Kunsthandel

Art Karlsruhe: Alles, nur kein Tunnelblick

Die Art Karlsruhe wartet vom 13. bis 16. Februar mit Newcomern und großen Namen auf. Das Herz der Messe bildet traditionell die klassische Moderne

Von Gerd Presler
31.01.2020

Allein die Zahlen beeindrucken: 215 Galerien aus 15 Ländern hat der Beirat der Art Karlsruhe in diesem Jahr zugelassen. Programmatisch ist es das Ziel, nationale und internationale Kunst der vergangenen 120 Jahre – von der klassischen Moderne bis in die Gegenwart – zu versammeln. Britta Wirtz, Geschäftsführerin der Messe, und Kurator Ewald Karl Schrade haben das Konzept immer wieder mit Blick auf die Besucher optimiert. Aktuell rückt deshalb das Thema Skulptur noch einmal stärker in den Fokus: Zu den längst etablierten „Skulpturenplätzen“ in den Ausstellungshallen gesellt sich im Atrium nun ein „Skulpturengarten“. Schrade spricht vom „Festival des Dreidimensionalen“ und verweist dabei auch auf den jährlichen, mit 20 000 Euro dotierten Wilhelm-Loth-Skulpturenpreis, der an den Bildhauer, Akademieprofessor, Documenta-Teilnehmer und Präsidenten des Deutschen Künstlerbundes erinnert.

Ramazan Can,Tekerlekli san-değneği, 2019, bei Galerie Anna Laudel, Foto: Galerie Anna Laudel
Ramazan Can,Tekerlekli san-değneği, 2019, bei Galerie Anna Laudel, Foto: Galerie Anna Laudel

Sonderausstellung mit Grafiken

Ein weiterer Anziehungspunkt ist die Sonderausstellung mit Werken aus Privatsammlungen. In der Vergangenheit waren hier Erwerbungen etwa von Gunter Sachs, Frieder Burda oder Harald Falckenberg zu sehen. Diesmal gewährt mit Hans-Peter Haas ein Virtuose für künstlerische Drucktechniken Einblick in seine über 60 Jahre gewachsene Sammlung „Von Ackermann bis Vasarely“. Der 1935 Geborene, der bei Luitpold Domberger sein Handwerk erlernte, ist laut Heinz Mack „der Künstler unter den Druckern“. Vollendete Editionen für Niki de Saint Phalle, Roy Lichtenstein oder Günter Fruhtrunk waren in der Vergangenheit das Ergebnis. Passend zu dieser Sonderschau präsentiert sich das grafische Angebot der Art Karlsruhe überaus breit. Knapp 40 Galerien bieten an, was gut und günstig von Künstlern wie Horst Antes, Andy Warhol, Georg Baselitz, Marc Chagall und Günther Uecker im Angebot ist.

Neue Landschaftsfotografie

Einen weiteren Akzent legt die Messe auf Fotografisches. Vertreten waren von Anfang an die klassischen Sparten Reportage, Porträt, Akt, Architektur und Landschaft, immer wieder mit Künstlern der ersten Reihe: August Sander, Albert Renger-Patzsch, Bernd und Hilla Becher, Andreas Gursky, Candida Höfer. 23 Galerien bieten diesmal auch Arbeiten einer jüngeren Generation. Hier fallen etwa die weiten Landschaften des Schweizer Fotografen Dierk Maass (Brouwer Edition, Darmstadt) ins Auge. Er sucht die entlegenen Orte unseres Planeten auf, macht (sich) ein Bild von der Unberührtheit einer kostbaren Landschaft. Der Titel seiner Fotografien ergibt sich aus den GPS-Koordinaten des Standortes, an dem die Aufnahme entstand.

Klassische Moderne bleibt im Fokus

Kunst des frühen 20. Jahrhundert bildete immer schon das Herz der Messe. Die klassische Moderne ist auch diesmal an zahlreichen Ständen vertreten. Werke der „Brücke“-Künstler findet man bei der Galerie Ludorff (Düsseldorf), der Hamburger Kunsthandel Rotermund präsentiert Arbeiten von Franz Marc und August Macke. Oskar Schlemmer, Max Ernst und Paul Klee begegnet man bei Schwarzer (Düsseldorf), von Sylt reist Rudolf mit Namen wie Otto Dix und Pablo Picasso an. Fast 60 Galerien feiern den stilistischen Pluralismus und die schöpferische Vielfalt nach 1945. Reich ist das Angebot bei Galerien wie Nothelfer aus Berlin, die Walter Stöhrer eine Soloschau widmet. Luzán zeigt Max Ackermann und Willi Baumeister. Bei Raphael (Frankfurt/Main) hängen Werke von Sam Francis, bei MDA (Helsingborg) trifft man auf Antonio Saura und Mark Tobey. Franz Swetec aus Düsseldorf setzt auf Mack und Uecker, die Kölner Galerie Klaus Benden bringt mit Robert Indiana, Edward Kienholz oder Robert Rauschenberg internationale Namen zur Art Karlsruhe.

Am Stand der Galerie GNG: „Tube
Am Stand der Galerie GNG: „Tube" von 2019, eine Granitskulptur des französischen Martin Hollebecq, Foto: Isabelle Hollebecq, Galerie GNG

Aktuelles auf globalem Niveau stellen nicht weniger als 138 Galerien vor, darunter je sieben aus Frankreich und Italien, vier aus der Schweiz. Viele der Galeristen widmen ihren neuen, oft jungen Talenten „One Artist Shows“, um ihnen eine angemessene Plattform zu geben – und Sammlern die Möglichkeit, sich ganz auf dieses künstlerische Werk zu konzentrierten.

Service

Messe

Art Karlsruhe

Messe Karlsruhe
13. bis 16. Fe­bruar
art-karlsruhe.de

Dieser Beitrag erschien in

WELTKUNST Nr. 167/2020