Erstaunlich oft geht es in Ausstellungen in diesem Herbst um künstlerische Produktivität, die nur im Austausch entsteht. Wir haben die schönsten ausgewählt, die Freundschaft, Liebe oder Kollektive zum Thema haben. Teil 2: von Renoir in London bis zu den Bauhaus-Fotografinnen in Berlin
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28.08.2026
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Erschienen in
Weltkunst Nr. 259
Museum für Fotografie, Berlin, bis 4. Oktober
Die Kamera eröffnete Frauen in der Weimarer Republik neue berufliche Perspektiven. Insbesondere am Bauhaus, wie aktuell die Schau „Neue Frau. Neues Sehen“ vorführt, trugen die ausgebildeten Fotografinnen maßgeblich dazu bei, dessen Produkte und Designs zu bewerben sowie für die Nachwelt zu dokumentieren. Durch das gemeinsame Leben und Arbeiten vor Ort entwickelten sich auch innige Lieb – und Freundschaften, die ebenfalls zum Motiv der Bauhäuslerinnen wurden. Das junge „Mädchen mit Kamera beim Fotografieren“ porträtierte Lucia Moholy um 1929.
Hamburger Bahnhof, Berlin, bis 14. März 2027
Wie lassen sich Erinnerungen physisch erfahrbar machen? Das Erforschen von unterschiedlichen Materialien steht im Zentrum der Praxis der Leipziger Künstlerinnengruppe „[ materialistin ]“. Für die gleichnamige kollektive Ausstellung schuf Agnes Lammert Kokons aus Kokosfasern, die wie eine Fortsetzung ihrer „Membran“ (2024) wirken. Die insgesamt acht Bildhauerinnen teilen nicht nur solidarisch ihr Werkzeug, sondern auch ihr Wissen miteinander.
Muzeum Sztuki, Łódź, bis 30. Dezember
Das Muzeum Sztuki in Łódź, gegründet 1931, ist eine der ältesten Institutionen für moderne Kunst, angeregt von der Künstlergruppe „a.r.“ um Władysław Strzemiński und Katarzyna Kobro. Sie waren vernetzt mit Avantgarden von Paris bis Moskau und erhielten von dort Werke für die Sammlung. Das Museum hat seither von vielen Schenkungen profitiert. Rund 150 „Gifts of Friendship“ der letzten zwei Jahre, darunter Werke von Liam Gillick, Hito Steyerl, Gelatin oder Ghislaine Leung („Parents“, 2019), bezeugen den weltoffenen Geist des Hauses. Freigiebig waren auch die polnischen Künstlerfreunde.
Kunstmuseum Basel, 19. September bis 7. Februar 2027
Gertrud Dübi-Müller stand nur still, wenn sie für Ferdinand Hodler posierte. Ansonsten bestieg sie das Matterhorn oder nahm an Autorennen teil. Die 1888 geborene Schweizer Fotografin, Sammlerin und Mäzenin entdeckte in jungen Jahren ihre Liebe zur Kunst. Sie nahm Malunterricht bei Cuno Amiet, sammelte Werke von van Gogh. Mit Hodler verband sie eine enge Freundschaft. 17 Bildnisse malte er von ihr, das erste davon entstand 1911. Die Schau „Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet“ erzählt erstmals die Geschichte dieser selbstbestimmten Frau.
Metropolitan Museum, New York, 4. Oktober bis 31. Januar 2027
In einem Holzhaus in den Hamptons begann 1946 die Zukunft: Lee Krasner entwickelte die All-over-Abstraktionen ihrer „Little Images“. Und Jackson Pollock spritzte ein Jahr später stark verflüssigte Farbe auf die Leinwand: die „Drip Paintings“. Die Schau „Krasner and Pollock: Past Continuous“ korrigiert das Versäumnis, dass lange nur seine Werke im Spotlight hingen. Denn Krasner – ihr spätes Bild „Rising Green“ von 1972 – war ebenso bahnbrechend. Das Paar zeichnete eine künstlerische Geistesverwandtschaft aus, die bis zu Pollocks Unfalltod 1956 anhielt.
Kunsthalle St. Annen, Lübeck, bis 25. Oktober
Zu zweit ist man weniger allein: Else Alfelt und Carl-Henning Pedersen verbündeten sich früh gegen die akademische Tradition ihrer Heimat Dänemark. Sie wurden Freunde – und ein Paar. 1948 stieß das Duo auf die internationale Cobra-Bewegung. Gerade Pedersen ließ sich auf deren Ästhetik des Rohen und Ungezähmten ein, Alfelt blieb bei spirituellen Motiven wie „Himmelbuen“. Die Ausstellung „Dimensionen der Freiheit“ spürt dieser konstruktiven Liebe nach und rückt insbesondere die Malerin in ein neues, verdientes Licht.
National Gallery, London, 3. Oktober bis 31. Januar 2027
Sonne und Liebe durchfluten die Bilder von Pierre-Auguste Renoir. Und am schönsten tun sie das in „Bal du moulin de la Galette“ (1876), dem berühmten Werk aus dem Pariser Museé d’Orsay, das nun in der Londoner Ausstellung „Renoir and Love“ das Thema auf den Punkt bringt: Während im Hintergrund eng umschlungen getanzt wird, bahnen sich im Vordergrund schon neue Beziehungen an. Die Malerei des Impressionismus machte die Freizeit, die man inmitten guter Freunde verbringt, zum bildwürdigen Motiv. Und keiner verbreitete dabei so konsequent gute Laune wie Renoir.