05.03.2018 Thurn und Taxis Fragebogen

Marguerite Humeau über ihr London

Mit ihren Installationen begibt sich die Französin Marguerite Humeau auf die Spuren ihres Landsmanns Roland Barthes: Figuren der ägyptischen Mythologie dienen ihr als Ausgangspunkt, um die Mythen der Gegenwart zu verstehen. Uns hat sie verraten, was man in ihrer Lieblingsstadt London nicht verpassen sollte

Marguerite Humeau inszeniert Kleopatra als zeitgenössische Popgöttin und deutet Drohnen in ihren Arbeiten als Nachkommen der Sphinx. Bis 15. April sind ihre epochenumspannenden Raumlabyrinthe in der Londoner Tate Britain zu sehen.

Was ist zurzeit Ihre Lieblingsstadt?

London – eine Stadt, die sich ständig verändert und in der man sich unendlich frei fühlt.

Womit verbringen Sie dort Ihre Zeit?

Am schönsten ist es, an einem sonnigen Frühlingsnachmittag in den Parks spazieren zu gehen.

Welche Ausstellungsräume besuchen Sie dort gerne?

Ich liebe es, nach einem Abstecher in die Serpentine Galleries Zeit im Hyde Park zu verbringen. Während meines Studiums am Royal College of Art habe ich dort jede freie Minute verbracht.

Können Sie uns ein Restaurant empfehlen?

Ganz wunderbar ist das Brilliant Corners in Dalston – eine Mischung aus Restaurant und Bar, angelehnt an ein typisch japanisches Jazzcafé. Das Essen ist köstlich, die Musik ausgefallen und gemütlich zugleich.

Was bestellen wir dort?

Eine große Platte mit Nigiri, Garnelen in Tempura und Lachs-Sashimi.

Wo trinkt man das beste Bier der Stadt?

Am besten schmeckt es immer in der eigenen Nachbarschaft. Mein Stammpub ist das Talbot in Haggerston. Ein Bier im De Beauvoir Arms lohnt sich aber auch immer – egal, welcher Wochentag gerade ist.

Und den besten Kaffee?

Ich trinke keinen Kaffee, aber ich weiß von Freunden, dass er bei Climpson & Sons am Broadway Market besonders gut schmeckt.

 

Credit: Florine Bonaventure
Credit: Florine Bonaventure

Welches Museum ist ein Muss?

Ich gehe immer gerne in die Tate Modern, dort gibt es viele tolle Wechselausstellungen zu entdecken. Ich mag es aber auch, durch die ständige Sammlung zu streifen und mich zwischen den Bildern zu verlieren. Meine Tour beende ich immer im Café auf der obersten Etage – die Aussicht ist atemberaubend.

Welcher Buchladen ist der beste?

Donlon Books am Broadway Market finde ich großartig. Dort gibt es eine wirklich gute Auswahl an obskuren und weniger obskuren Bü-chern, die sich alle mit Kunst auseinandersetzen.

Ein Gebäude in der Stadt, das Sie besonders lieben?

In Holborn steht das ehemalige Wohnhaus von Sir John Soane, einem Architekten und Professor der Royal Academy. Mittlerweile ist es ein Museum, das man unbedingt besichtigen sollte.

Der beste Club der Stadt?

Auf der Kingsland Road, direkt hinter der Brücke, die über den Kanal führt, gibt es eine gelbe Tür – dahinter befindet sich ein Members’ Club, in dem DJs auflegen, die wie die Blues Brothers aussehen. Es ist der seltsamste und gleichzeitig beste Ort, an dem ich je getanzt habe.

Mit welchem Drink betrinken wir uns dort?

Wer einmal dort war, wird sich nicht erinnern, mit was er sich betrunken hat.

Womit überzeugt man den Türsteher?

Wenn er um das Passwort bittet, sagen Sie ihm, dass es keins gibt. Mit der Frage will er Sie nur testen.

Was müssen wir über Ihre Lieblingsstadt wissen, um dort wirklich anzukommen?

Man darf nicht unterschätzen, wie groß London ist und wie weit die Distanzen sind, die man zurücklegt: Wenn Ihr Zuhause und Ihr Büro nicht in derselben Nachbarschaft sind, verbringen Sie die meiste Zeit mit Pendeln und vergessen, was es wirklich bedeutet, zu leben. Entscheiden Sie sich also für eine Ecke von London – für ihr ganz persönliches „Dorf“ in der Großstadt. Wenn Ihr Arbeitsplatz, Ihre Freunde und die Orte, die Sie lieben, in Laufnähe sind, dann ist London die schönste Stadt der Welt.

Zum Schluss: ein Tipp, den wir in keinem Reiseführer finden?

Ronnie Scott’s Jazz Club in Soho ist zwar kein Geheimtipp, aber ein Muss! Die Nächte dort sind wirklich legendär.

Service

Ausstellung

Art Now: Marguerite Humeau: Echoes
Tate Britain, London
bis 14. April

Dieser Beitrag erschien in

Weltkunst Nr. 140 / 2018