Mit ihrem neuen Kunstclub bringt die Influencerin Jette Lübbehüsen junge Menschen mit einer Passion für Kunst in der Alten Nationalgalerie Berlin zusammen.
ShareEin ungewohnter Anblick bot sich am Dienstagabend in dieser Woche in den leeren Ausstellungssräumen der Alten Nationalgalerie: Ausgestattet mit Skizzenbüchern und Bleistiften vertiefte sich eine bunt gemischte Gruppe in die Gemälde der Ausstellung „Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus“. Jede und jeder zeichnete für sich und dennoch irgendwie gemeinsam. Über die eigenen Entwürfe gebeugt und auf die Gemälde konzentriert, lernte man sich kennen – was verband, war die Liebe zur Kunst.
Das erste Treffen des „After Hours Art Club“ fand am 15. September in den Räumlichkeiten der Alten Nationalgalerie nach dere offiziellen Schließzeit statt. In Zusammenarbeit mit den Jungen Freunden der Nationalgalerie organisiert, kamen junge Künstlerinnen und Künstler, Kunstliebhaber und Interessierte zusammen. Vor den Ausstellungsräumen der Cassirer-Ausstellung wurde die Gruppe sowohl in praktische als auch in theoretische Aspekte des kunstvollen Abends eingewiesen: Neben der Initiatorin des Kunstclubs, Jette Lübbehüsen, war auch die Kuratorin Josephine Klinger anwesend und teilte ihre Expertise zu den impressionistischen Gemälde rund um den legendären Kunsthändleer Paul Cassirer. Anschließend erhielt die Gruppe Zeichenrequisiten und begann damit, inspiriert von den Gemälden Skizzen anzufertigen.
Frische Energie zurück in die Museen zu bringen ist das Ziel der Initiative. „Ich möchte, dass mehr junge Leute ohne Angst auf Kunst zugehen, Bilder mal wieder analog betrachten und sich untereinander vernetzen“, erzählte Jette bei der Veranstaltung. Die 28-jährige Content Kreatorin, Media Designerin und Autorin ist schon seit 2012 in den Sozialen Medien aktiv. In YouTube-Videos zeigt sie, wie sie mit verschiedenen malerischen Techniken und Materialien experimentiert, erzählt von ihrem Designstudium und teilt Tipps zur Karriere in der Kunstbranche.
Die eigene Kreativität kommt im Alltag oft zu kurz, darüber sind sich die Teilnehmenden der ersten Ausgabe des Kunst-Clubs einig. „Wäre ich jetzt zu Hause, würde ich wahrscheinlich auf TikTok scrollen“ stellt eine Anwesende beim Zeichnen fest. Werke aus Sammlungen weltweit sind zwar online zugänglich, die Schnelllebigkeit auf dem Bildschirm veranlasst jedoch dazu, weiterzuscrollen und sich kaum Zeit für die Betrachtung eines Kunstwerkes zu nehmen. Durch das gemeinschaftliche Treffen und Skizzieren im Museum wird die eigene Schöpferkraft wiederbelebt.
Das sportliche Pendant zu Jettes Kunstclub sind „After Hour Running Clubs“, aktive Communities, die vor allem über Instagram miteinander in Kontakt treten, es gibt die Clubs in jeder größeren Stadt. Das aus den USA stammende Konzept bringt junge Menschen nach der Arbeit zusammen, um zu joggen, sich zu vernetzen und gemeinsam offline Zeit zu verbringen. „Like a Run Club, but for Art Lovers“ lautet der Werbeslogan für Berlins neuste kreative Gemeinschaft. In London gibt es bereits seit 2024 einen „After Hours Art Club“: Die Mitglieder besuchen gemeinsam Museen, erhalten Führungen und tauschen sich kreativ aus.
„Kein einziges Smartphone in Sicht“, postete Jette am Tag nach der Veranstaltung unter ein Video ihrer konzentriert zeichnenden Community auf Instagram. Online erntet die Initiative ausschließlich positives Feedback, sowohl von ihren Followern als auch von nationalen Kunst- und Kulturinstitutionen, sodass auf weitere kreative Clubtreffen gehofft werden kann.