28.01.2018 Thurn und Taxis Fragebogen

Alice Attie über ihr Oaxaca

Alice Attie kam über Umwege zur Kunst. Bevor die New Yorkerin in ihren Arbeiten Sprache, Fotografie und Zeichnung neu in Beziehung setzte, schrieb sie Gedichte. Uns hat sie verraten, was man in ihrer Lieblingsstadt Oaxaca nicht verpassen sollte.

Heute beginnen die Werke von Alice Attie dort, wo sich das Schreiben und Zeichnen treffen. Worte und Zahlen verdichtet sie auf dem Papier zu abstrakten Schriftbildern. Bis 3. März zeigt die Galerie nächst St. Stephan in Wien, wie poetisch das Unlesbare sein kann. 

Alice Attie, was ist zurzeit Ihre Lieblingsstadt?

Zu meinen Lieblingsstäd­ten gehört das wunder­schöne Oaxaca in Mexiko. Die Stadt ist zwar klein, dafür aber sehr lebendig. Und das Licht, das auf die farbigen Fassaden der niedrigen Gebäude fällt, ist spektakulär.

Womit verbringen Sie dort Ihre Zeit?

Am frühen Abend, wenn die Sonne untergeht, spa­zieren die Familien von Oaxaca gerne durch die Stadt. Sie gehen solange durch die Straßen, bis sie das Zentrum erreichen. Die Gassen sind dann vom Summen ihrer Gespräche erfüllt. Um diese Uhrzeit scheinen sich die Farben von den Häuserfassaden zu lösen und die Schatten werden länger. Dann ist der Moment gekommen, in dem man die Leichtig­keit, Wärme und die Kameradschaft von Oaxaca hautnah spürt.

Welche Galerien besuchen Sie dort gerne?

Eine Galerie, die Sie nicht verpassen sollten, stellt nichts als Pflanzen aus: der Jardín Etnobotánico de Oaxaca, der zur Kathe­drale von Santo Domingo de Guzmán gehört. Die Artenvielfalt ist hier absolut atemberaubend, besonders schön ist es im Kaktusgarten.

Welches Museum ist ein Muss?

Das Museo Textil de Oaxaca ist ein Kleinod. Wenn Sie Zeit haben, pla­nen Sie auch einen Abste­cher in die benachbarte Stadt San Agustín Etla. Der Künstler Francisco Toledo hat dazu beigetra­gen, dass dort heute das Centro de las Artes San Agustín steht – ein Kunst­ museum, das in einer ehemaligen Textilfabrik untergebracht ist.

Können Sie uns ein Restaurant empfehlen?

Ich kann Ihnen gleich vier Lokale ans Herz le­gen: Criollo, Casa Oaxa­ca, Pitiona und Itanoní. Letzteres ist weltbekannt für seine Maistortillas.

Was bestellen wir dort?

Die beste Mole der Welt bekommen Sie im Casa Oaxaca.

Wo trinkt man den besten Kaffee der Stadt?

Im Café Brújula oder im Boulenc wird ausgezeich­neter Kaffee serviert.

Und das beste Bier?

Mein Lieblingsbier heißt Dos Equis. Momentan ist aber auch in Mexiko das sogenannte Craft-Beer auf dem Vormarsch. Da gibt es viel zu probieren.

Ein Gebäude in der Stadt, das Sie besonders lieben?

Die Ehrfurcht einflößen­ de Kathedrale von Santo Domingo de Guzmán be­findet sich an einem atemberaubenden Platz am Anfang der Alcalá, der Fußgängerzone von Oaxaca. Die Kirche ist sehr elegant und schlicht, hat aber eine enorme Präsenz in der Stadt.

Welcher Flohmarkt ist der beste?

Meine Favoriten sind in den Nachbarstädten Ocotlán de Morelos und in Tlacolula.

Der beste Buchladen?

Es gibt ein paar einzigarti­ge Buchhandlungen in Oaxaca. Eine der besten ist Amate Books. Dort gibt es auch eine brillante Auswahl an CDs mit mexikanischer Musik.

Ein kulturelles Ereignis oder eine Erfahrung, die wir uns auf keinen Fall entgehen lassen sollten?

Der Día de los Muertos ist ein Erlebnis, das wirklich unvergesslich bleibt. An zwei Tagen im Jahr, am letzten Okto­bertag und am ersten November, verkleiden sich die Mexikaner in Skelettkostümen und feiern ihre Verstorbenen. Während der ganzen Nacht verwandeln sich die Friedhöfe in Feier­zentren – es wird getanzt, gesungen, gegessen und der Toten gedacht.

Mit welchem Drink betrinken wir uns?

Hätte Oaxaca ein Stadtge­tränk, es wäre Mezcal.

Zum Schluss: ein Tipp, den wir in keinem Reiseführer finden?

Die Mezcaloteca ist ein außergewöhnlicher Ort, an dem man in die Tradi­tion der Mezcal­-Herstel­lung eintauchen kann. Unbedingt reservieren – denn der Laden ist klein, die Erfahrung intim. Der Alkohol wird hier mit dem Respekt behandelt, den er verdient.

Service

Informationen

Alice Attie, Karin Sander, Jongsuk Yoon
Galerie nächst St. Stephan Rosemarie Schwarzwälder
bis 3. März

Dieser Beitrag erschien in

Weltkunst Nr. 139 / 2018