02.09.2019 Sebastian Preuss

Das Weltkunst-Archiv geht online

Seit 1. September sind die frühen Ausgaben der WELTKUNST online für jeden zugänglich. Damit öffnet sich ein gewaltiges Archiv zum Kunstgeschehen in der Weimarer Republik und der NS-Zeit

Es ist ein großer Schritt für die Weltkunst. Und auch für jeden, der sich mit dem Kunstgeschehen in den Zwanziger- und Dreißerjahren beschäftigt: Die Universitätsbibliothek Heidelberg hat alle frühen Jahrgänge der Zeitschrift und ihres Vorgängerblatts „Die Kunstauktion“ von 1927 bis 1944 gescannt und digital aufbereitet. Seit 1. September sind die beiden wöchentlichen Publikationen weltweit und für jeden kostenlos über den Onlinekatalog der Bibliothek (www.ub.uni-heidelberg.de) oder einen direkten Link (www.ub.uni-heidelberg.de/fachinfo/Kunst/zeitschriften/weltkunst.html) zugänglich.

Titelblatt der WELTKUNST Jahrgang IV, Nr. 39 aus dem Jahr 1930
Titelblatt der WELTKUNST Jahrgang IV, Nr. 39 aus dem Jahr 1930

Kunsthistoriker und vor allem Provenienzforscher – die das Schicksal von Werken verfolgen, die jüdischen Besitzern von den Nazis geraubt wurden – haben sich das schon seit Langem gewünscht. In großen Bibliotheken wie der Berliner Staatsbibliothek oder im Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München ist die frühe Weltkunst vorhanden, wenn auch zuweilen lückenhaft. Woanders ist es schon sehr viel schwieriger, an alle Bände der Vorkriegs- und Kriegszeit zu kommen. Jetzt aber ist die Zeitschrift ins große Onlineweltwissen eingespeist und für die Zukunft gesichert. 

Blättern und stöbern in digitalen Heften

In der digitalen Weltkunst kann man zielgerichtet einzelne Hefte aufrufen oder mit Hilfe der Volltextsuche alle Ausgaben bis in die Anzeigen hinein nach Namen und Begriffen suchen. So wird die wichtigste deutsche Chronik des Kunstmarktes zu einem gewaltigen Archiv, das seine Tore geöffnet hat und nun bequem zu nutzen ist. Akribische Auktionsvorberichte, Ergebnislisten, Marktanalysen, Ereignisse in den Museen in aller Welt, kunsthistorische Beiträge zu allen nur denkbaren Themen, Personalien, bis hin zu humoristischen Erlebnissen in der Kunstszene: All dies wird hier geboten, und der Leser kann auf tausenden Seiten durch ein ganzes Zeitalter flanieren.

WELTKUNST Jahrgang IV, Nr. 39 aus dem Jahr 1930
WELTKUNST Jahrgang IV, Nr. 39 aus dem Jahr 1930

Die Geschichte der WELTKUNST

Es begann am 15. Oktober 1927, als „Die Kunstauktion“, wie das Blatt im Zeitungsformat bis zu ihrer Umbenennung in Weltkunst 1930 hieß, erstmals erschien. In einem programmatischen Editorial erklärt der Gründer und Herausgeber Walter Bondy, dass ihm ein „Börsenblatt“ des deutschen und internationalen Kunstmarkts mit möglichst genauer, unbestechlicher Berichterstattung vorschwebe. Diesen Anspruch haben Bondy und seine Redaktionskollegen eingelöst, da ist sich Patrick Golenia sicher: „Mit ihrer transparenten Informationspolitik hat die Weltkunst den deutschen Kunsthandel in den späten Zwanzigern maßgeblich mit aufgebaut. Vor allem, weil sie den internationalen Vergleich herstellte, das gab es zuvor nicht“, erklärt der Berliner Kunsthistoriker, der an einer Dissertation über die Vorkriegszeit der Zeitschrift arbeitet.

Werkzeug in der Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit

Doch gehört zur Geschichte der Weltkunst auch die dunkle Seiten der Epoche. Während des Nationalsozialismus war sie wie alle Presseorgane gleichgeschaltet und unterstand der Reichspressekammer. Wie weit sich die Kunstmarktzeitung zum willigen Helfer des NS-Regimes macht, ist eine der wesentlichen Fragen von Golenias Untersuchung. In ihren Marktberichten bemühten sich die Redakteure und Autoren um einen sachlichen Ton und stellten oft die unbestechlichen Zahlen in den Vordergrund. Doch beruhen zahllose der besprochenen und in Artikeln wie Anzeigen angekündigten Auktionen auf Entrechtung, Beraubung, Vertreibung und Ermordung jüdischer Mitbürger. Trotz vieler Forschungen zum Thema ist in diesem schlimmsten Kapitel der Kunstmarktgeschichte immer noch vieles unaufgearbeitet. Dank ihrer Digitalisierung in Heidelberg kann die frühe Weltkunst nun einiges zur Erhellung der Geschichte beitragen, deren Teil sie selbst war.

Service

Online-Zugang

Digitalisierte Bestände der WELTKUNST im Onlinekatalog der Universitätsbibliothek Heidelberg:

www.ub.uni-heidelberg.de/fachinfo/Kunst/zeitschriften/weltkunst.html