03.02.2020 Weltkunst Redaktion

Nicht verpassen: 10 Ausstellungen im Februar

Der Februar bietet zahlreiche spannende Kunstereignisse wie die große David-Hockney-Schau in Hamburg, Dorothea Langes Fotografien in New York und die atemberaubende Kunst Jan van Eycks in Gent

Amuse-Bouche
Museum Tinguely, Basel, 19. Februar bis 17. Mai

Das Museum Tinguely schärft wieder die Sinne: Nach Riechen (2015) und Tasten (2016) ist nun der Geschmack an der Reihe. Doch Obacht: Während Emeka Ogbohs Bierkunst „Sufferhead“ oder Elizabeth Willings Werke aus Pfeffernüssen gut munden, ist Dieter Roths verschimmelte Schokokunst ungenießbar.

David Hockney
Bucerius Kunst Forum, Hamburg, 1. Februar bis 10. Mai

Wer es 2017 nicht zur großen Retrospektive des englischen Malers nach London oder Paris geschafft hat, wird jetzt zumindest zum Teil getröstet: Rund 100 Werke, die vor allem aus der Tate Gallery stammen, kommen nach Hamburg. Darunter auch Gemäldeknüller wie das Bild „Mr and Mrs Clark and Percy“ (1970–1971), das ein Bohemienpaar mit blütenweißer Katze in einem geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer zeigt. Oder das Doppelporträt „My Parents“ von 1977, das in Stille und Zartheit ein ganzes Universum widerstreitender familiärer Gefühle ausbreitet.

David Hockney, „My Parents“, 1977, Abbildung: Tate, London 2019, © David Hockney
David Hockney, „My Parents“, 1977, Abbildung: Tate, London 2019, © David Hockney

MalerInnen der Romantik
Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, 16. Februar bis 10. Mai

Die Benachteiligung der Malerinnen im 19. Jahrhundert findet heute in den Museen ihre Fortsetzung. Umso erfreulicher, dass sich hier 16 Künstlerinnen wie Caroline Bardua oder Marie Ellenrieder zu ihren männlichen Kollegen gesellen.

Jan Van Eyck
Museum der Schönen Künste, Gent, 1. Februar bis 30. April

Er konnte Engel ebenso realistisch malen wie ein Butzenscheibenfenster. Das macht Jan van Eyck (1390–1441) zum Vorreiter in der altniederländischen Kunst. In Gent werden zehn seiner rund 20 eigenhändigen Werke gezeigt. Auch die gerade restaurierten Außenflügel des Genter Altars, den Jan gemeinsam mit seinem Bruder Hubert schuf, verlassen dafür ihren Platz in der St.-Bavo-Kathedrale. Weiteren Kontext bieten Künstler der Epoche wie Tydeman Maes.

Jan Van Eyck, „Engel mit den Arma Christi
Jan Van Eyck, „Engel mit den Arma Christi", ca. 1425–1435, Abbildung: Museo Nacional del Prado, Madrid

Monet. Orte
Museum Barberini, Potsdam, 22. Februar bis 1. Juni

Was wünschen wir uns bei einer Claude-Monet-Ausstellung? Die rauchenden Dampfloks im „Gare Saint-Lazare“ aus der Londoner National Gallery? Einen „Getreideschober, Schnee, Sonnenlicht“ (1891) aus Privatbesitz? Die „Seerosen“ aus dem Dayton Art Institute? Eine Steilküstenansicht? Ein Feld voll Mohn und Pappeln? Das Museum Barberini stemmt einen kuratorischen Kraftakt und lässt keinen Wunsch unerfüllt.

Claude Monet, „Getreideschober, Schnee, Sonnenlicht“, 1891, Privatbesitz
Claude Monet, „Getreideschober, Schnee, Sonnenlicht“, 1891, Privatbesitz

Fantastische Frauen
Schirn Kunsthalle, Frankfurt, 13. Februar bis 24. Mai

Frida Kahlo war zweifellos eine fantasievolle Künstlerin. Und doch wuchs sie mit Bildern wie „Selbstbildnis mit Dornenhalsband“ von 1940, die das eigene Leiden thematisieren, aus dem surrealistischen Stil heraus, wurde größer als sehr viele ihrer Kollegen, die bekannteste Malerin der Geschichte. Nun kehrt sie für eine Ausstellung zurück in den Kreis ihrer Gesinnungs­genossinnen: Die Schirn richtet das Klassentreffen der Surrealistinnen aus, und die Liste der geladenen Namen mit Louise Bourgeois, Claude Cahun, Meret Oppenheim oder Dorothea Tanning deutet die Vielfalt der vertretenen Ästhetiken an. Rund 260 Werke wurden ausgewählt und zeigen, was die lose Gruppe der 30 „Fantastischen Frauen“ eint: dass sie sich nicht mit dem Status als Muse begnügten, sondern weibliche Rollenklischees hinter sich ließen.

Dorothea Lange
Museum of Modern Art, New York, 9. Februar bis 9. Mai

Ohne die Fotografien von Dorothea Lange wäre unser Bild der „Great Depression“ diffuser. Wir hätten beim Lesen von John Steinbecks Roman „Früchte des Zorns“ nicht Langes Porträt der müden Wanderarbeiterin mit ihren beiden zerzausten Kindern vor Augen, würden nichts von der Verzweiflung des Tankstellenbesitzers im „Kern County, California“ (1938) ahnen. Doch so ist die Einzelschau der Fotografin auch eine Reise in die Geschichte der USA.

 

Dorothea Lange, „Kern County, California“, 1938, Abbildung: The Museum of Modern Art, New York
Dorothea Lange, „Kern County, California“, 1938, Abbildung: The Museum of Modern Art, New York

Robert Morris
Mudam, Luxemburg, 8. Februar bis 26. April

Vom Kritiker Peter Schjeldahl liebevoll-respektlos als „Karriere-Avantgardist“ beschrieben, hat der 2018 verstorbene Robert Morris sein Werk tatsächlich auf ständigem Wandel aufgebaut. Die Schau zeigt sein Spiel mit dem Material und rekonstruiert wichtige Arbeiten wie „Portland Mirrors“ (1977). 

Wiedereröffnung Sempergalerie
Sempergalerie, Dresden, ab 29. Februar

Nach mehrjähriger Sanierung kommt die Gemäldegalerie Alte Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden wieder an ihren gewohnten Platz: Highlights wie Raffaels „Sixtinische Madonna“ oder Rembrandts „Ganymed“ finden sich künftig nach Schulen geordnet und im Dialog mit Skulpturen.

George Stubbs
Mauritshuis, Den Haag, 20. Februar bis 1. Juni

Der Sohn eines Gerbers aus Liverpool bewies im 18. Jahrhundert, dass man als Künstler auch in der Nische Erfolg hat, wenn diese ein Hobby der Aristokratie betrifft: Neben „Whistlejacket“, dem Lieblingsgaul eines Premierministers, den Stubbs um 1762 porträtierte, verewigte er viele weitere Rennpferde. Tierisch gut!

George Stubbs, „Whistlejacket“, ca.1762, Abbildung: The National Gallery, London
George Stubbs, „Whistlejacket“, ca.1762, Abbildung: The National Gallery, London

Service

Messen

Art Rotterdam
6.–9. Februar

Art Karlsruhe 
13.–16. Februar

Frieze, Los Angeles 
14.–16. Februar

Arco Madrid 
28. Februar – 1. März

Dieser Beitrag erschien in

WELTKUNST Nr. 166/2020