Im November entdecken wir das Werk von Annemirl Bauer in Potsdam wieder, bestaunen die Zeichnungen von Franz Erhard Walter in Fulda und freuen uns auf Jan van Eycks Porträts in London
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30.10.2026
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Erschienen in
Weltkunst Nr. 262
Was diese Schülerin und diesen Lehrer eint, ist die Kunst, sich mit gesellschaftlichen Fragen selbst unterhaltsam ins Zentrum zu rücken: Als Studentin der Düsseldorfer Akademie hielt Katharina Sieverding mit der Kamera die Aktionen der Joseph-Beuys-Klasse fest, das wurde ihre erste Arbeit „Eigenbewegung“ (1967–1969). Später trat sie selbst vor das Objektiv, etwa in ihrer Serie „Transformer“ wie „Cyan Solarisa tion 2A/B“ (1973/1974). Die Schau erzählt mit 140 Werken vom Dialog der beiden Positionen.
Ein Leben fernab ausgetretener Pfade und gesellschaftlicher Zwänge: Zum Sehnsuchtsort besonders für schwule Künstler oder alleinlebende Künstlerinnen wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts die Insel Capri, wo die Welt noch in ihrer ursprünglichen Unschuld bewahrt schien (Edmond-Jean de Purys „Fischer auf Capri“). Ab 1874 fanden dann Maler in Skagen am nördlichsten Zipfel Dänemarks ihre private Idylle, während nach 1900 auf dem Monte Verità im Schweizer Tessin die moderne Idee der Kommune erprobt wurde. Zu sehen ist in Bern die Nachwirkung der drei Schauplätze in den Werken von 31 Kunstschaffenden.
Die Natur Sri Lankas begriff Geoffrey Bawa (1919–2003) als Teil seiner Architektur: Beim Bentota Beach Hotel arbeitete er deshalb mit offenen Übergängen zwischen Innen- und Außenräumen und lokalen Materialien wie Terrakotta und Granit. Gemeinsam mit regionalen Künstlerinnen und Künstlern realisierte er Designelemente sowie farbenfrohe Deckendarstellungen der Flora und Fauna Sri Lankas. Wie der Baukünstler mit europäischen und asiatischen Wurzeln die Architektur der Gewürzinsel ab den 1970er-Jahren mit der Errichtung von Schulen, Hotels und des Parlamentsgebäudes prägte, zeigt seine Retrospektive im Vitra Design Museum.
Normalerweise soll die Kunst von Franz Erhard Walther „aktiviert“ werden – seine geometrischen Textilelemente werden erst durch die Handlungen des Publikums komplett. Allerdings beginnt auch beim Stoffbildhauer aus Fulda das Werk zunächst mit der Idee: In der Villa kann man nun in Hunderten von (Vor-)Zeichnungen aus sechs Schaffensjahrzehnten ins Denken des Künstlers abtauchen. Nur aktivieren darf man die fragilen Blätter natürlich nicht.
Wer in der DDR unverhohlen seine Meinung sagte, geriet schnell in Schwierigkeiten: Das erlebte auch die Ostberliner Malerin Annemirl Bauer, die in ihren figurativen Bildern die vermeintlich gleichberechtigte Gesellschaft aus einer klaren feministischen Perspektive kritisierte. „Sanftmut ist weiblich ist Selbstverleugnung“, schrieb sie 1979 auf ihr Bild „Emma gewidmet“, das mehrere Frauen zeigt, die solidarisch zusammenstehen. Weil sie auch für die Reisefreiheit und gegen die Wehrpflicht für Frauen eintrat, erhielt Bauer in der DDR zeitweilig Arbeitsverbot. In Potsdam werden ihre kraftvollen Werke wie „Liebespaar unter Giftwolke übern Taunus“ (1987) in einer Retrospektive gefeiert. Leider nur posthum, die Malerin starb 1989 an Krebs – kurz vor dem Fall der Mauer.
Zu den bedeutendsten Werken der Kunstgeschichte zählt das Bildnis, das Jan van Eyck im Jahr 1434 vom italienischen Händler Arnolfini und seiner Gattin schuf. Der Realismus des Malers, der hier alle Details der Kaufmannsstube exakt zeigte, passte zum bürgerlichen Zeitalter und prägte die nordeuropäische Renaissance. Die Londoner National Gallery bewahrt das Bild, das jetzt zum Zentrum einer Ausstellung mit allen neun kostbaren Porträts aus der Hand des Flamen wird. So trifft auch das „Porträt der Margareta van Eyck“ (1439) aus Brügge nun auf ein vermutetes Selbstbildnis ihres Mannes. Einmalig!