Solch qualitätvolle Werke von der Antike bis zur Moderne gibt es sonst nur in den besten Museen – in Maastricht stehen diese Stücke zum Verkauf. Wir geben einen ersten Vorgeschmack auf die Tefaf, den Goldstandard der Kunstmessen
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10.03.2026
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Erschienen in
WELTKUNST Nr. 252
Erstaunlich, dass sich schon im 17. Jahrhundert die Herrscher an verschiedenen Enden der Welt mit denselben Fantastereien beschäftigten. Während Kaiser Karl V. ein silbernes Schiff wie von Geisterhand über die Tafel rollen ließ, träumten die Maharadschas in Indien von automatisierten Elefanten wie dem geschnitzten Exemplar, das der Londoner Islam- und Indien-Spezialist Kent für eine sechsstellige Summe auf der diesjährigen Tefaf zeigen wird. Ein Räderwerk im Bauch des fast zwei Meter hohen Dickhäuters lässt Schwanz und Ohren des Tiers wackeln und bringt den rechten Arm des Prinzen in Schwung. Der Automat aus Moghul-Zeiten ist nur ein Beispiel dafür, dass die Tefaf im März wieder die größte Bühne für die interessantesten Kunstwerke ist, die der Handel derzeit zu bieten hat. Kein zweites Mal gibt es das majestätisch elegante Vasenpaar aus der Porzellanmanufaktur Sèvres von 1844, das Steinitz aus Paris für rund eine halbe Million Euro anbietet. Die Blumen und Früchte sind so naturnah und samtfein gemalt, dass sie jeder Botaniker bestimmen könnte. Das Paar war ein Geschenk an Abbas Pascha, den Vizekönig von Ägypten, im Auftrag des französischen Königs Louis-Philippe.
Die Messe in Maastricht mit ihren rund 270 Ausstellern ist eine Tour de Force durch sieben Jahrtausende Kunstgeschichte. An einem Ende die Antiken, die uns mit ihrer ewigen Schönheit verführen. Klar und linear, aber voller Spannung hat im Athen des 6. Jahrhunderts vor Christus Acheloos, ein Meister der schwarzfigurigen Malerei, die Schauseiten zweier Amphoren mit athletischen Körpern von Sportlern und einem Streitwagen mit aufbäumenden Pferden dekoriert. Erinnerungsstücke für Wettkampfbesucher, meint der Basler Antikenhändler Jean-David Cahn, dessen Preisvorstellung für das Paar im hohen sechsstelligen Bereich liegt. Am anderen Ende des Parcours durch Epochen und Kulturen steht die Kunst der Nachkriegsmoderne. Minimalistisch, fast psychedelisch hat der New Yorker Frank Stella 1966 auf dem Gemälde „Cinema de Pepsi Sketch II (Red)“ die Farbfeldmalerei in eine strenge Ordnung gebracht. Das Werk bei Yares Art aus den USA gehört zu den Millionenexponaten der Messe. Dass die Kunst der Sechziger und Siebziger gerade einen Aufrieb erlebt, ist unbestreitbar. Auch die spanische Galerie Mayoral geht diesen Weg, im Zentrum ihrer Messeshow steht ein monumentaler, kantiger Lurrastein, der Chillidas Idee vom Gegenspiel der Kräfte folgt und zwei Millionen Euro kosten soll.
Nirgendwo ist die Dichte an hervorragenden, verfügbaren Altmeistergemälden so hoch wie in Maastricht. Diese Sektion war das Fundament, als die Tefaf 1988 startete, und sie bleibt trotz eines schmaler gewordenen Angebots ihr Leuchtturm. Die Spitzenhändler dieses Marktes fehlen nie. Rob Smeets (Genf) kann Guido Cagnaccis „Lesende Jungfrau“ aus dem frühen 17. Jahrhundert anbieten, bei dem sich leichte Erotik unter der Keuschheit verbirgt. Carlo Orsi, der 2016 Trinity Fine Art in London übernommen hat, demonstriert mit Orazio Gentileschis „Büßer Hieronymus“ von 1610 erneut seine Leidenschaft für Italien und die dramatischen Inszenierungen des Barocks. Ein Schaustück, das in seinem Detailrealismus und der Lichtführung besticht. Der Reigen der Meisterwerke lässt sich fortsetzen. De Jonckheere, Genfer Spezialist für flämische Landschaften, bietet für 900.000 Euro eine visionäre, von wilden Felsen eingefasste Hafenstadt von Herri met de Bles aus dem 16. Jahrhundert. In der typischen Manier der atmosphärischen Landschaft gemalt, verliert sich Ferne in immer hellerem Blau. Eine kunsthistorische Entdeckung bringen Caretto & Occhinegro aus Turin mit. Das figurenreiche Gemälde „Die Erscheinung des Heiligen Geistes“ vom Renaissancemaler Cousin dem Älteren von 1558 war einst Teil der Kartause von Vauvert bei Paris, die während der Französischen Revolution zerstört wurde. Bislang waren nur drei Tafeln aus Vauvert bekannt. Nummer vier soll nun rund eine halbe Million Euro kosten.