Im August bewundern wir das Werk von Paul Signac in Potsdam, erfahren mehr über das bewegte Leben von Frida Kahlo in London und entdecken die Freilichtmalerei um 1800 in Winterthur
ShareWährend am Horizont bereits dunkle Wolken aufziehen, spiegeln sich noch die letzten Sonnenstrahlen auf der ruhigen Meeresoberfläche. Carl Blechen bildet in seinem Gemälde von 1829 die Dynamik der Natur ab und lädt mit seiner harmonischen Farbpalette zu romantischen Tagträumen ein. Die Ausstellung im Kunst Museum Winterthur „Zur Sonne! Zur Freiheit!“, kuratiert von David Schmidhauser und Florian Illies, feiert das Genre der Freilichtmalerei um 1800 auch als Geburtsstunde der modernen Kunst. Das Museum kann aus dem Vollen schöpfen, denn zu den Leidenschaften des Sammlers Oskar Reinhardt zählte auch die Ölstudie. Werke von deutschen und italienischen Künstlern sind hier ebenso zu finden wie Camille Corot. Außerdem liegt der Fokus erstmalig auf der schweizerischen Entwicklung dieses Genres.
Unteres Belvedere, Wien, bis 10. Januar 2027
Erna Rosentein (1913–2004) ist eine zentrale Protagonistin der polnischen Nachkriegs-Avantgarde. Ihr Werkkosmos ist von den krassen historischen Umbrüchen in Polen und Europa und von kollektivem und persönlichem Erleben geprägt. Werke wie „Die Verbrennung der Hexe“ von 1966 erzählen Geschichten von Verfolgung, Trauer, Widerstand und Resilienz. Rosensteins multimediales Schaffen steht für künstlerische Unabhängigkeit und die Verflechtung von Gegenwart und Erinnerung. 80 Assemblagen, Gemälde, Zeichnungen und Gedichte der Künstlerin werden erstmals in Österreich präsentiert und legen den künstlerischen Werdegang Rosensteins von figürlicher Malerei bis hin zur Abstraktion offen.
Frida Kahlos berühmte Selbstporträts mit Tehuana-Kleidern und Blumenschmuck im Haar sind unverkennbar. Längst ist die mexikanische Künstlerin nicht nur eine Ikone der Kunstszene, sondern auch darüber hinaus ein kulturelles Phänomen. Die Ausstellung „Frida: The Making of an Icon“, zuerst im Museum of Fine Arts in Houston zu sehen, erzählt nun in London von ihrer facettenreichen Geschichte und ihrem Nachleben. Wie keine andere symbolisiert Frida Kahlo mexikanische Kultur und den Aufbruch des Feminismus. Mit 30 Originalwerken, persönlichen Objekten wie Schmuck, Kleidungsstücken und Fotografien sowie mit über 200 Werken von Gegenwartskünstlern und -künstlerinnen würdigt die Tate Modern ihren anhaltenden kulturellen Einfluss.
Wer Sehnsucht nach dem Süden hat, kann im Museum Barberini in Potsdam in Bildern schwelgen. Unter dem Titel „Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus“ wird dem Pointillisten zum ersten Mal seit dreißig Jahren eine umfassende Ausstellung in Deutschland gewidmet. Seinen Stil entwickelte er, indem er unvermischte Farbtupfen rasterartig auf die Leinwand setzte – die Farben mischen sich erst im Auge der Betrachtenden. Besonders die Motive aus Südfrankreich, von ihm und seinen Zeitgenossen wie Henri-Edmond Cross, Anna Boch oder Maximilien Luce, wecken Lust auf die Côte d’Azur. Signacs „Hafen bei Sonnenuntergang“ in Saint-Tropez oder die stille Felsküste, die Cross in „Calanque des Antibois“ festhielt, sind die idealen Ferienmotive.
Kennen sie Simon Hantaï? Im Museum Frieder Burda lassen sich seine leuchtenden Gemälde mit radikal zufälligen Musterungen betrachten. Geboren in Ungarn studierte er an der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste in Budapest und wanderte anschließend nach Paris aus, wo er mit verschiedenen Techniken experimentierte. Ab den 1960er Jahren wurden die farbgewaltigen Bilder Jackson Pollocks das Vorbild für Hantaïs Werke und er entwickelte eine eigene Technik, die „pliage comme méthode“: Hierfür faltete und verknotete der Künstler die Leinwand, bevor er Farbe auf die Oberfläche auftrug und ließ so, nach dem Entfalten der Leinwand, unerwartete Zufallsmuster entstehen. Als Teilnehmer der Documenta II 1959 in Kassel und Repräsentant Frankreichs auf der Biennale in Venedig 1982 gilt Simon Hantaï als einer der wichtigsten Vertreter der internationalen Nachkriegsmoderne.
Was die österreichische Künstlerin Maria Lassnig (1919–2014) und den norwegischen Maler Edvard Munch (1863–1944) verbindet, ist ihr malerischer Ausdruck: Existenzielle Themen wie Einsamkeit und Trauer sind in Werken von beiden präsent, und auch eine Lust am Animalischen: Bei Lassnig taucht der berühmte Tiger auf, bei Munch der Bär. Auch in ihrer expressionistischen Verwendung von Farbe lassen sich bemerkenswerte Parallelen entdecken. Farbe dient als Ausdruckselement für innere und äußere Zustände und bildet Emotionen und Wahrnehmungsebenen ab. Die große Doppelschau in der Hamburger Kunsthalle stellt die abstrakten und eigenwilligen Bildfiguren von Lassnig und Munch gegenüber. Die Werkschau beider Künstler kommuniziert die Untrennbarkeit der Aspekte Kunst und Leben – ganz nach dem Motto „Malfluss=Lebensfluss“, dem Untertitel der Ausstellung.