22.08.2019 Sebastian Preuss

Mit Konsequenz und Konzept

Dorothea van der Koelen feiert in Mainz das 40-jährige Bestehen ihrer Galerie 

Sie war weit und breit die Jüngste, als sie mit neunzehn ihre Galerie gründete. Der geflochtene lange Zopf war ihr Markenzeichen, den trägt sie bis heute. Dorothea van der Koelen, als Tochter eines Architekten und einer Künstlerin in Mainz aufgewachsen, wollte Kunstgeschichte studieren, aber das reichte ihr nicht. So begann sie in ihrem Elternhaus, einem schönen modernistischen Bau aus Beton und Ziegelsteinen, mit Künstlern aus der Region Ausstellungen zu machen. In Nebenjobs hatte sie sich parallel zur Abiturvorbereitung das nötige Startkapital erarbeitet.

Turi Simeti, „11 ovali gialli“, 2017, Foto: © Archiv Chorus-Verlag/Galerie Dorothea van der Koelen
Turi Simeti, „11 ovali gialli“, 2017, Foto: © Archiv Chorus-Verlag/Galerie Dorothea van der Koelen

Studium neben dem Galeriebetrieb

Ein Gefühl für Qualitäten brachte sie mit. „Aber ich hatte überhaupt keine Ahnung, wie man einen Betrieb führt“, erzählt van der Koelen heute lachend. Das hat sie bald in der Praxis gelernt und dank erfahrener Mentoren wie dem Schweizer Galeristen, Verleger und Editeur Franz Larese. Unglaublich, aber wahr: Schon 1981 nahm sie erstmals an der Art Basel teil. Parallel besuchte sie an der Mainzer Universität Kunstgeschichtsvorlesungen und Seminare zu Philosophie und Logik. Das hat viele beeindruckt, denn hier war eine junge Frau, mit der man über die kompliziertesten geistigen Probleme debattieren konnte. Über ästhetische Fragen sowieso, da hatte Dorothea van der Koelen immer klare Vorstellungen. Ihr Galerieprogramm ist entsprechend konsequent: konzeptuelle Ansätze, konkrete Kunst, Zero und Minimalismus.

Die Netzwerkerin

Nach und nach lernte sie in den Achtzigern die Künstler kennen, mit denen die Galerie immer bekannter und erfolgreich wurde: die Zero-Protagonisten Turi Simeti und Günther Uecker, dessen erste Ausstellung bei ihr 1987 van der Koelen in ein neues Preissgement katapultierte. Hinzu kamen der informelle Maler Raimund Girke und der Schweizer Konkrete Gottfried Honegger, der für seine Interventionen berühmte Daniel Buren, François Morellet mit komplex errechneten Bild- und Neonkonstruktionen, aber auch der Österreicher Heinz Gappmayr mit seinen konkreten und visuellen Poesien, über den van der Koelen ihre Dissertation schrieb. Mit dem baskischen Bildhauer Eduardo Chillida realisierte sie dann erstmals Millionenprojekte wie eine große Stadtskulptur für Trier. Daneben förderte sie jüngere Künstler und vermittelte das Werk ihrer Mutter Lore Bert.

Dorothea van der Koelen mit Zero-Künstler Turi Simeti, den sie erstmals 1985 in Mainz zeigte, Foto: © Archiv Chorus-Verlag/Galerie Dorothea van der Koelen
Dorothea van der Koelen mit Zero-Künstler Turi Simeti, den sie erstmals 1985 in Mainz zeigte, Foto: © Archiv Chorus-Verlag/Galerie Dorothea van der Koelen

Auf den Messen stechen van der Koelens Stände in ihrer Konsequenz immer hervor. Beliebt wurden ihre Editionen, die bekannte Künstler auch für den kleineren Geldbeutel erschwinglich machten. In ihrem eigenen Verlag gibt sie Kataloge und Werkverzeichnisse heraus. Daneben ging van der Koelen für aufwendige Werke immer wieder an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Mit Buren etwa produzierte sie große Installationen, zuletzt 2011 einen suggestiven Farbraum. So kam eines zum anderen, etwa die Organisation von Museumsausstellungen in aller Welt.

Lebensträume werden war

Ohne Verkäufe geht das natürlich nicht, doch immer mehr Sammler vertrauten ihr. Etwa Reinhold Würth, der rund 200 Werke in der Galerie erwarb. So konnte sich van der Koelen 2001 mit der Eröffnung einer Dependance in Venedig einen Traum erfüllen, zwei Jahre später eine Stiftung zur Förderung von Kunst und Wissenschaft gründen und 2014 ihren größten Wunsch realisieren: den Bau des Kunstzentrums Cadoro in Mainz, wo sie alle ihre Aktivitäten bündelt. Hier wird am 18. August mit der Eröffnung einer Jubiläumsschau groß gefeiert. 

Service

Ausstellung

„40 Jahre Galerie Dr. Dorothea van der Koelen“

Cadoro, Mainz
ab 18. August

Dieser Beitrag erschien in

WELTKUNST Nr. 160/2019