Wenn Anfang Mai die Biennale beginnt, feiert die ganze Stadt für sechs Monate ein großes Fest. Wir zeigen Ihnen die Orte, die Sie in diesem langen Sommer der Kunst unbedingt besuchen sollten
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05.05.2026
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Erschienen in
WELTKUNST Nr. 255
Die temporäre Galerie Barovier & Toso gleich hinter der Accademia zeigt Ibrahim Mahamas jüngstes Projekt A Shea Garden. Der Titel verweist auf die Nüsse des Shea Baums, der in der Küche und Medizin seiner Heimat eine große Rolle spielt. Mahama verwandelte die Formen von Töpferwaren aus Ghana auf der Glasbläserinsel Murano in durchscheinende Gefäße – und ver schmilzt damit afrikanische und europäische Traditionen (4. Mai bis 18. Juli).
Arthur Jafa erzählt in Videocollagen vom Leben und Leid des schwarzen Amerika. Richard Prince hat den Zigarettenwerbungscowboy zur Kunst gemacht. Passen die beiden zusammen? Oh ja! Die Dialogschau Helter Skelter im Palazzo Ca’ Corner della Regina der Fondazione Prada hat Wumms! Vom 9. Mai bis 23. November wird dort auch das Foto „Man Monster – Duffy“ (2018) hängen, auf dem sich Jafa als Transgender Sexworker des 19. Jahrhunderts zeigt – neben einem Bild von Prince, in dem er die Witze weißer Macho Amerikaner veralbert.
Hier vermischen sich Einflüsse aus Ostafrika mit der Mythologie und Kunstgeschichte des Westens: Farbenprächtige Bilder von Michael Armitage aus den vergangenen zehn Jahren werden gezeigt („Untitled“, 2024), Kuratoren sind Jean Marie Gallais und Hans Ulrich Obrist. Bis zum 10. Januar 2027 teilt sich der britisch kenianische Maler die Schauräume im Palazzo Grassi mit dem indischen Dokumentarfilmer und Künstler Amar Kanwar. Auch wenn die Einzelausstellungen unabhängig voneinander konzipiert wurden, gibt es thematische Verschränkungen. Denn beide Künstler beschäftigen sich mit persönlicher und kollektiver Erinnerung. In unterschiedlichen Bildmedien reflektieren sie die Dynamiken von Macht, Gewalt und Widerstand.
Bulgari setzt sich schon lange für das Kulturerbe ein, etwa bei der Restaurierung der Spanischen Treppe oder der Mosaiken der Caracalla Thermen in Rom. Nun ist die 1884 gegründete Maison auch Hauptsponsor der Biennale und wird verschiedene Projekte in Venedig präsentieren. Besonders neugierig sind wir auf die junge kanadische Künstlerin Lotus L. Kang. Zu deren originellen Materialien gehören zum Beispiel unfixierter, lichtempfindlicher Film und Magnete, „Molt (Woodridge – New York – Berlin)“ von 2024/25. Manchmal gießt sie auch Anchovis oder Seetang in Aluminium. Ihren Auftritt hat sie prominent im Bulgari Pavillon im Spazio Esedra in den Giardini.
Vierzehn Gemälde von Picasso, darunter „Nature morte: buste, coupe et palette“ (1932), treffen auf ebenso viele Bilder Giorgio Morandis und aktuelle Arbeiten von Claudio Parmiggiani. Cécile Debray, Direktorin des Pariser Picasso Museums, kuratiert die Ausstellung „Picasso, Morandi, Parmiggiani. Still Lifes“ der Istituzione Fondazione Bevilacqua La Masa am Markusplatz. Ein frühes kubistisches Werk von 1914 ist ebenso dabei wie eine der meisterhaft reduzierten Kompositionen von Morandi, die der Künstler 1962 auf der Biennale präsentierte und die nun erstmals nach Venedig zurückkehrt. Von Parmiggiani, der als junger Mann den alten Morandi noch im Atelier besuchte, stammen geisterhafte Schattenbilder und Skulpturen. So entstehen drei verschiedene Blickwinkel auf das Genre Stillleben als Meditation über Präsenz und Vergänglichkeit (7. Mai bis 25. Juli).