Ausstellungen

Unsere Ausstellungstipps für April

In diesem Monat bestaunen wir die Gemälde von Julie Mehretu in Venedig, vertiefen uns in die Zeichnungen von Käthe Kollwitz in Frankfurt und freuen uns auf den Romantiker Caspar David Friedrich in Berlin

Von WELTKUNST Redaktion
28.03.2024

Käthe Kollwitz in Frankfurt

Städel Museum, bis 9. Juni

Bereits in jungen Jahren entschied Käthe Kollwitz, dass sie sich nicht dem Medium der Malerei, sondern der Zeichnung und der Druckgrafik widmen würde. Dies war damals ein durchaus radikaler Schritt, der dazu führte, dass die Künstlerin ihre ganz eigene Bildsprache entwickelte. In ihrem Werk verhandelt Kollwitz, die 1867 in Königsberg das Licht der Welt erblickte, existenziell menschliche Fragen. Ihre Themen waren Krieg und Krisen, Trauer und Verzweiflung, auch die Stellung der Frau in einer von Männern dominierten Welt lag ihr am Herzen. Dass ihre ihre Werke bis heute nicht an Kraft und Aktualität verloren haben, zeigen in diesem Jahr gleich drei Ausstellungen in Frankfurt, New York und Kopenhagen.

Käthe Kollwitz, „Zwei Studien einer Arbeiterfrau“, 1910. © Sammlung David Lachenmann
Käthe Kollwitz, „Zwei Studien einer Arbeiterfrau“, 1910. © Sammlung David Lachenmann

Norbert Schwontkowski in Bremen

Kunsthalle Bremen, 10. April bis 28. Juli

Den Zumutungen unserer Welt begegnen die Bilder von Norbert Schwontkowski mit großer Gelassenheit und leiser Ironie. Vielleicht half es, dass der 1949 geborene und 2013 verstorbene Maler in seiner Bremer WG philosophische Gespräche führte und Yoga machte. Anfang der Siebzigerjahre teilte er sich Wohnung und Atelier mit den eher konzeptuell arbeitenden Künstlerkollegen Wolfgang Michael und Horst Müller. Die Ausstellung „Three by Chance“ führt in der Bremer Kunsthalle vor Augen, was die drei teilten: neben einem tiefgehenden Verständnis für die Inszenierung von Bildräumen wohl auch ein Faible für die Absurdität des Alltags.

Norbert Schwontkowski, „Das triadische Ballett“, 2007. © Nachlass Norbert Schwontkowski – Contemporary Fine Arts, Berlin
Norbert Schwontkowski, „Das triadische Ballett“, 2007. © Nachlass Norbert Schwontkowski – Contemporary Fine Arts, Berlin

Caspar David Friedrich in Berlin

Alte Nationalgalerie, 19. April bis 4. August

Nachdem der große Romantiker Anfang des Jahres in Hamburg anlässlich seines 250. Geburtstages mit einer großen Schau geehrt wurde, ist nun Berlin an der Reihe, den deutschen Maler zu feiern. Die Ausstellung thematisiert, welche Rolle die Nationalgalerie Anfang des 20. Jahrhunderts bei der Wiederentdeckung von Caspar David Friedrich spielte, denn der Künstler war lange Zeit in Vergessenheit geraten. Heute bewahrt das Museum eine der größten Sammlungen seiner Gemälde. Auch das berühmte Bilderpaar „Mönch am Meer“ und die „Abtei im Eichwald“ wird zu sehen sein.

Caspar David Friedrich, „Lebensstufen“, um 1834. © Museum der bildenden Künste Leipzig | M. Ehritt
Caspar David Friedrich, „Lebensstufen“, um 1834. © Museum der bildenden Künste Leipzig | M. Ehritt

Julie Mehretu in Venedig

Palazzo Grassi, bis 6. Januar

Für ihre bisher größte Schau in Europa zeigt die amerikanische Malerin Julie Mehretu Arbeiten aus 25 Jahren („Among the Multitude XIII“, 2021–2022). Die Schau, die begleitend zur Venedig-Biennale läuft, ist als nicht chronologischer Spaziergang konzipiert. Ein besonderer Akzent liegt auf Korrespondenzen zwischen ihrem Werk und dem ihrer Künstlerfreunde. Die Gegenüberstellung mit Arbeiten von Kollegen wie Tacita Dean oder David Hammons erweitert den eigenwilligen Kosmos von Mehretu.

Julie Mehretus Arbeit „Among the Multitude XIII”, zu sehen in Venedig
Julie Mehretu, „Among the Multitude XIII", 2021–2022. © Tom Powel Imaging/courtesy of the artist and Marian Goodman Gallery, New York

Klosterjubiläum in Konstanz

Landesmuseum Baden-Württemberg, 20. April bis 20. Oktober

Karl der Große war noch nicht geboren, als vor 1300 Jahren auf einer Insel im Bodensee der Benediktinermönch Pirminius das Kloster Reichenau gründete. In dessen langer Geschichte wurden viele und heute weltberühmte illuminierte Handschriften geschaffen, wie das Liuthar-Evangeliar oder der Egbert-Psalter. Zum Klosterjubiläum versammelt das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg in Konstanz neben solch wundervollen Beispielen der Buchmalerei auch anderes „Welterbe des Mittelalters“.

Wetterhahn aus Brescia, 820. © Museo di Santa Giulia, Brescia / Archivio Fotografico Musei Civici di Brescia / Fotostudio Rapuzzi
Wetterhahn aus Brescia, 820. © Museo di Santa Giulia, Brescia / Archivio Fotografico Musei Civici di Brescia / Fotostudio Rapuzzi

Kopfüber in Dortmund

Museum Ostwall, 21. April bis 25. August

In den 1960er-Jahren war die Kunst gerne minimal und verkopft. Es war aber auch die Dekade der Hippies und deshalb kam es zu einer Gegenbewegung, bei der die Werke wieder sinnlich und spaßig wurden: Environments, in denen das Publikum förmlich in die Kunst eintauchte und von ihr umarmt wurde. Der aus Schaumstoff geschaffene „Schaumraum“ (1969) von Ferdinand Spindler oder die begehbare Filmprojektion „Film Ambiente“ (1969) von Marinella Pirelli sind Beispiele, die das Museum Ostwall im Dortmunder U nun rekonstruiert hat. Die Schau „Kopfüber in die Kunst. Von Environment zur Immersion“ führt bis ins digitale Heute, wenn man in Joon Moons Projektion „Chasing Stars in Shadow“ von 2021 mit Schattenmenschen kommuniziert.

Joon Moon, „Chasing Stars in the Shadow (Still)“, 2021. © Joon Moon
Joon Moon, „Chasing Stars in the Shadow (Still)“, 2021. © Joon Moon

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