Ausstellungstipps

Die besten Ausstellungen im Mai

Wir zeigen die schönsten Ausstellungen im Wonnemonat: von Max Slevogt in Schweinfurt bis Louise Nevelson in den Prokuratien von Venedig

Von Tim Ackermann & Simone Sondermann
02.05.2022
/ Erschienen in WELTKUNST Nr. 198

Louise Nevelson

Prokuratien, Venedig, bis 11. September

Die Lagunenstadt kann gerade mit vielen hochkarätigen Ausstellungen aufwarten, die als sogenannte Collateral Events die Biennale begleiten. Besonders sehenswert ist die Retrospektive der ukrainisch-amerikanischen Bildhauerin Louise Nevelson, die in den historischen Räumen der Prokuratien am Markusplatz mehr als 60 ihrer oft großformatigen Werke aus den 1950er- bis 1980er-Jahren aufbietet. Der Vater der Künstlerin betrieb nach seiner Emigration aus dem Zarenreich einst ein Sägewerk in Maine, Louise wurde zur Meisterin der Assemblage, die sie aus Holzfragmenten und alten Möbeln zusammensetzte. Die Schau versammelt mehrere ihrer berühmten tiefschwarz bemalten Standbilder, die eine geradezu außerirdische Aura umgibt, spannend zu sehen sind auch ihre frühen, oft unlackierten Arbeiten, die einen Einblick in ihr poetisches Verständnis des Werkstoffs Holz geben.

Louise Nevelson Assemblage Sky Cathedral Ausstellung Venedig
Back to Black: Louise Nevelsons „Untitled (Sky Cathedral)“, 1970-1975, in Venedig. © 2022, Estate of Louise Nevelson / Artists Rights Society (ARS), New York; VG Bild-Kunst Bonn, 2022

Liebe und Krieg

Monastère royal de Brou, Bourg-en-Bresse, bis 26. Juni

Unter den alten Reichen Europas zählten die Burgunder zu den größten Unglücksraben: 1477, nach dem Tod Karls des Kühnen, wurde das Herzogtum unter seinen Nachbarn, den Habsburgern und den Franzosen, aufgeteilt. Als das 19. Jahrhundert anbrach, setzte sich allerdings in der französischen Kunst der style troubadour durch, der das Mittelalter nostalgisch verklärte. Plötzlich war auch die Geschichte Burgunds wieder en vogue: So imaginierte etwa Jean-Auguste Barre zwischen 1839 und 1844 die Herzogin Maria bei der Falkenjagd. Und Isidore Patrois malte sich 1864 in leuchtenden Farben die Gefangennahme Jeanne d’Arcs durch Philipp den Guten aus.

Jean Auguste Barre Marie de Borugogne Ausstellung Bourg en Bresse
Hoch zu Ross: Jean-Auguste Barre, "Marie de Bourgogne à la chasse aus faucon", 1839–1844. © Musée des Beaux-Arts de Dijon/François Jay

Dalí – Freud

Unteres Belvedere, Wien, bis 29. Mai

Salvador Dalí hatte bekanntermaßen ein riesiges Ego. Doch wenn es um sein Idol Sigmund Freud ging, verwandelte sich der spanische Malerstar in einen hemmungslosen fanboy: Jahrelang bestürmte er den Begründer der Psychoanalyse, bettelte um ein Treffen. Immer wieder ließ Freud die Sache platzen. Dann kam es im Sommer 1938 doch zur denkwürdigen Begegnung in London – und Dalí verewigte die Audienz in einer Charakterkopfzeichnung des Psychologengenies. Worüber die beiden sprachen, blieb ihr Geheimnis. Klar ist, dass Dalís Werke viel mit Freuds „Traumdeutung“ gemein haben. Das zusammen mit Edward James geschaffene „Lobster Telephone“ (1938) ist dafür ein prägnantes Beispiel.

Dali Lobster Telephone Ausstellung Belvedere Wien
Ohrenkneifer: "The Lobster Telephone", geschaffen 1938 von Salvador Dalí und Edward James. © Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí/VG Bildkunst, Bonn 2022

Max Slevogt

Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, bis 19. Juni

Dass die Welt eine Bühne sei, schrieb Shakespeare in seiner Komödie „Wie es euch gefällt“. Max Slevogt hat sich die Dichterworte augenscheinlich zu Herzen genommen – denn den Sessel im Theaterparkett scheint der Maler nur ungern verlassen zu haben. Inspiration fand er in den Bewegungen der Tänzerin Anna Pawlowa, die er 1909 im Bild festhielt, oder 1912 im Gesangsvortrag des gefeierten Bariton Francisco d’Andrade als Don Giovanni. Eigene Kostüm- und Bühnenbildentwürfe vervollständigen die Schau über diesen vom Rampenlicht angezogenen Impressionisten, der selbst ein guter Sänger und Pianist war.

Max Slevogt Anna Pawlowa Ausstellung Schweinfurt
Bühnenmensch: Max Slevogt, "Die Tänzerin Anna Pawlowa", 1909. © Albertinum/GNM, Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Elke Estel/Hans-Peter Klut

Frauen-Porträts

Modern Art Museum of Fort Worth, 15. Mai bis 25. September

Als Kanonrevision darf man diese Ausstellung nicht verstehen. Sie wird vielmehr ein Schaulaufen jener zeitgenössischen Künstlerinnen, die in den vergangenen drei Dekaden wichtig waren. Neben Malerinnen wie Tracey Emin oder Elizabeth Peyton, die in den 1990er-Jahren als junge Wilde den Durchbruch schafften, versammelt die Schau „Women Painting Women“ auch Vorkämpferinnen einer früheren Generation wie Maria Lassnig, Faith Ringgold oder Emma Amos („Three Figures“ von 1967), die erst spät im Leben Anerkennung fanden. Wer in diese Schau eintaucht, könnte männliche Malerei anschließend als überflüssig empfinden.

Emma Amos Three Figures Ausstellung Fort Worth
Frauen im Fokus: Emma Amos, "Three Figures", 1967. © Emma Amos, courtesy RYAN LEE Gallery, New York/ VG Bild-Kunst, Bonn 2022

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