Frieze London

Zwischen Kunstkammer und Metaverse

Die Londoner Kunstmessen Frieze und Frieze Masters vereinen gekonnt zeitgenössische Positionen mit Alter Kunst – und eröffnen einen Ausblick auf die kommende Saison

Von Dirk Bennett
05.10.2026

Es ist Herbst. Unverkennbar. „The days are drawing in“, wie es im Englischen so schön heißt, die Tage werden kürzer. Der heiße Sommer fast vergessen, die Himmel wieder meist im vertrauten Grau, die Wolken tiefhängend. Im Regent’s Park in London ist seit Mitte September die Skulpturenausstellung der Frieze zu sehen. Die Arbeiten von Conrad Shawcross, Douglas White, Elena Nemkova und Matyáš Chochola stehen dieses Jahr in seltsamem Kontrast zum noch immer von der Hitzewelle gezeichneten Rasen. 

Die Londoner Frieze gilt als Gradmesser des internationalen Kunstmarkts

Ab 14. Oktober findet in den enormen Ausstellungshallen des Regent’s Park zum 24. Mal und seit fast einem Vierteljahrhundert eine der wichtigsten Messen im kulturellen Jahreskalender Londons statt: die Doppelveranstaltung von Frieze und Frieze Masters. Mit circa 90.000 Besuchern im Vorjahr aus über 100 Ländern und mehr als 280 Ausstellern aus 45 Ländern ist sie das erste Großereignis nach der Sommerpause und eröffnet als Gradmesser des internationalen Kunstmarkts den Ausblick auf die kommende Saison. 

Die Struktur der Veranstaltung ist vertraut: Die Frieze London ist gemacht für das eher am Cutting Edge der Gegenwartskunst interessierte Publikum, die Frieze Masters steht für das Etablierte. Das Angebot ist von höchster Qualität, und manche der Besucher werden einfach nur zum Vergnügen, zum Staunen und zum Schaulaufen kommen. Neben den kuratierten offiziellen Präsentationen – dieses Jahr sind es etwa der queere Blick auf den Modernismus und die künstlerische Rezeption gesellschaftlicher Entwicklungen – gibt es ein breit gefächertes Angebot von Führungen und Vorträgen. Ein Highlight ist der Talk mit dem immer unterhaltsamen Grayson Perry. Darüber hinaus ist es stets spannend zu sehen, was sich die Anbieter in der Gestaltung ihrer Kojen einfallen lassen. 

Ganz aktuell dreht sich natürlich viel um digitale Kultur in all ihren Aspekten. Im Bereich der zeitgenössischen Kunst wird ein reiches Buffet an modernen Technologien bereitet, das sich ästhetisch an früheren Kunstrichtungen wie Dada, Neue Sachlichkeit, Pop Art, konzeptueller Kunst mit oft surrealistischem Zug bedient. Interessant in diesem Zusammenhang ist der neue Surrealismus, etwa in der Ausstellung „Unveiled Desires: Fetish & The Erotic in Surrealism, 1880 –Today“ der Londoner Galerie Richard Saltoun. Oder bei Vito Schnabel, wo es mit George Condo und Francesco Clemente um zwei der führenden Repräsentanten dieser Richtung geht. 

Blumenstillleben mit Eichhörnchen und Insekten, gravierte Schiefertafel, Einlagen aus Perlmutt, Bein und Stein
Dirck van Rijswijck (1596–1679), Blumenstillleben mit Eichhörnchen und Insekten, gravierte Schiefertafel, Einlagen aus Perlmutt, Bein und Stein, um 1660/70, 23,5 × 17 cm, angeboten von Kunstkammer Georg Laue, München, auf der Frieze Masters. © Kunstkammer Georg Laue, München

Diesjährige Höhepunkte sind die Kunstkammerobjekte bei Georg Laue aus München, der mit einem Perlmutt-Stillleben aus dem Harlaxton Manor überzeugt, das Dirck van Rijswijck um 1670 schuf. Gelungen und ganz heutig im Präsentationskonzept ist die Gegenüberstellung eines Stilllebens von Jan Brueghel d. Ä. und seiner modernen Rezeption durch Flora Yukhnovichs herrlich neobarocker Kunst bei Hauser & Wirth. Am Stand der Galerie ist auch eines der großen abstrakten Werke des 92-jährigen Briten Frank Bowling zu entdecken: „Watermelon Bight“ aus dem Jahr 2020.  

Last, but not least sei für die ewig Junggebliebenen das Werk von Theo Triantafyllidis erwähnt, des Preisträgers des Frieze London Artist Award 2026. Seine interaktive Großskulptur und Multiplayer-Videospiel „Feral Metaverse (Spider)“ ist ein unbedingtes Muss – ein Kunstwerk zum Erleben, Ertasten, Erforschen. Ein garantierter Publikumsmagnet und irgendwie das perfekte Symbol des Zeitgeists. 

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Frieze London

The Regent’s Park, London

14. bis 18. Oktober 2026

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