09.06.2020 Christiane Meixner

Was wird aus der Art Basel?

Mit der Absage der Art Basel verzichtet die Messe schon auf ihr zweites großes Event in diesem Jahr – und auch der Auftritt in Miami Beach ist noch lange nicht gesetzt. Was dies für die wichtigste Kunstmesse der Welt bedeutet

Die Art Basel ist sicher nicht die letzte Messe, die sich den Einschränkungen der aktuellen Pandemie beugen muss. Wer immer dieses Jahr seinen Auftritt nach der Maastrichter Tefaf hatte, die im März wegen Corona fünf Tage früher als geplant schließen musste, der konnte bloß noch verschieben. Schon in der Anfangszeit von Covid-19 traf es die Art Basel, Europas wichtigste Plattform für Kunst der Moderne bis ins 21. Jahrhundert, hart. Ihr wichtiger asiatischer Ableger sollte in der zweiten Märzhälfte stattfinden. Dann wurde Hongkong ersatzlos gestrichen und die traditionelle Basler Muttermesse nach einigem Zögern auf den Herbst verlegt.

Doch nun ist auch dieses Datum obsolet. Die Art Basel findet ebenfalls nicht statt, und der dritte Termin im Messekalender der Schweizer, Miami Beach Anfang Dezember, ist alles andere als gesetzt. Auch wenn sich die Messeleitung noch nicht äußert: Niemand weiß, wie die Ein- und Ausreise zwischen Ländern und Staaten in ein paar Monaten funktionieren. Solche Unwägbarkeiten werden viele Galeristen von den Risiken abhalten, die sich mit einem teuren Messeauftritt verbinden.

 

Koje der Galleria Massimo Minini im Jahr 2019, Art Basel, Courtesy Art Basel, © Art Basel
Koje der Galleria Massimo Minini im Jahr 2019, Art Basel, Courtesy Art Basel, © Art Basel

Drei Absagen als Worst-Case-Szenario

Im schlimmsten Fall hat die Art Basel dann drei Absagen zu verkraften. Nicht eine wie die Paris Photo oder zwei, wie sie die Veranstalter der Frieze in London und New York voraussichtlich erwarten. Der gesamte Apparat um Art-Basel-Direktor Mac Spiegler dreht sich ein Jahr lang im Leerlauf. Online-Viewing-Rooms, wie sie für Hongkong kurzfristig eingerichtet wurden, können die finanziellen Ausfälle nicht annähernd ausgleichen. Allein auf der Website der Art Basel werden gut hundert wichtige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter genannt – von den Direktoren über das Management Board bis zu den unzähligen Kommunikatoren. Insgesamt 227 Namen sind im Online-Netzwerk LinkedIn mit der Messe als Arbeitgeber verknüpft. Zahlen, die anschaulich machen, welche Einnahmen Spiegler jedes Jahr mit den drei Messen verbuchen muss, um erfolgreich zu sein.

Aktienwerte der MCH Group sinken

Ausfälle wären eigentlich ein Thema für die MCH Group. Die Schweizer Messegesellschaft galt lange als potenter Organisator diverser Veranstaltungen, zu denen die Art Basel ebenso gehört wie die Baselworld als Adresse der größten und feinsten Uhrenhersteller. Bis diese sich mit Blick auf die Standmieten in den Messehallen und den exorbitanten Basler Restaurant- und Hotelkosten als cashcow missbraucht fühlten und einige 2019 der Messe ihr Vertrauen entzogen. Das Gerangel um die Kostenübernahme nach Absage wegen Corona ließ die Baselworld implodieren. Eine Entwicklung, die auch an den Aktien der MCH Group abzulesen ist: Ihr Wert sank in den vergangenen Jahren von 80 Franken auf nicht einmal ein Viertel des ursprünglichen Wertes.

So gesellt sich zur Krise der Art Basel eine zweite der Basler Messegesellschaft. Finanzielle Hilfen sind nicht in Sicht, im Gegenteil generierte die Kunstmesse ihrerseits in den vergangenen Jahren wichtige Umsätze für die MCH Group. Wird im Dezember nun auch Miami abgesagt, ist 2020 für beide ein verlorenes Jahr. Und was 2021 kommt, ist ebenfalls noch nicht klar.

Steht das Ende der Art Basel Hongkong bevor?

Dass Basel sich vor sieben Jahren für Hongkong als starken Kunsthandelsplatz in Asien entschied, hatte nicht zuletzt mit der einzigartigen politischen Situation zu tun. Wie sich die ehemalige Kronkolonie nun aber entwickelt, wenn Chinas Führung lange vor 2047 den Status der Sonderverwaltungszone aufweicht, indem es unter anderem sein neues „Sicherheitsgesetz“ installiert, ist nicht absehbar. Wohl aber, dass es die Privilegien an diesem international vernetzten Finanzplatz bald nicht mehr gibt. Festlandchina steht für Zensur, die internationale Klientel wird nicht mehr problemlos einreisen können; ebenso wenig wie die Galerien. Haben wir 2019 also vielleicht die letzte Ausgabe der Art Basel in Hongkong erlebt? Wäre das der Fall, dann erodiert die global erfolgreichste Messe nach einem halben Jahrhundert ewigen Erfolges in geradezu unheimlichem Tempo.