Various Others

Zwischen den Stühlen

Das experimentelle Format „Various Others“ geht in die dritte Runde: Gemeinsam mit internationalen Kollegen und hochkarätigen Institutionen veranstalten Müncher Galerien Ausstellungen mit Strahlkraft in der Isarstadt

Von Christiane Meixner
08.09.2020

Eine Ausstellung mit Michael Sailstorfer annonciert aktuell die König Galerie. In Berlin aber, wo Johann König mit der ehemaligen Kirche St. Agnes eine architektonische Ikone bespielt, sucht man die Arbeiten vergebens. Der Galerist zieht um, wenn auch nur temporär – und zwar in die schönen, repräsentativen Räume von Rüdiger Schöttle. In München ist „Various Others“-Zeit und Königs dortiger Pop-up-Auftritt nicht verwunderlich. Es gehört schließlich zum Konzept des noch jungen Events, dass Münchner Galerien internationale Kollegen einladen, um gemeinsam Ausstellungen mit Strahlkraft zu realisieren. Was aber doch erstaunt: Mit König, Sandy Brown, Peres Projects, Esther Schipper, Contemporary Fine Arts und Lars Friedrich finden diesmal ziemlich viele Galeristen aus der Hauptstadt den Weg in den Süden.

Die Gründe liegen auf der Hand. Mit dem Wegfall der Messe Berlin Contemporary fehlt im Herbst an der Spree eine wichtige Verkaufsplattform. Gleichzeitig verzichten diesmal mehrere Galerien aus dem Ausland wegen Corona auf ihre Teilnahme. Das schafft Platz in den Räumen von Nagel Draxler, Deborah Schamoni, Nir Altman, Christine Mayer oder Walter Storms, der in seinen Hallen selbst eine Doppelausstellung mit der Bildhauerin Katja Strunz und dem Konzeptkünstler Gerold Miller realisiert – beide in Berlin ansässige Künstler. 

Brenda Draney
Galeristin Deborah Schamoni teilt sich die Räume mit Sandy Brown aus Berlin und zeigt neue Werke von Brenda Draney. © Brenda Draney, Untitled, 2020, Courtesy of the artist and Deborah Schamoni

Vor allem aber zeigt diese Präsenz, wie wichtig die Münchner Szene mit ihren Sammlern und Galerien inzwischen ist – auch wenn sie leiser klappert als ihr Pendant an der Spree. Schon dass mit dem Lenbachhaus, der Villa Stuck, dem Museum Brandhorst oder dem Münchner Kunstverein diverse Institutionen seit der Premiere vor drei Jahren verlässlich an „Various Others“ teilnehmen, macht das experimentelle Format zu einem Erfolg: Hier zieht niemand eine Trennlinie zwischen dem Kunsthandel und der musealen Zone.

Stattdessen arbeiten alle gemeinsam daran, das kulturelle Kapital der Stadt nach draußen zu spiegeln. Sichtbar wird dies nicht zuletzt in der Qualität der Ausstellungen: So eröffnet im Kunstverein München am 11. September die Ausstellung „Not Working“ über künstlerische Produktion und soziale Klassen oder zeigt Galeristin Deborah Schamoni erstmals Gemälde der kanadischen Cree-Künstlerin Brenda Draney und lädt dazu die Berliner Galerie Sandy Brown, während bei Jahn und Jahn eine anspruchsvolle, vom Künstler Julius Heinemann kuratierte Schau zur Fragen der Malerei zu sehen ist: Beispiele liefern Werke von Marcel Broodthaers, Caragh Thuring und Troels Wörsel, die teils von zwei anderen Galerien aus London und Madrid zur Verfügung gestellt werden.

Flugzeugsessel aus Harzguss Rebecca Ackroyd Various Others
Die Flugzeugsessel aus Harzguss („signed lids (versengte Deckel)“) von Rebecca Ackroyd werden von Peres Projects, Berlin angeboten. © Rebecca Ackroyd, Lyon Biennale 2019, courtesy of the artist and Peres Projects, Berlin

So viel Aufwand betreibt nur, wer sich ordentlich Resonanz verspricht. In den vergangenen zwei Jahren hat „Various Others“, das von einer Gruppe um den jungen Galeristen Johannes Sperling und die Kuratorin Sarah Haugeneder gegründet wurde, genau dies garantiert. Die Veranstaltung aktuell schon etabliert zu nennen wäre sicher übertrieben. Und noch vermag angesichts Reisebeschränkungen und Covid-19-Auflagen niemand zu sagen, wie erfolgreich die kommenden Tage sein werden.

Dennoch wird „Various Others“ als innovatives, in die Zukunft weisendes Modell konstruktiver Kooperation aufmerksam beobachtet. Selbst von ungleich größeren Kollegen: „Als Galerie waren wir in den letzten Jahren auf vielen Messen im Ausland“, sagt etwa Esther Schipper, „aber Messeaufenthalte sind immer von kurzer Dauer und die Verbindungen zu den jeweiligen Städten eher flüchtig. Ich mag solche persönlicheren und längeren Formate und freue mich auf München.“

Service

MESSE

Die „Various Others“ findet vom 9. September bis zum 11. Oktober in diversen Galerien in München statt.