Fahrradtour durch die Champagne

Am letzten Tag erkunden wir mit dem Fahrrad die Champagne und lassen unsere Reise am Place du Forum ausklingen

Wie ein grüner Teppich mit geometrischem Muster breiten sich die Weinberge rund um Reims über die sanften Hügel aus, unterbrochen von kleinen Dörfern und schmalen Straßen. Kalkhaltiger Boden und ein gemäßigtes Klima schaffen ideale Bedingungen für den weltberühmten Weinbau. Am schönsten lässt sich die Champagne erleben, wenn man sich aufs Rad schwingt. Manu Loca Vélo verspricht ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, doch die Suche nach dem Fahrradverleih lässt uns kurz verzweifeln. Denn die Geschäftsadresse variiert – je nachdem, wo Inhaber Manu gerade seinen Transporter mit Fahrrädern im Laderaum parkt.

Auf dem Rad verschwindet die Stadt langsam hinter uns, wir folgen dem Canal de l’Aisne à la Marne für rund 15 Kilometer. Zwischen den Weinbergen radeln wir steil bergauf – ein E-Bike ist empfehlenswert – in das kleine Dorf Verzy, wo sich der charmante Landsitz von Veuve Clicquot befindet. Ein Stopp für eine kleine Verkostung ist verlockend, doch wir widerstehen der Versuchung, denn wir wollen weiter: Unser Ziel erblicken wir schon am Fuß des Hügels. Obwohl der Atlantik mehrere Hundert Kilometer entfernt liegt, ragt in Verzenay ein phare empor. Der 25 Meter hohe Leuchtturm wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einem Champagnerproduzenten erbaut – zu Werbezwecken. Heute beherbergt er ein Weinbaumuseum sowie eine kleine Bar. Wir bestellen zwei Gläser Blanc de Blancs, genießen den weitläufigen Blick im Garten hinter dem Leuchtturm und greifen in den mitgebrachten Picknickkorb.

Der Rückweg führt uns durch ein Ensemble aus Hügeln, Reben und berühmten Etiketten. Wer das Picknick ausgelassen hat, kehrt ein: In fast jedem Dorf laden Winzerhöfe nicht nur zur Verkostung, sondern auch zum Mittagstisch ein.

Bunte Glaß Fenster der Kathedrale in Reims.
Imi Knoebels bunte Fenster für die Kathedrale von Reims. © Sina Ehlers/VG Bild-Kunst, Bonn 2026

Zurück in Reims spazieren wir am Abend zur Place du Forum und werden von einem stimmungsvollen Konzert überrascht. Allzu lange lauschen wir der Musik jedoch nicht, denn der Tag auf dem Rad hat uns ermüdet. Für unser letztes Abendessen in Reims fällt die Wahl auf eine überraschend harmonische Kombination: Burger und Champagner lautet das Konzept von Sacré Burger. Zum Abschluss zieht es uns noch einmal zur Krönungskathedrale, deren beleuchtete Fassade im nächtlichen Licht fast unwirklich erscheint. Auf der Dachterrasse der Bar Gabrielle stoßen wir an und schauen hinunter auf das steinerne Herz dieser Stadt, das Kriege überstand und bis heute für die Kraft der Versöhnung steht.

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