Kunsthandel

Kunstmessen: Chancen für die Kleinen?

Der Corona-Krise trotzen: Nach vielen Absagen und Verschiebungen finden im Spätsommer wieder die ersten Kunstmessen statt. Kleinere Formate wie die Art & Antique in Salzburg sind nun im Vorteil

Von Christiane Meixner
30.07.2020

„Ein Zeichen setzen“ möchte die Messe Art & Antique, wenn sie im August in den Residenzhof Salzburg einlädt. Mit allen Abstandsregeln, die Corona derzeit fordert. Dass die Veranstaltung in den vergangenen fünf Jahren stets „klein und familiär“ war, wie es Geschäftsführerin Alexandra Graski-Hoffmann formuliert, kommt ihr nun zugute. Dank dieser Größe bewegen sich die Maßnahmen im überschaubaren Bereich. „In unserem klimatisierten Zelt können wir alle Vorsichtsmaßnahmen gut organisieren“, verspricht Graski-Hoffmann. Und für die zehn Teilnehmer, zu denen unter anderem Kohlhammer & Mahringer (Wien), Pintar (Salzburg) oder Runge Kunsthandel (Eferding) zählen, resultieren aus dem neuen, erforderlichen Freiraum als angenehme Konsequenz größere Stände, an denen sie ihre Schätze präsentieren können.

Die Galerie RK Contemporary aus Südafrika zeigt auf der Positions das Bild »Jacket Catcher«, 2019, von Bastiaan van Stenis (© Courtesy of RK Contemporary & the artist)
Die Galerie RK Contemporary aus Südafrika zeigt auf der Positions das Bild »Jacket Catcher«, 2019, von Bastiaan van Stenis (© Courtesy of RK Contemporary & the artist)

Den Ausschlag für die Entscheidung, als einer der ersten Veranstalter das Messe­geschehen wieder aufleben zu lassen, gaben zum einen die Salzburger Festspiele. Auch sie haben sich für eine kleine Ausgabe ihres jährlichen Events entschieden. Dieses Bekenntnis zur Stadt als „wunderschöne sommerliche Destination“ greift nun die Art & Antique auf; zumal die Kunsthändler sie durchweg dazu ermutigt hätten. „Wir mussten niemanden überreden“, resümiert Graski-Hoffmann. Für den Handel seien Messen nun einmal enorm wichtig, das zeigte der Frust nach den vielen Absagen und Verschiebungen der jüngsten Vergangenheit. „Nur Angst und Zurückhaltung, das funktioniert nicht. Wir brauchen eine Perspektive!“

Vorreiter war die London Art Week

Mit ihrem Vorstoß steht Graski-Hoffmann nicht allein. Die Bereitschaft, Covid-19 zu trotzen, formiert sich gerade an einigen Orten. Vorreiter war Anfang Juli die Londoner Art Week: Ihr traditionelles Konzept, in den Galerien selbst stattzufinden, ließ sich allerdings weit besser organisieren als eine umfangreiche Veranstaltung mit Dutzenden von Teilnehmern unter einem Dach. Daran arbeitet momentan jedoch die Messe Positions. Sie steht im Zentrum der jährlichen Berlin Art Week und wird – nach den vorangegangenen Absagen ihrer kleineren Ausgaben der Paper Positions – mit allen notwendigen Vorkehrungen stattfinden. Dafür hat Heinrich Carstens als einer von zwei Initiatoren mit vielen Galeristen gesprochen und stieß auf alle Facetten möglicher Reaktionen: „Von der Angst vor dem Virus bis zur enthusiastischen Zusage.“

Über hundert Aussteller werden sich nun im September auf zwei Hangars des ehemaligen Flughafens Tempelhof verteilen. Vorwiegend aus Europa, aber auch internationale Galerien haben sich angekündigt. Mit der Photo Basel, die für gewöhnlich parallel zur Art Basel stattfindet, diesmal allerdings auf Einladung der Positions mit rund 20 Ausstellern in Berlin gastiert, erweitert sich das Spektrum noch einmal um aktuelle Positionen der Fotokunst. Eine Entscheidung mit Konsequenzen. Denn auch die Liste, seit vielen Jahren die spannendste Parallel-Messe während der Art Basel, hat sich für die Durchführung ihrer Ausgabe 2020 entschieden. Ebenfalls im September, mit verkürzter Laufzeit und geringerer Teilnehmerzahl. Die Photo Basel wäre eine gute Ergänzung gewesen. Ihre temporäre Abwanderung nach Berlin wird es Liste-Leiterin Joanna Kamm nicht eben leicht machen, den Herbst allein in Basel zu meistern.

Service

MESSETERMINE

Art & Antique, Salzburg, 8. bis 16. August

Positions Berlin, 10. bis 13. September

Liste Art Fair Basel, 17. bis 20. September

Service

DIESER BEITRAG ERSCHIEN IN

Weltkunst Nr. 174 / 2020