Mit neuen Strategien lockt die Art Basel in diesem Jahr in die Stadt und setzt auf ein Messeerlebnis, das weit über die Hallen hinausreicht
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11.06.2026
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Erschienen in
WELTKUNST Nr.256
Auf den ersten flüchtigen Blick könnte man meinen, die Art Basel am Oberrhein sei völlig unbeirrt von allem, was um sie herum geschieht. Dabei hat sich insbesondere ihr Ableger in Paris, der 2022 erstmals in einem Übergangsquartier stattfand, nun aber im Grand Palais den Kunstherbst dominiert, als Konkurrenz aus dem eigenen Haus erwiesen. Doch tatsächlich hat sich bereits einiges in Basel verändert – das aber geschieht im Rhythmus der Stadt, in der Tempo und Effizienz nicht im Vordergrund stehen und die gerade deshalb von vielen geschätzt wird.
Ein echter Erfolg ist die Integration der zentralen Clarastraße ins Messegeschehen. Seit 2024 findet hier der Art-Basel-„Parcours“ statt: Die temporäre Kunst im öffentlichen Raum schmückt nun nicht mehr die Altstadt. Stattdessen zieht sie in leere Ladengeschäfte, imitiert ganze Shops oder lässt sich in der Kirche St. Clara auf einen Dialog im sakralen Umfeld ein. An der dritten, von Stefanie Hessler kuratierten Version mit 21 künstlerischen Positionen nehmen unter anderem Kader Attia (Regen Projects / Galerie Nagel Draxler), der von der Galerie Thomas Schulte vertretene José Montealegre und die Künstlerin Haegue Yang (Galerie Neugerriemschneider / Kukje Gallery) teil, die mit ihren komplexen Installationen aus Jalousien bekannt geworden ist.
Neu ist nun, was die Art Basel für ihre kommende Auflage ankündigt. Jeder Aussteller im großen Sektor „Galleries“, der mit der Moderne startet und bis in die unmittelbare Gegenwart reicht, soll künftig „ein bedeutendes Werk, eine gezielte Auswahl an Werken oder in einigen Fällen eine gesamte Präsentation aus allen Vorab-Vorschauen, Online-Viewing-Rooms und Vorverkaufsaktivitäten zurückhalten“.
Was bedeutet das? Von den 290 internationalen Galerien, die diesmal in Basel präsent sind, stellen die meisten in diesem Bereich aus. Folgen sie dem Aufruf der Messe, fällt künftig ein Teil jener Informationen weg, mit denen sie ihren Kundenstamm schon vor der VIP-Eröffnung „First Choice Preview“ versorgen – und nicht wenig wird traditionell auf diesem Weg verkauft, ohne dass die Sammler und Sammlerinnen überhaupt anreisen müssten. Künftig sollen sie es wieder tun. Die Tefaf arbeitet schon länger mit dieser Strategie, um ihr Publikum verlässlich nach Maastricht zu bekommen. Für die Art Basel ist es ein Schritt, ihre älteste Ausgabe einmal mehr lokal zu verankern und sie gleichzeitig exklusiver zu gestalten, ohne die Messe im Kern zu verändern.
Flankiert wird sie von der Messe Liste, die seit Corona ebenfalls ihren Platz in den Messehallen hat. Sie versammelt weitere 106 Galerien, darunter 41 Erstteilnehmer wie Shahin Zarinbal aus Berlin oder Petrine (Paris/Düsseldorf) mit einer Einzelpräsentation von Mimmo Haraditiohadi. Etabliert haben sich ebenso die Messen Volta und Photo Basel, Letztere mit übersichtlichen 42 Galerien und einer Konzentration auf Fotografie. Wer die Clarastraße in Richtung St. Johanns-Vorstadt passiert, stößt im Ackermannshof auf die jüngste Messeplattform: die Africa Basel mit einem Fokus auf Kunst vom afrikanischen Kontinent, Fountain Talks unter freiem Himmel und einem Performance-Programm.
Art Basel, 18. bis 21. Juni, und Liste Art Fair, 15. bis 21. Juni, beide Messehallen;
Volta, 17. bis 21. Juni, Congress Center;
Photo Basel, 16. bis 21. Juni, Volkshaus Basel;
Africa Basel, 17. bis 21. Juni, Ackermannshof