200 Jahre Fotografie

Die schönsten Ausstellungen zur Fotografie

Die Erfindung der Fotografie vor 200 Jahren ist diesen Herbst Anlass für einen Reigen von Ausstellungen, die die unerschöpfliche Vielfalt dieses Mediums zeigen. Teil 1: von menschlicher Verbundenheit bis zum surrealen Panorama

Von WELTKUNST Redaktion
21.10.2026
/ Erschienen in Weltkunst Nr. 260

Leuchtende Zeichen

Fotozentrum Hangar Brüssel, bis 20. Dezember

Seit mittlerweile zehn Jahren gibt es das Fotozentrum Hangar in Brüssel: Jährlich finden zwei Ausstellungen mit jungen Talenten statt, aktuell die Gruppenschau „Reinventing Photography“. Von Constance Nouvel stammt der Film „Script pour un film inversible“ (2026), mit dem historische Ansichten alter ägyptischer Schriften durch Projektionen buchstäblich in neues Licht getaucht werden. Die Künstlerin, geboren 1985, zieht dabei Parallelen zwischen Hieroglyphen und der Fotografie: Beide schaffen Zeichen ihrer Zeit für die Nachwelt. 

Surrealistische schwarz-weiß Fotografie in der Möbel, Katzen, ein Wasserstrahl sowie der Maler Salvador Dalí durch den Raum schweben.
Philippe Halsman, „Dalí Anatomicus“, 1948. © Philippe Halsman Estate 2026/Salvador Dalí, Fundació Gala-Salvador Dalí/VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Unter freiem Himmel

Kunsthaus Graz, bis 22. November

Der berühmten französischen Fotografin und Filmemacherin Valérie Jouve, Jahrgang 1964, widmet derzeit Camera Austria im Kunsthaus Graz eine Soloschau mit dem Titel „The Outside Inside“. Seit Jahrzehnten beobachtet sie das Leben der Menschen, in ländlichen Regionen und Städten Frankreichs, aber auch bei ausgedehnten Reisen etwa nach Israel und Palästina. Jouve hat Anthropologie studiert und diesen Blick als Fotografin beibehalten – mit viel Sympathie für das Theater des Alltags, wie in „Sans Titre n° 78 (Les personnages avec Ilham Riffi)“ aus dem Jahr 1999.

Fotografie einer in schwarz gekleideten Frau, die mit geschlossenen Augen und Wind in den Haaren im Freien vor strahlend blauem Himmel steht.
Valérie Jouve, „Sans Titre n°78 (Les personnages avec Ilham Riffi)“, 1999. © Courtesy die Künstlerin und Xippas, Paris-Genf-Punta del Este/VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Völlig Losgelöst

Staatsgalerie Stuttgart, 4. Dezember bis 11. April 

Die Welt ist aus den Fugen geraten, sogar die Gesetze der Schwerkraft wollen nicht mehr gelten. So zu sehen auf Philippe Halsmans berühmter Aufnahme „Dalí Anatomicus“ von 1948. Unter dem Titel „Alles surreal?!“ zeigt die Staatsgalerie Stuttgart 250 Fotografien aus der kürzlich erworbenen Sammlung von Dietmar Siegert zusammen mit rund 40 Gemälden, Grafiken, Skulpturen und Filmausschnitten. Selbstbewusst präsentiert sich die Fotografie dabei als ein eigener surrealistischer Kosmos.

Gemeinsam stark

Robotron-Kantine Dresden, bis 8. November

„Was tun wir. Bilder in Zeiten zerfallender Gewissheiten“ läuft in der Robotron-Kantine in Dresden mit den Fotografinnen und Fotografen der einflussreichen Agentur Ostkreuz. Dazu zählt neben Sibylle Bergemann, Emile Ducke, Harald Hauswald, Tobias Kruse und vielen anderen auch Tamara Eckhardt, die in „Ohne Titel, Kelâa M’Gouna, Marokko“ (2025) der polarisierten Welt zum Trotz eine tiefe menschliche Verbundenheit bezeugt. 

Zwei Frauen stehen mit dem Rücken zum Betrachter, ihre langen schwarzen Haare sind zu einem gemeinsamen Zopf geflochten.
Tamara Eckhardt, „Ohne Titel, Kelâa M'Gouna, Marokko“, 2025. © Tamara Eckhardt/Ostkreuz

Gib Pfötchen!

Kantonalmuseum Lausanne, 4. Dezember bis 4. April

Das Tier als Motiv in 200 Jahren Fotografiegeschichte ist Gegenstand der berührenden Ausstellung „Animal Model“. Nach ihrer ersten Station in Arles gastiert sie im Photo Elysée, dem Kantonalmuseum von Lausanne. Zirkusattraktion, Fleischlieferant oder Lebensgefährte: Die Entwicklung der Tierfotografie sagt viel aus über unser Verhältnis zu unseren vierbeinigen Mitbewohnern. Ach, hätten die Menschen doch nur immer so viel Respekt wie Jean Baptiste Huynh 1999 vor „Buckley“.

 

Ein Hund im Seitenprofil blickt dem Betrachter tief ins Auge, die Fotografie ist schwarz-weiß.
Jean-Baptiste Huynh, „Buckley“, 1999. © Courtesy the artist/VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Fernweh nicht ausgeschlossen

Albertina Wien, bis 26. Oktober

Die Albertina in Wien besitzt neben vielen anderen Schätzen mit rund 100.000 Aufnahmen auch die größte Fotosammlung Österreichs. „Die Welt im Fokus“ vereint frühe Reise- und Expeditionsfotografien, die einen Bogen von der Mitte des 19. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts spannen, darunter die anonyme Aufnahme „Porta Felice und der Hafen, Palermo“ aus den Jahren 1889–1905 sowie Bilder aus Norwegen, Japan, Jerusalem und Indien. Sie dokumentieren den Ausbau der Mobilität – und das Anschwellen des Tourismus. 

Historisches Bild der Promenade Palermos, an sie grenzt das türkise rauschende Meer
Anonyme Aufnahme, „Porta Felice und der Hafen, Palermo“, 1889-1905 © lbertina, Wien, Schenkung Harald Woschitz, Nachlass Christopher Cardozo, US

Zur Startseite