Hamburg 1. Tag

Museumsbummel und Innenstadt

Der erste Tag gehört den großen Museen rund um den Hauptbahnhof. Danach genießen wir die Aussicht vom Michel und schauen bei den Galerien rund ums Westwerk vorbei

Der Hafen, die Weite, das nor­dische Licht, der spröde Charme seiner Bewohner: Es gibt viele Gründe, warum jedes Jahr Millionen Menschen die Hansestadt besuchen. Die Kunst gehört eher nicht dazu. Was schade ist, denn es gibt hier echte Perlen zu entdecken. Direkt am Bahnhof erwarten uns gleich mehrere Museen. Das Ensemble nennt sich »Kunstmeile«, ein provinziell anmutender Titel für Häuser, die dies keineswegs verdienen. Wir besuchen als Erstes das wunderbare Museum für Kunst und Gewerbe, das in den vergangenen Jahren immer wieder durch sehr gut kuratierte Ausstellungen von sich reden gemacht hat. Derzeit ist hier neben der Sammlung europä­ischer, asiatischer und antiker Exponate eine Schau zu sehen, die der Geschichte japanischer Comics bis ins Jahr 1680 nachspürt. Da der benachbarte Kunstverein seinen nächsten Ausstellungszyklus erst wieder Ende September beginnt, geht es gleich weiter in die frisch renovierte Hamburger Kunsthalle, die ein neues opulentes Eingangsportal in Richtung Binnenalster bekommen hat. Die letzte Ausstellung des scheidenden Direktors Hubertus Gaßner widmet sich Édouard Manet, aber auch Caspar David Friedrichs »Nebelmeer« und die vielen Gemälde Max Beckmanns sollte man nicht verpassen. Die dazugehörige Galerie der Gegenwart in ihrem auffalenden Kubusbau präsentiert wichtige Positionen der Kunst nach 1960. Für eine Verschnaufpause im Museum bietet sich das ebenfalls jüngst neu gestaltete Café Das Liebermann an. Oder man schlendert ins benachbarte Viertel St. Georg, eine wildromantische Mischung aus Gründerzeitvillen und bahnhofsnahem Rotlichtmilieu, schaut beim exquisiten, auf Papierarbeiten spezialisierten Kunsthandel Thole Rotermund vorbei und rastet im gemütlichen Café Gnosa, einem beliebten Treffpunkt der schwul-lesbischen Szene. Allein die Auswahl an Torten lohnt den Besuch.

Detail der Spiegel-Kantine von Verner Panton im Museum für Kunst und Gewerbe
Detail der Spiegel-Kantine von Verner Panton im Museum für Kunst und Gewerbe

Unsere nächste Station ist das Hamburger Wahrzeichen, die Kirche St. Michaelis, kurz liebevoll Michel genannt. Die wunderschöne Barockkirche mit dem typisch protestantisch lichten Innenraum ist berühmt für ihre Orgelkonzerte. Carl Philipp Emanuel Bach liegt hier begraben, und im vergangenen Jahr fand an diesem Ort der Trauergottesdienst des berühmtesten Hamburgers unserer Zeit statt: ­Helmut Schmidt. Wir besteigen den Turm und genießen auf 83 Metern Höhe einen ersten Blick auf den nahe gelegenen Hafen.
Auch das Viertel am Fuße des Michel ist sehenswert, es ist eines der ältesten Hamburgs, und man bekommt eine Idee, wie die Stadt vor den Bränden und Kriegszerstörungen im
20. Jahrhundert einmal ausgesehen hat. Nach einem Blick in die Krameramtsstuben aus dem 17. Jahrhundert, einer Reihe kleiner Fachwerkhäuser, die einst Wohnungen für die Witwen der Krämer enthielten, geht es weiter in die Admiralitätstraße. Hier erwarten uns, praktisch vereint in einem Gebäudekomplex, das Kunstzentrum Westwerk und Hamburgs wichtigste Galerien. Danach geht es runter zum Hafen, wo wir im Portugiesenviertel rund um die Ditmar-Koel-Straße den Abend in einem der zahlreichen Restaurants ausklingen lassen.

Zum 2. Tag

Abendstimmung am Hafen mit dem Michel im Hintergrund
Abendstimmung am Hafen mit dem Michel im Hintergrund