Kunstausstellungen 2021

Die besten Ausstellungen 2021: Teil 2

Vorfreude ist die schönste Freude! Dies sind die Kunstausstellungen, die wir nach Wiedereröffnung der Museen im Jahr 2021 besonders empfehlen. Teil 2: April bis Juni

Von Tim Ackermann
27.12.2020

April: Von Korea bis Köpenick

Hoch technisierter Turbokapitalismus prallt auf sozialistischen Planstaat: In Korea ist das Alltag – und die Idee, den Kontrast zwischen Süden und Norden der Halbinsel über die Bilder zu erzählen, führt zur reizvollen Ausstellung „Grenzgänge“ im Kunstmuseum Bern. Vom 30.4. bis 5.9. sind die Künstler beider Staaten mit Werken aus der Sammlung Sigg zu entdecken.

Wem Korea doch zu exotisch ist, der fühlt sich vielleicht  in den Kunstmuseen Krefeld wohler. „Künstliche Biotope“ der Moderne rekonstruiert vom 18.4. bis 29.8. das Haus Lange. Die schnörkellose, großzügige Architektur von Ludwig Mies van der Rohe ist ohnehin Balsam fürs Auge. Nun empfängt sie ideale Gäste mit den so klaren wie beseelten Skulpturen von Georg Kolbe und Wilhelm Lehmbruck.

Manchmal liegt das Gute aber noch näher – in Köpenick, dem unterschätzten Vorortbezirk: Das dortige Schloss beherbergt eine Dependance des Berliner Kunstgewerbemuseums, die tolle Schauen macht. „Flora, Fauna, Fabelwesen“ präsentiert vom 24.4. bis 3.10. gemalte Keramikdekore der zeitgenössischen Künstlerinnen Sonngard Marcks, Heidi Manthey und Grita Götze.

Keramik Teller Götze Ausstellung Berlin Kunstgewerbemuseum
Grita Götzes Teller „Wiesenstück mit Admiral“ (2018/2019) ist im Kunstgewerbemuseum in Berlin-Köpenick ein Augenschmaus. © Klaus E. Görlitz, Halle (Saale)/Grita Götze

Mai: Hummer in Marseilles und das Brennpunktthema „Müll“

Klar, die Kunst von Jeff Koons ist vollkommen sinnlos. Trotzdem können seine absurd aufwendigen Edelstahlskulpturen – diese auf Hochglanz polierte Version ästhetischen Überflusses – süchtig machen. Der Großsammler François Pinault, der seine Koons-Schätze vom 5.5. bis 18.10. im Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers (Mucem) in Marseille zeigt, dürfte längst ein Abhängiger sein. Auch wir geben uns gern einem guten Kitsch-High hin.

Eine Erfolgsperson ihrer Zeit stellt auch das Städel Museum in Frankfurt mit der Schau „Frei. Schaffend. – Die Malerin Ottilie W. Roederstein“ vom 19.5. bis 5.9. vor: Roederstein wurde 1859 in der Schweiz geboren und war schon als Mittzwanzigerin in Paris mit Porträtaufträgen gefragt. Ihre Bilder reisten bis in die USA – während sie selbst ab 1891 in Frankfurt mit ihrer Lebenspartnerin Elisabeth Winterhalter, der ersten deutschen Chirurgin, weibliche Rollenklischees zertrümmerte.

Nicht weniger politisch und zeitrelevant wirkt die Ausstellung „Territories of Waste“ im Basler Museum Tinguely zum Brennpunktthema „Müll“: Vom 5.5. bis 29.8. treffen die Trödelskulpturen aus den Sechzigern von Jean Tinguely & Co. auf Gegenwartskunstwerke, die Abfallberge und Umweltzerstörung kritisieren.

Lobster Jeff Koons Mucem
In Marseille mag man Meeresfrüchte wie den „Lobster“ (2007–2012) von Jeff Koons, ab Mai zu sehen im Mucem. © Pinault Collection/Jeff Koons

Juni: Japanische Holzschnitte und konkrete Kunst

Wer meint, dass die Werke von Henri de Toulouse-Lautrec plakativ und holzschnittartig wirken, liegt richtig. Denn Werbeplakate schuf er viele. Und dabei ließ er sich oft von Holzschnitten aus Fernost inspirieren. Das Kunstmuseum Moritzburg in Halle (Saale) zeigt vom 6.6. bis 22.8. unter dem Titel „La Bohème“ Plakate des Postimpressionisten – parallel zu einer Schau mit japanischen Holzschnitten.

Auf noch extremerer Formvereinfachung basieren die rein geometrisch oder optisch begründeten Bilder der konkreten Kunst. Den bisher wenig beleuchteten Anteil der Frauen an dieser Richtung erhellt das Kunstmuseum Stuttgart vom 26.6. bis 1.11. mit Werken von Sophie Taeuber-Arp bis Charlotte Posenenske in der Schau „Konkrete Künstlerinnen“.

Am radikalsten ist allerdings der komplette Verzicht aufs Gemälde – wenn das deutsche Elektro-Duo Mouse on Mars vom 12.6. bis 12.9. im Kunstraum des Lenbachhauses in München Klänge wie Flipperkugeln durch die Architektur schießt. Aber doch, ja: Buntes Licht wird es auch hier geben!

Hier geht’s zum ersten Teil unserer Ausstellungsvorschau 2021.

japanischer Holzschnitt Halle Moritzburg Ausstellung
Holzschnitte wie „Kurtisane und Elevin unter Kirschblüten“ (um 1850) bezaubern ab Anfang Juni in Halle. © Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale), Siegfried Gergele