23.09.2019 Stefan Kobel

Entlang der Donau

Die Wiener Messe Viennacontemporary startet mit neuer Direktorin

Die Wiener Messe für Gegenwartskunst ist geübt in Neuanfängen. Früher hieß sie Viennafair und gehörte zum Messekonzern Reed, der unter anderem die Fiac in Paris veranstaltet. Dann übernahm sie ein russischer Investor, wenig später zog sie aus den Messehallen und mit neuem Namen in die historische Marx Halle. Diesmal geht sie mit ihrer neuen künstlerischen Direktorin Johanna Chromik an den Start.

Ludmila Hrachovinová, Plurality of the Views, 2019, bei Knoll Galerie, Foto: Knoll Galerie
Ludmila Hrachovinová, Plurality of the Views, 2019, bei Knoll Galerie, Foto: Knoll Galerie

Auch die anfängliche Teilnehmerliste vom Juni mit 97 Galerien hat sich noch einmal verändert und ist auf 108 angewachsen. Was sich wohl nicht zuletzt Chromik verdankt. In ihrer Person verdichtet sich das Programm der Viennacontemporary: Sie ist gebürtige Polin und hat die meisten ihrer bisherigen beruflichen Stationen in Berlin absolviert, unter anderem in den Galerien Johann König und KOW.

Der Messeherbst hält die Galerien auf Trab

Traditionell liegt der Fokus in Wien auf Ost- und Südosteuropa. Das spiegelt sich in der Herkunft der Aussteller wider: Jeweils rund 40 Galerien stammen aus Österreich und der Schwerpunktregion. Die Beziehung zu Deutschland ist aus terminlichen Gründen immer etwas kompliziert. Zwar überschneiden sich die Kunstmessen in Berlin und Wien diesmal ausnahmsweise nicht. Doch zwei kurze Wochen Distanz zwischen beiden Veranstaltungen und dazu die Frieze London in der ersten Oktoberwoche: Das ist für viele Galerien immer noch zu viel. Die Viennacontemporay listet deshalb überschaubare elf Berliner auf, darunter Feldbusch Wiesner Rudolph, Nome, Michael Schultz, KOW und Sexauer. Bei den deutschen Sammlern ist die Messe hingegen beliebt, gibt sie doch einen Überblick über die Nachbarn aus dem Osten und Südosten, was diesen Messeplatz einzigartig macht. Zudem tritt die starke einheimische Kollegenschaft fast geschlossen an. 

Daniel Lergon, Untitled, 2019, bei Galerie Crone Wien, Foto: Courtesy Galerie Crone Wien
Daniel Lergon, Untitled, 2019, bei Galerie Crone Wien, Foto: Courtesy Galerie Crone Wien

Der Nachwuchs stellt sich vor

In der Szene ist Bewegung, viele neue Galerien haben in jüngster Zeit eröffnet, und hier zeigen sie ihr Programm: Gianni Manhattan, Lisa Kandlhofer, Sophie Tappeiner und Zeller van Almsick sind die bekanntesten unter ihnen. In der kuratierten Zone der Messe werden zehn junge Künstler mit Wienbezug präsentiert, im Sektor Focus, der sich der Zeit von 1945 bis 1980 widmet, hat die Gruppe „Neue Slowenische Kunst“ ihren Auftritt. Parallel zur Viennacontemporary findet in den Galerien das Format „curated by“ statt, das externen Kuratoren freie Hand für Ausstellungen gibt. Und dann eröffnet noch die Vienna Design Week.

Slaven Tolj, Food for Survival, 1993, Fotografie, Dokumentation einer Performance, bei Galerie Miachaela Stock, Courtesy of the artist and galerie michaela stock, Foto: Sakari Viika
Slaven Tolj, Food for Survival, 1993, Fotografie, Dokumentation einer Performance, bei Galerie Miachaela Stock, Courtesy of the artist and galerie michaela stock, Foto: Sakari Viika

Service

Messe

Viennacontemporary

26. bis 29. September
Marx Halle Wien
viennacontemporary.at

Dieser Beitrag erschien in

WELTKUNST Nr. 161/2019