23.05.2016 Peter Dittmar

Kunst im Netz – Weltumspannend Kunst kaufen

Unser Experte Peter Dittmar präsentiert in seiner Kolumne „Kunst im Netz“ regelmäßig die interessantesten Entdeckungen aus dem Internet. In der aktuellen Ausgabe der KUNST UND AUKTIONEN beleuchtet er die Internetplattform Invaluable.

Invaluable ist ein geschickt gewählter Name – „unschätzbar“ und „von unschätzbarem Wert“ klingen da mit. Allerdings auch „unbezahlbar“. Das wird man allerdings in Boston, wo die Internet-Plattform beheimatet ist, gewiss nicht so gern als Übersetzung hören. Denn die Intention des Hauses, das 1989 prosaisch als Artfact gegründet wurde, möchte die harten Fakten des internationalen Auktionsgeschäfts mit der Poesie des schönen, erschwinglichen Sammelns populär und lukrativ gestalten. Deshalb wählte man 2013 den neuen Namen. Außerdem kooperiert man seit 2014 mit eBay (das seine Online-Live-Auktionen 2009 aufgab) und seit 2015 mit Sotheby’s.

Die Grundidee ist, den großen wie den kleinen Auktionshäusern – die in der Branche, weil sie noch persönliche Kundenkontakte im eigenen Haus pflegen, oft herablassend als Brick-and-Mortar-Business abgetan werden – via Internet ein weltumspannendes Podium anzubieten. Auf
www.invaluable.com eröffne sich der Zugang zu rund 4000 Verkäufern, hauptsächlich Versteigerern, aber auch allerhand Händlern, verkündet man auf der Seite. Zehn Milliarden Objekte böte man an und drei Millionen „Besucher“ könne man verbuchen. Dass es da mit dem „Unschätzbaren“ nicht allzu weit her sein kann, ergibt sich von selbst. Dazu muss man sich nur in die Live-Übertragungen der Auktionen einklinken – die Invaluable als Streaming mit Originalton oder als Liste der momentanen Gebote organisiert. Denn da erfolgt der Zuschlag oft nur zweistellig – wenngleich man nicht ohne Stolz darauf verweist, dass der Nerzmantel, den Orson Wells als „Citizen Kane“ trug, dank Invaluable für 100 000 Dollar versteigert werden konnte. Auf alle Fälle gibt man sich weltumspannend. Die Texte, die Invaluable begleiten, kann man in mehr als hundert Sprachen abrufen, von Afrikaans bis Zulu, auch in Jiddisch, Esperanto oder (dem sino-tibetischen) Hmong. Und, wer den Newsletter abonniert hat, erfährt jede Woche, was dreißig und mehr Auktionshäuser in den nächsten Tagen anbieten. Das können Fotografien bei Sotheby’s, Waffen bei Hermann Historica, Berlinensien bei Lempertz, Comics bei Artcurial sein, aber auch Collectibles bei Stephan Welz & Co im südafrikanischen Sandton, historische Kleider bei Ryan im amerikanischen Londonderry oder asiatische Kunst bei Graham’s im australischen Woollahra. Allerdings sollte, wer auf einem anderen Kontinent zu Hause ist, bedenken, dass die Versandkosten dann erheblich zu Buche schlagen können. Die Suchfunktion erlaubt deshalb nicht nur eine Eingrenzung der Objekte, sondern auch die Beschränkung auf ein Land oder Auktionshaus.

Invaluable erweist sich als ein reich bestücktes und oft amüsantes Schaufenster für alle die Dinge – Nippes eingeschlossen – die man sammeln kann

Was Invaluable vermittelt, reicht von den schönen Künsten über Kunsthandwerk, Schmuck, Möbel, asiatische Kunst bis zu Autos und Weinen. Und was bei den Auktionshäusern der Nachverkauf ist, ist hier die Buy-Now-Funktion. So kann man also am heimischen Computer (aber auch via iPhone und iPad) rund um die Welt erkunden, was künftig versteigert wird, was man sofort zu einem Festpreis erwerben kann und was an gleichartigen Objekten früher verkauft wurde. Denn manche Häuser nennen unter „Past Auctions“ die Schätzpreise und die Zuschläge. Von anderen erfährt man sie dagegen nur, wenn man – das ist das Erbe von Artfact – das „Price Archive“ subskribiert, das als „Basic“ für 20 Dollar im Monat Preise der letzten zwölf Monate verrät, als Professional für 29,95 Dollar pro Tag (oder 1995 Dollar pro Jahr) Ergebnisse parat hat, die bis 15 Jahre zurückliegen. Außerdem lebt Invaluable davon, dass die Rechnung des Versteigerers neben dem Aufgeld – das man über „Settings“ beim Zuschlag einblenden kann – auch die Service-Gebühr für Invaluable enthält, die in den „Terms of Use“ zwar nicht beziffert wird, jedoch laut Boston Globe oder Leonard Joel Auctions drei Prozent beträgt. Ungeachtet dieser kommerziellen Ambitionen erweist sich Invaluable als ein reich bestücktes und oft amüsantes Schaufenster für alle die Dinge – Nippes eingeschlossen – die man sammeln kann.

Diesen Artikel finden Sie auch in der aktuellen Ausgabe der Kunst und Auktionen (09/2016).

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