leicht naiven Malstil zählte L. S. Lowry zu den Sonderlingen der englischen Moderne. Und doch hatte er riesigen Erfolg, seine Stadtszenen, die von anonymen „Streichholzmännern“ bevölkert sind, wurden zu Publikumsliebligen. Zum Pflichtbesuch für alle Lowry-Liebhaber wird diese Schau der MK Gallery mit mehr als 140 Gemälden und Zeichnungen, die die feine Balance zwischen Melancholie und Zärtlichkeit halten. Ein tolles Bild wie „A Football Match“ (1932) hängt nach fast 85 Jahren erstmals wieder in einem Museum!