Die 21. Ausgabe der Contemporary Istanbul lockt junge Sammlerinnen und Sammler mit neuen Positionen. Die Messe findet auf dem ehemaligen Werftgelände Tersane am Goldenen Horn statt
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21.09.2026
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Erschienen in
KUNST UND AUKTIONEN NR. 16/26
„Für viele junge Sammler ist die Contemporary Istanbul ein Sprungbrett“, sagt Levent Özmen, internationaler Galeriedirektor der in Istanbul und London ansässigen Galerie Dirimart. „Ein Großteil des Publikums kommt auf die Messe, um dort sein erstes Kunstwerk zu erwerben. Aber auch etablierte Sammler sind jedes Mal sehr gespannt auf die Auswahl der Galerien. Die Neugier von Sammlern verschiedener Generationen sorgt hier stets für spannende Gespräche und eine produktive Messeatmosphäre.“
Dirimart zeigt am diesjährigen Stand die ganze Bandbreite des Galerieprogramms, das mit weltweit so bekannten Namen wie Ayşe Erkmen, Sarah Morris, Shirin Neshat, Anselm Reyle, Ugo Rondinone oder Jorinde Voigt aufwarten kann: Zu sehen sind 30 Arbeiten von 25 Künstlern primär in den Medien Video, Skulptur und Installation.
Die 2006 gegründete Contemporary Istanbul versammelt in ihrer 21. Ausgabe mehr als 70 Galerien aus 24 Ländern. Darunter etwa Jessica Silverman aus San Francisco, Whitestone Gallery und Pearl Lam Projects aus Hongkong oder Galerie Michel Rein aus Paris. Die im östlichen Mittelmeerraum wichtigste Messe für Gegenwartskunst findet auf dem ehemaligen Werftgelände Tersane am Goldenen Horn statt, einem aus der osmanischen Zeit stammenden Areal, das in den letzten Jahren zu einem luxuriösen Wohn- und Kulturviertel umgewandelt wurde.
Zu den diesjährigen Erstteilnehmern gehört auch die Berliner Galerie Thomas Schulte. Seine Teilnahme begründet Schulte so: „Istanbul zeichnet sich durch eine starke und vielfältige Sammlungslandschaft aus, sowohl im privaten als auch im institutionellen Bereich, und durch ein großes Interesse an internationaler zeitgenössischer Kunst. Gleichzeitig ist das Publikum sehr international vernetzt. Vielen der Sammlerinnen und Sammler aus Istanbul begegnet man auch auf anderen wichtigen internationalen Kunstmessen, etwa auf der Art Basel.“ Thomas Schulte verspricht sich viel von der Messe: „Der besondere ‚Vibe‘ der Contemporary Istanbul entsteht für uns genau aus dieser Verbindung: einer sehr dynamischen lokalen Kunstszene und einem international orientierten Publikum. Für unsere erste Teilnahme ist es deshalb besonders spannend, sowohl neue Positionen vorzustellen als auch Künstlerinnen und Künstler zu zeigen, die in Istanbul bereits bekannt sind.“ Dazu gehören Alfredo Jaar, Angela de la Cruz und Richard Deacon, deren Arbeiten hier bereits in Ausstellungen zu sehen waren und die in musealen Sammlungen vor Ort vertreten sind. „Daran können wir anknüpfen und zugleich weitere Positionen unseres Programms einem neuen Publikum vorstellen.“
Die Galerie Dirimart wiederum wurde 2002 in Istanbul gegründet und ist international bestens vernetzt. Levent Özmen charakterisiert die lokale Szene so: „Istanbul ist eine Stadt, die fast allen Vorstellungen widerspricht, die Besucher und Künstler vor ihrer Ankunft haben mögen. Sie fordert aus der Ferne gewonnene Sichtweisen heraus und wandelt diese. Viele Künstler kehren nach ihrem ersten Besuch hierher zurück, um den Austausch zu vertiefen und ihrer künstlerischen Praxis eine neue Richtung zu geben.“
Doch was beeinflusst die Kaufentscheidungen? Verlieren die Käufer angesichts weltweiter Krisen das Interesse an Newcomer-Kunst? Dazu noch einmal Thomas Schulte: „Natürlich gehen die aktuellen weltweiten wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten auch am Kunstmarkt nicht spurlos vorbei. Wir erleben, dass Entscheidungen bewusster und mit mehr Bedacht getroffen werden. Gleichzeitig würden wir daraus aber nicht ableiten, dass grundsätzlich nur noch etablierte Positionen gefragt sind. Das Interesse, junge Positionen zu entdecken, ist nach wie vor sehr präsent.“
Gute Besucherzahlen weist die Messe allemal auf. So wurden im vergangenen Jahr 54.000 Tickets verkauft. Das sind rund 9000 Besucher mehr als auf der mehr als doppelt so großen Art Cologne.
Contemporary Istanbul
Tersane, Istanbul
24.–27. September