Solch qualitätvolle Werke von der Antike bis zur Moderne gibt es sonst nur in den besten Museen – in Maastricht stehen diese Stücke zum Verkauf. Wir geben einen ersten Vorgeschmack auf die Tefaf, den Goldstandard der Kunstmessen
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10.03.2026
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Erschienen in
WELTKUNST Nr. 252
Die Altmeister bleiben die große Konstante der Tefaf. Permanent im Fluss hingegen sind Moderne und Gegenwartskunst. „Wie jede Messe ist auch die Tefaf ein Seismograf des Marktes. Die Aussteller müssen die Interessen ihrer Sammler im Auge haben“, sagt Hidde van Seggelen, Galerist und bis vor Kurzem Chairman der Messe. Ein Erfolgsthema sind Künstlerinnen. Die Renaissancemalerin Lavinia Fontana, bei Colnaghi vertreten mit der aparten Ankleideszene im Boudoir einer Patrizierin, wurde schon immer bewundert. Dora Maar hingegen war vor allem als Picasso-Muse und surreale Fotografin akzeptiert. Nun zeigt die Pariser Galerie Boquet im Förderprogramm „Showcase“ ihre Zeichnungen und Gemälde, darunter ein 1936 entstandenes kubistisches Picasso-Porträt in Pastelltechnik. Es ist für 700.000 Euro zu haben. Für nicht ganz fünf Millionen Dollar bietet die Kunsthandlung M. S. Rau aus New Orleans zwei Werke der berühmtesten Impressionistinnen an: das Pastell „Mandolinenspielerin“ von Mary Cassatt und das Gemälde „Junge Frau mit Hund“ von Berthe Morisot. Die Galerie Pauline Pavec, ebenfalls in Paris ansässig, wirft ein Schlaglicht auf Künstlerinnen, die zwischen 1860 und 1960 tief in verschiedenen Avantgarde-Bewegungen verwurzelt waren und heute weitgehend vergessen sind. Werke der Impressionistin Marie Bracquemond, die zwischen 50.000 und 150.000 Euro kosten, gehören ebenso dazu wie die poetischen Szenen von Madeleine Dinès (6500 bis 15.000 Euro).
Das Paris der Zwanziger und Dreißiger wirkt auf die Moderne-Händler momentan wie ein tiefer See, aus dem mehr herauszuholen ist als Picasso, Braque oder Dalí. So fokussiert sich die Galerie Zlotowski auf den Delaunay-Zirkel und seine Rolle für die konstruktiv-abstrakte Kunst. Zwei Frauen spielen nicht nur Nebenrollen. Sonia Delaunays „Gruppe von drei Frauen“ in einem geometrischen Interieur kostet 120.000 Euro, Sophie Taeuber-Arps konstruktiver „Friedhof von Montmartre“, ebenfalls eine Gouache, 200.000 Euro.
Neue Fenster zu öffnen, heißt nicht, andere zu schließen. Die Tefaf ist vielfältig wie eh und je. So bezaubert Mestdagh aus Brüssel mit außereuropäischer Kunst. Die wie ein abstrahierter Körper geformte Kassena-Flöte aus Burkina Faso, die bei Fruchtbarkeitsriten gespielt wurde, ist mehr als ein Instrument – sie ist ein Artefakt. Derweil strahlt aus den kleinen Bildern der illuminierten Handschriften des Mittelalters beim Basler Antiquar Jörn Günther die große Aura der Buchkunst. Ein Höhepunkt ist das Croÿ-Arenberg-Stundenbuch, noch für heutige Augen wirkt der Bildausschnitt der heiligen Familie auf der Flucht nach Ägypten kühn und modern. Diese bibliophile Rarität, an deren Miniaturen zwischen 1508 und 1520 verschiedene Maler beteiligt waren, liegt preislich zwischen vier und fünf Millionen Schweizer Franken.
Großartige Kunst ist ein besonderes Lebenselixier – egal ob es sich um sensationelle Ohrringe von Van Cleef & Arpels bei Epoque Fine Jewels handelt oder um die detailreiche Darstellung einer Walfangexpedition um 1700. Adriaen van Salm hielt in nuancenreicher Grisaille-Technik die holländischen Koggen, die aufgetürmten Eisschollen und Walfänger fest: ein pittoreskes Zeugnis einer abenteuerlichen Profession, das Pelgrims de Bigard für 300.000 Euro anbietet. Exzeptionelles gibt es auf jedem Gebiet. Bei Kugel aus Paris ist es eine Arbeit des römischen Bildhauers Antonio Moglia. Um 1825/30 schuf er die imposante Leopardenfigur aus gelb geflecktem Marmor, Preis auf Anfrage. Trias Art Experts aus München gestaltet den ersten Maastrichter Auftritt in einer „Showcase“-Koje auf hohem Niveau. Hinter dem Namen steht ein junges Team aus zwei Händlern und einer Händlerin. Für 280.000 Euro bieten sie eine runde Luxusdose des Dresdner Hofgoldschmieds Johann Christian Neuber an. Wie ein Netz umfängt das goldene Gitterwerk rote Karneolplättchen und kleine Porzellanplaketten mit Rokokoszenen von Georg Johann Loening, wahrscheinlich ein Geschenk des Prinzen Xavier von Sachsen an seine zukünftige Gattin Maria Antonia.
Sein Tefaf-Debüt hat auch der Bamberger Kunsthandel Christian Eduard Franke. Hochwertiges europäisches Interieur, Silber aus Augsburg und Nürnberg sowie Objets d’art machen sein Profil aus. Ein Glanzpunkt ist für 84.000 Euro ein Eisenguss-Beistelltisch von 1810/15, dessen Platte als strahlenförmiges Mosaik verschiedenster römischer Marmorsorten gearbeitet ist. Deutsche Händlerinnen und Händler sind überhaupt sehr gut vertreten: Senger Bamberg mit gotischen Skulpturen, Langeloh mit einer Auswahl früher Meissner Porzellane, darunter eine muschelförmige Toilette-Dose von 1730 mit außergewöhnlichem Dekor im Stil japanischer Lackmalerei. Ludorff zeigt Max Liebermanns stimmungsvolle „Strandterrasse bei Noordwijk“ von 1913, der Preis beträgt 1,3 Millionen Euro. Mit 350.000 Euro in einer anderen Region liegt das Bronzewerk „Wicht“ von Thomas Schütte, einer der wichtigsten Bildhauer unserer Tage, präsentiert von Schönewald. Gute Aussichten also für die schönste und hochkarätigste Kunstmesse der Welt.
Tefaf,
MECC-Messehallen, Maastricht,
14. bis 19. März 2026