Mit der Post-Fair startet im Marais eine weitere Nebenmesse während der Art Basel Paris. Sie richtet sich vor allem an kleinere und mittlere Galerien, die unter den explodierenden Kosten leiden
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19.10.2026
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Erschienen in
Kunst und Auktionen Nr. 17/26
Seit Samstag, den 17. Oktober ist Paris wieder Kunst-Mekka. Aus den USA, Japan, China und allen potenten Ecken der Erde reisen sammelnde, kuratierende, handelnde Menschen an, genießen das Wochenende in historischer Kulisse. Ab Montag steigen sie dann ins Kunst-Vollbad.
Parallel eröffnen an diesem Tag die Offscreen in der Kapelle der berühmten Salpetrière, die Paris Internationale am Canal Saint Martin – und jetzt auch die Post-Fair, erstmals in Europa, mit 35 internationalen Galerien in zwei Gebäuden im Marais. Gleich drei Messe-Vernissagen – ganz zu schweigen von der Asia Now, der Outsider Paris, der Design Miami Paris und der AKAA, die alle auch besucht werden wollen. Zuviel des Guten? „Montag ist gut“, erklärt Messegründer Chris Sharp am Telefon in Los Angeles, „dann sind die Leute noch frisch.“ Sharp, der nach rund einem Jahrzehnt in Paris als Kunstkritiker und Kurator 2021 seine eigene Galerie in Los Angeles gründete, weiß, was Amerikaner in Paris wollen: Emily-Feeling.
„In Nummer 79 der Rue du Temple, wo einst die Galerie Mitterand war, nutzen wir das Basement, eine unglaubliche Atmosphäre.“ Einige Häuser weiter locke Art-Déco-Anmutung. „Die Leute kommen im Marais öfter wieder, als an Orten, die abseits liegen“, erklärt der Paris-Kenner. Kompakt, günstig, kunstnah soll seine Boutiquemesse sein: Die Post-Fair richtet sich vor allem an kleinere und mittlere Galerien, die unter den explodierenden Messekosten leiden. „4000 Dollar für Förderkojen, 6000 Dollar Normalpreis sind günstig“, weiß Sharp, „und die Miete liegt erheblich unter dem, was wir in L. A. hinlegen.“ Mit rund 200.000 Dollar könne er rumkommen: „Ich will kein Geld verlieren, es muss einfach bleiben, auf die Kunst bezogen.“ Zielpublikum sei eine konzentrierte Mischung aus Künstlern, Kuratoren, Sammlern und Kunstprofis. Die bekommen Nähe und eine kuratierte Show: „Ich kann nicht anders“, lacht der Amerikaner, „wir haben darauf geachtet, die Stände so zu verteilen, dass sie den gezeigten Werken zugute kommen.“ Fokus aufs Schaffen, intim, heterogen, exklusiv – das mag ein im großen Kunstmarkt-Zirkus ermüdetes Publikum.
2024 und letztes Jahr probierte Sharp das Rezept am Place des Vosges aus. Nur 11 Galerien, ein beeindruckendes Appartement: Die Besucher blieben länger, sahen die Ausstellungen ohne Gedränge und kamen stärker ins Gespräch. Die Verkäufe waren gemischt, gibt Sharp zu, „aber Netzwerken, Sichtbarkeit und Verkauf sind für mich gleich wichtig bei einer Messe.“
Auf der Post-Fair stehen Galerien wie Tschudi aus Zürich mit dem Werk „Ideas – (A forest grown with cuttings from the oldest tree alive)“ von Katie Paterson oder Kerlin aus Dublin für Kunstverstand und langen Atem, april april aus Pittsburgh oder Isla Flotante aus Buenos Aires und São Paulo für jung Rebellisches. Aus München ist Paulina Caspari dabei. Die habe er auf der Liste in Basel kennengelernt, erzählt Sharp: „Sie hatte den Stand neben meinem, wir fanden uns gut.“ Die an Christoph Büchel oder Ugo Rondinone erinnernden Installationen von Thomas Rentmeister dürften in Paris Anklang finden. Lokal sind mit Arthur Coquelin und Essai zwei Galerien dabei, die in Paris als Newcomer verankert sind.
Besonders gut passt in den durch die Lyon-Biennale eingeläuteten und demnächst im Palais de Tokyo von Kuratorin Daria de Beauvais mit einer Gruppenausstellung fortgesetzten Trend nach Ozeanien die Robert Heald Galerie aus Wellington, Neuseeland: Die traumähnlichen, hybriden Zeichnungen und Gemälde der 1951 in Te Aroha, Neuseeland geborenen Susan Te Kahurangi King waren schon auf der Venedig-Biennale ein Hingucker.