07.06.2019 Sebastian Preuss

Bauhaus-Auktion bei Quittenbaum

Zum Bauhaus-Jubiläum bietet das Münchner Auktionshaus Quittenbaum 180 Werke an, die in der epochalen Kunstschule, in ihrem Umfeld oder in der Nachfolge entstanden

Bauhaus, Bauhaus überall. Das Jubiläumsjahr 100 Jahre nach der Gründung der epochalen Kunstschule läuft auf vollen Touren, und das Schöne daran ist, dass bislang die Resonanz und die Begeisterung für das Thema ungebrochen ist. Davon profitiert auch der Kunstmarkt. Ein Auktionshaus wie Quittenbaum in München, das auf das Design des 20. Jahrhunderts spezialisiert, lässt sich natürlich nicht die Gelegenheit nehmen, das Jubiläum mitzufeiern. In einer eigenen Auktion kommen unter dem Titel „100 Jahre Bauhaus“ rund 180 Lose zum Aufruf. Neben Möbeln, Objekten und bildnerischen Werken aus der Bauhaus-Zeit werden auch spätere Stücke angeboten, die unter dem Einfluss der an der Kunstschule entwickelten Ideen entstanden.

Ein Hauptstück der Auktion ist Marcel Breuers Lattenstuhl „ti 1a“ von 1924. Bereits 1922, während seiner Studienjahre am Weimarer Bauhaus, experimentierte Breuer mit ersten Entwürfen. Daraus entstand der berühmte Armlehnstuhls, ein Skelett aus Holzlatten gleicher Stärke und dünner Stoffbespannung. Zwischen 1924 und 1925 wurden wahrscheinlich nur 26 Exemplare angefertigt. Das von Quittenbaum angebotene Exemplar stammt aus dem Haushalt eines deutschen Architekten und war seit den 1920er-Jahren im Besitz von dessen Familie. Die Taxe ist mit 35.000 bis 45.000 Euro angesetzt. Eine weitere Rarität ist Breuers Stahlrohr-Klubsessel „B4“, angeboten in der zweiten Version von 1927 (als das Bauhaus bereits nach Dessau umgezogen war), rot lackiert und auf 17.000 bis 23.000 Euro geschätzt.

Marcel Breuer, Lattenstuhl
Marcel Breuer, Lattenstuhl "ti 1a", 1924, Bauhaus Weimar, Schätzpreis 35.000 – 45.000 Euro, Foto: Quittenbaum

Noch aus den Weimarer Jahren der Schule stammt Oskar Schlemmers Gliederpuppe von 1922, ein experimentelles Spielzeug, das die Faszination des Künstlers für die menschliche Bewegung im Raum bezeugt (20.000 bis 30.000 Euro). Von Schlemmer kommt auch eine 1941 datierte Postkarte an seinen Freund Helmut Baumann mit einer aquarellierten Tuschzeichnung und einem offenbar verschlüsselten Text unter den Hammer (40.000 bis 50.000 Euro). Ein Klassiker ist Josef Hartwigs Bauhaus-Schachspiel „XVI“ von 1924), das mit einer bisher unbekannten Variante eines klappbaren Spielbretts angeboten wird und 15.000 bis 20.000 Euro bringen soll. Wilhelm Wagenfeld, dem Entwerfer der berühmten „Bauhaus-Lampe“, ist mit der Tischleuchte „Typ 2“ von 1925/26 vertreten; ihr Schätzpreis beträgt 50.000 bis 60.000 Euro. Weitere Stücke der Auktion stammen von Ludwig Mies van der Rohe, Hannes Meyer, Christian Dell, Gerhard Marcks oder Marianne Brandt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg trug Max Bill mit der Gründung der Hochschule für Gestaltung in Ulm entscheidend dazu bei, dass die Gedanken des Bauhauses und dessen gestalterischen Prinzipien fortlebten. Er hatte zwei Jahre am Bauhaus studiert. Das sieht man seinem Tisch „quadratrund“ von 1949 an (3500 bis 4500 Euro) an, und noch mehr seinem berühmten  „Ulmer Hocker“ (1953), von dem zwei Exemplare gemeinsam für 2.000 – 3.000 aufgerufen werden. Schließlich sei noch der Bauhaus-Schüler Herbert Hirche erwähnt, von dem Quittenbaum für 900 bis 1200 Euro einen 1956 entworfenen Barwagen von minimalistischer Eleganz anbieten kann. Bauhaus-Fans kommen also bei Quittenbaum voll auf ihre Kosten.

Auktion „100 Jahre Bauhaus“: Quittenbaum, München, 25. Juni
Vorbesichtigung 20. bis 24. Juni

 

Oskar Schlemmer, Künstlerpostkarte
Oskar Schlemmer, Künstlerpostkarte "Zwei Köpfe gegeneinander", 1941, Aquarell und Tusche, Schätzpreis 40.000 – 50.000 Euro, Foto: Quittenbaum
Oskar Schlemmer, Gliederpuppe, 1922, Hersteller: Josef Hartwig, Schätzpreis 20.000 – 30.000 Euro, Foto: Quittenbaum
Oskar Schlemmer, Gliederpuppe, 1922, Hersteller: Josef Hartwig, Schätzpreis 20.000 – 30.000 Euro, Foto: Quittenbaum
Marcel Breuer, Klappsessel
Marcel Breuer, Klappsessel "B 4", zweite Version", 1927, Hersteller: Standard-Möbel/Berlin oder Thonet/Frankenberg, Schätzpreis 17.000 – 23.000 Euro, Foto: Quittenbaum
Marcel Breuer, Anrichte, um 1926, Hersteller: Desta/Berlin oder Thonet/Frankenberg, Schätzpreis: 15.000 – 25.000 Euro, Foto: Quittenbaum
Marcel Breuer, Anrichte, um 1926, Hersteller: Desta/Berlin oder Thonet/Frankenberg, Schätzpreis: 15.000 – 25.000 Euro, Foto: Quittenbaum
Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Kaffee- und Teeservice
Marguerite Friedlaender-Wildenhain, Kaffee- und Teeservice "Halle", 1930, Berlin, Staatliche Porzellan-Manufaktur (bis 1918 und nach 1945 KPM), Schätzpreis: 4000 – 5000 Euro, Foto: Quittenbaum