Ausstellungen in Venedig

Rund um die Biennale

Zur Biennale-Zeit eröffnen in Venedig traditionell zahlreiche hochkarätige Ausstellungen. Wir haben fünf spannende herausgepickt: von Anselm Kiefer im Dogenpalast bis Marlene Dumas im Palazzo Grassi

Von Petra Schaefer & Simone Sondermann
31.05.2022
/ Erschienen in WELTKUNST Nr. 199

HIMMELSLEUCHTEN

Gleich sechs renommierte Galerien wirkten zusammen, um diese Schau auf die Beine zu stellen. In der Scuola Grande San Giovanni Evangelista, deren Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückreicht, entfaltet sich das Werk von Ugo Rondinone. Zu sehen sind bekannte Werke wie „the sun II“ von 2018 im Innenhof, mit „burn shine fly“ entstand außerdem eine neue ortsspezifische Installation, bei der blaue Puppen engelsgleich durch den Kirchenraum schweben. Bis 17. September

Scuola Grande San Giovanni Evangelista Ugo Rondinone Venedig Biennale
Bis zum 13. September zeigt die Scuola Grande San Giovanni Evangelista das Werk von Ugo Rondinone. © 2022 Andrea Rossetti

BACK TO BLACK

Vor 60 Jahren bespielte Louise Nevelson den Pavillon der USA auf der Biennale, nun versammelt eine Retrospektive in den historischen Räumen der Prokuratien am Markusplatz mehr als 60 Werke aus den 1950er- bis 1980er-Jahren. Der Vater der Künstlerin betrieb nach seiner Emigration aus dem Zarenreich einst ein Sägewerk in Maine, Louise wurde zur Meisterin der Assemblage, die sie aus Holzfragmenten und alten Möbeln zusammensetzte. Zu sehen sind unter anderem mehrere ihrer schwarz bemalten Objektbilder, die eine geradezu außerirdische Aura umgibt. Bis 11. September

Louise Nevelson Moon Spikes Venedig Biennale
Bis zum 11. September sind in der Retrospektive der Prokuratoren am Marktplatz mehr als 60 Werke Louise Nevelsons aus den 1950er- bis 1980er-Jahren zu sehen – darunter auch die „Moon Spikes“ von 1955. © Fabio Mantegna / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

BLUT UND WASSER

Anish Kapoor ist in Venedig derzeit gleich doppelt präsent: in den Gallerie dell’Accademia und im Palazzo Manfrin am Cannaregio-Ufer. Der Palazzo wurde eigens zur Biennale teileröffnet und beherbergt künftig auch die Stiftung des Künstlers. Kapoor ließ das historische Gebäude so umbau- en, dass seine Installationen optimal zur Geltung kommen. Überwältigend ist etwa der Eindruck der riesigen schwarz-roten Acrylspirale, die an der Decke der Eingangshalle wuchert, oder der des Werks „Die Verwandlung von Wasser zu Spiegel. Blut im Himmel“ (2003). Bis 9. Oktober

Anish Kapoor Die Verwandlung von Wasser zu Spiegel Blut im Himmel
Das dunkelrote Wasser in Anish Kapoors „Die Verwandlung von Wasser zu Spiegel. Blut im Himmel“ von 2003 spielt auf das Thema des Blutopfers an. © Anish Kapoor; Foto: Attilio Maranzano; VG Bild-Kunst Bonn, 2022

WELTTHEATER AM MARKUSPLATZ

Anselm Kiefer bespielt den Dogenpalast der ehemaligen Seerepublik mit einer fulminanten Schau. In der Sala dello Scrutinio neben dem mächtigen Ratssaal zeigt der deutsche Maler auf 800 Quadratmetern acht großformatige Szenen, die aus je 15 bis 20 Leinwänden zusammengesetzt sind. Mit dieser Bilderfülle übertrumpft er gar den berühmten Jacopo Tintoretto, der einst die Scuola Grande di San Rocco mit 60 Gemälden ausstattete. Kiefers Neuausstattung reicht vom Boden bis unter die goldene Kassettendecke und erzählt venezianische wie Weltgeschichte. Bis 29. Oktober

Anselm Kiefer Dogenpalast Venedig
Anselm Kiefer bespielt die 800 Quadratmeter des Dogenpalasts noch bis zum 29. Oktober mit einer fulminanten Schau. © Anselm Kiefer, Foto: Georges Poncet / Courtesy Gagosian and Fondazione Musei Civici Venezia

INTIME GESTALT

Die gebürtige Südafrikanerin Marlene Dumas ist eine Meisterin der Schonungslosigkeit, leicht zu konsumieren sind ihre Gemälde nie. Die Pinault Collection präsentiert im Palazzo Grassi eine große Ausstellung der auch am Kunstmarkt sehr gefragten Malerin. Wir sehen die tote Marilyn Monroe, Menschen aus dem Rotlichtmilieu, das die in Amsterdam lebende Künstlerin seit Langem fasziniert, schwule Ikonen wie Oscar Wilde oder Pier Paolo Pasolini und sehr viel Nacktheit (oben »Alien«, 2017). Eine Meditation über das Nahe im Fremden und das Befremden der Nähe. Bis 8. Januar 2023

Marlene Dumas Alien Palazzo Grassi Venedig BIennale
Auch Marlene Dumas' „Alien“ ist in der Schau im Palazzo Grassi zu sehen. © Marlene Dumas, Foto: Kerry McFate, New York

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