07.11.2018 Lisa Zeitz

Prächtige Papageien auf Porzellan

Hermann Historica versteigert ein besonderes Service der Nymphenburger Porzellanmanufaktur, das auf einem Gastgeschenk Napoleons an König Maximilian I. Joseph basiert

Durch Napoleons Bündnispolitik wurde Bayern 1806 zum Königreich, und Maximilian I. Joseph der erste König von Bayern: Kein Wunder, dass er das napoleonische Empire zum Stil seiner Herrschaft deklarierte. Nun kommt ein einzigartiges Kaffee- und Teeservice bei Hermann Historica zum Aufruf, und damit nicht nur für die Liebhaber von feinem Porzellan auch ein ganz besonderes Stück Kunstgeschichte, das seine Wurzeln wohl in einer Begegnung des Bayernherrschers mit Napoleon im Jahr 1805 in Paris hat. Vielleicht wusste Napoleon, dass Max Joseph eine spezielle Vorliebe für Vögel hatte und in seiner Menagerie in Nymphenburg sogar Papageien hielt. So fiel sein Geschenk auf fruchtbaren Boden; die erst 1801–1805 publizierte „Naturgeschichte der Papageien“ des französischen Naturwissenschaftlers und Entdeckers François Levaillant, mit herrlich farbigen Illustrationen von Jacques Barraband.

Kaffee- und Teeservice mit Papageienmotiven aus der Manufaktur Nymphenburg, um 1810/1820, Foto: Hermann Historica
Kaffee- und Teeservice mit Papageienmotiven aus der Manufaktur Nymphenburg, um 1810/1820, Foto: Hermann Historica

Nach diesen Vorlagen entstand wenig später in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur das prächtige Service mit den exotischen Vögel, das der Bayernkönig einem befreundeten Arzt und Vogelkundler als Geschenk überreicht haben soll. Die Porzellanmaler hielten sich eng an die Darstellungen von Barraband, aber statteten die knorrigen Äste mit Blattwerk aus. Die Familie des Arztes bewahrte das Porzellan, dessen Zustand das Auktionshaus als perfekt bezeichnet, bis in die 1970er-Jahre hinein. Jetzt kommt das komplett erhaltene 16-teilige Service mit reicher Vergoldung am 21. November zu einem Schätzpreis von 25 000 Euro zur Auktion. Einen Eindruck kann man schon zuvor bei der Vorbesichtigung bekommen (vom 14. bis 19. November, jeweils von 14 bis 18 Uhr).

Wie gewohnt sind bei Hermann Historica kostbare Rüstungen und Waffen zu finden, etwa ein Paar niederländische Steinschlosspistolen des 17. Jahrhunderts und ein gotischer Prunkharnisch aus Süddeutsch-land für je 60 000 Euro. Daneben fällt eine Sammlung von Messinstrumenten auf, die von einem spätrömischen Messbecher für 8000 Euro bis zu Mikroskopen und Sextanten reicht, deren niedrige dreistellige Taxen auch jüngere Sammler ansprechen sollten.

Service

Auktion

Auktionsherbst bei Hermann Historica
5.–10., 20.–23. November

Dieser Beitrag erschien in

Weltkunst 149/2018