Kunst-Podcasts

Hören, um zu sehen

Lockdown-Zeit ist Podcast-Zeit! Wir stellen hörenswerte Kunst-Podcasts vor – vom Van-Gogh-Krimi bis zu den großen Frauen der Kunstgeschichte

Von Sophie Angelov und Simone Sondermann
31.01.2021

Katy Hessel: The Great Women Artists

Die Begeisterung, mit der sich die Katy Hessel den berühmten oder noch zu wenig gewürdigten Künstlerinnen widmet ist ansteckend. Im Jahr 2015 schuf die Kunsthistorikerin den Instagram-Account The Great Women Artists, wo sie täglich künstlerische Positionen der Gegenwart und Vergangenheit vorstellt, um der noch immer vorhandenen Unterrepräsentation von Frauen in der Kunstgeschichte – und auf dem Markt – etwas entgegenzuhalten. Seit 2019 gibt es den gleichnamigen Podcast. Einmal wöchentlich spricht sie hier eine gute halbe Stunde mit wechselnden Expertinnen und Experten über eine ausgewählte Künstlerin. Dazu gehören berühmte Pionierinnen wie Artemisia Gentilieschi, Georgia O’Keeffe oder Eva Hesse und viele aufregende Künstlerinnen der Gegenwart wie Toyin Ojih Odutola, Shirin Neshat oder die Guerilla Girls. Ein Must-hear!

Katy Hessel Podcast The Great Women Artists
Seit September 2019 widmet sich die Londonerin Katy Hessel in ihrem Podcast kenntnisreich und unterhaltsam ausgewählten Künstlerinnen der Gegenwart und Vergangenheit. © Katy Hessel

Grisebach: Die Sucht zu sehen

Die Journalistin und Autorin Rebecca Casati spricht alle zwei Wochen im Auftrag des Berliner Auktionshauses Grisebach mit einem Protagonisten der Kunstwelt. Dies können Museumleute sein wie jüngst Stefan Körner von der Stiftung Fürst Pückler-Museum, der von der Landschaftskunst des exzentrischen Grafen erzählt, Kunsthistoriker wie Hubertus Butin, der von seinem Spezialgebiet der Kunstfälschung berichtet, oder auch Künstlerinnen wie Monica Bonvicini, die den Fetisch von heute erörtert. Casati ist stets gut informiert und stellt in der jeweils halben Stunde „Die Sucht zu sehen“ kluge Fragen. Der Bezug zum Herausgeber Grisebach wird unaufdringlich eingeflochten, ohne den Gedankenfluss allzu sehr zu stören. Mitunter lässt Casati hinter ihrer professionellen Zugewandtheit echte Begeisterung durchblitzen, etwa gegenüber dem Fotografen Juergen Teller, der lakonisch wie berührend von den Stationen seines unkonventionellen Lebens- und Arbeitsweges spricht.

Tamar Avishai: The Lonely Palette

Selten erfährt man beim Betrachten eines Kunstwerks die unverblümten Meinungen und Eindrücke der umstehenden Personen in der Ausstellung. Die Kunsthistorikerin Tamar Avishai wählt seit 2016 für ihren englischsprachigen Podcast je ein bedeutendes Werk der Geschichte aus und beginnt jede Folge mit genau diesen ehrlichen Ansichten zur Kunst. Von Jan van Eycks 1434 gemaltem Renaissance-Meisterwerk, der Arnolfini-Hochzeit, bis zur überdimensionalen Zahnpastatube von Claes Oldenburg aus dem Jahr 1964 und weiter in die Gegenwartskunst werden Liebhaberinnen und Liebhaber aller Epochen fündig. Dazu gibt es allerhand wissenswerte Fakten zur Entstehung der Werke, ihren gesellschaftlichen Zusammenhängen und spannende Anekdoten.

Johann König: Was mit Kunst

Seit Mitte Oktober reiht sich auch der Berliner Galerist Johann König in den Reigen der Kunst-Podcastler ein. Das Pfund von „Was mit Kunst“ ist, dass König im Kunstkosmos im wahrsten Sinne zu Hause ist. Viele seiner Gesprächspartner sind die Künstlerinnen und Künstler seiner Galerie oder Menschen, die er schon lange kennt, etwa der Tausendsassa-Kurator Hans Ulrich Obrist, der mit Königs Vater, dem Ausstellungsmacher und Museumsmann Kasper König, eng befreundet war. Der Ton ist also eher persönlich, man ist in der Regel per Du, und das Gespräch wirkt fast spontan. Um dem ganzen Struktur zu geben, unterbrechen bei bestimmten Stichworten kurze Einspieler den Flow und erläutern im Telekolleg-Stil etwa den Werdegang des Künstlerduos Fischli & Weiss oder den Aufstieg der Global Player von Hauser & Wirth.

 

Johann König Podcast Studio Was mit Kunst
Seit einigen Monaten geht auch der Berliner Galerist Johann König unter die Podcastler. @ König Galerie

Städel Museum: Finding van Gogh

Als das Städel Museum der Erfolgsgeschichte von Vincent van Gogh eine Ausstellung widmete, gab die Abwesenheit eines seiner Gemälde Anlass für den fesselnden Podcast „Finding van Gogh“. In fünf Teilen wird einem kunsthistorischen Krimi gleich von der Suche nach dem berühmten „Bildnis des Dr. Gachet“ erzählt, einem Porträt, das van Gogh nur wenige Wochen bevor er sich das Leben nahm von seinem Nervenarzt gemalt hatte. Bis 1937 war das Gemälde Aushängeschild der Städel Sammlung, wurde schließlich von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und für „entartet“ erklärt. Danach bewegte es sich auf den unberechenbaren und der Öffentlichkeit verborgenen Wegen des Kunstmarktes. Journalist Johannes Nichelmann nimmt in dem Podcast die Verfolgungsjagt auf und spricht mit Zeitzeugen und Experten über van Goghs Schaffen, die Mechanismen der Kunstwelt und neue Hinweise, die ihn weiter in die Nähe des begehrten Gemäldes führen …

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