Im Juni freuen wir uns auf Claude Monets Küstenbilder in Frankfurt, bestaunen Porträts von Anthonis van Dyck in Genua und entdecken die surrealen Welten von Leonora Carrington in Paris
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01.06.2026
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Erschienen in
WELTKUNST Nr. 256
Städtische Galerie, Dresden, bis 27. September
Ein sonnendurchfluteter Birkenweg am Anwesen Hellergut, gemalt im Jahr 1930. Ein wolkenverhangener Tag am Ufer des Flusses Kleine Elster, verewigt 1927. In Otto Altenkirchs Pleinair-Malereien lassen sich die sächsischen und brandenburgischen Landschaften entdecken. Es mag an seinem Rückzug in die Provinz liegen, dass dieser späte Impressionist nach seinem Tod 1945 in Vergessenheit geriet. Die ungebrochene Kraft seiner Farben macht die Wiederentdeckung in Dresden umso eindrucksvoller.
Kunstmuseum Basel, bis 23. August
Bei ihrer Kunst war alles im Fluss: Helen Frankenthaler hatte 1952 den Geistesblitz, ihre Bilder nicht mehr zu malen, sondern zu gießen – indem sie stark verdünnte Ölfarbe in unbehandelte Leinwände einsickern ließ und diesen Strom mit Bürsten und Schwämmen zu bändigen suchte. Die Werkschau in Basel zeigt nun eindrucksvolle Bilder dieser Phase wie „Open Wall“ (1953). Doch auch weniger bekannte Seiten der Künstlerin sind reizvoll, etwa ihre Werke der Siebzigerjahre, die die Linie stärker betonen. Oder ihre „Paraphrasen“ der Achtzigerjahre, bei denen sie zum Beispiel ein Manet-Stillleben in eine Komposition farbiger Schemen abstrahierte.
Palazzo Ducale, Genua, bis 19. Juli
Kurz nach 1620 bot Genua für den jungen flämischen Maler Anthonis van Dyck ideale Bedingungen. Von hier aus ließen sich die anderen italienischen Städte leicht erreichen, in denen der 22-Jährige die Werke seiner Vorbilder studieren wollte. Und es gab eine wohlhabende Patrizierschicht, mit der er seine Porträtkunst verfeinern konnte. An Van Dycks vier Jahre in der ligurischen Hafenstadt erinnert diese Schau mit meisterlichen Menschendarstellungen wie „Studie für das Porträt einer Genuesin“ (1623–1624). Unter den rund 50 gezeigten Gemälden sind aber auch Werke anderer Schaffensphasen wie „Samson and Delilah“ (1618–1620), ausgeliehen von der Londoner Dulwich Picture Gallery.
Georg Kolbe Museum, Berlin, bis 26. Juli
Dass sich der Zauber der Kunst nicht in Worte fassen lässt, war Marlow Moss bewusst. In Katalogsprache betitelte sie ihre Skulptur „Balanced Forms in Gunmetal on Cornish Granite“ (1956–1957), deren inneres Spannungsverhältnis von Körpern und Oberflächen – das spiegelnde Metall, der matte Stein – für endlose Faszination und Spekulation sorgt. Ein Jeff-Koons-Werk sieht alt dagegen aus. Aber der ist ja auch nicht eingeladen zur Dialogschau von vier zeitgenössischen Künstlerinnen und dieser Meisterin des britischen Konstruktivismus.
Musée du Luxembourg, Paris, bis 19. Juli
Zum Glück ist heute fast jedem klar, dass die große Kunstströmung des Surrealismus keine reine Männersache war. Eine dieser endlich beachteten Surrealistinnen ist Leonora Carrington. Schon die Kunstbiennale in Venedig 2022 würdigte sie im Titel der Hauptausstellung, aber nun hat man in Paris die Gelegenheit, ihr Werk in aller Breite zu bewundern. Die erste Überblicksschau in Frankreich, von wo Carrington 1940 nach der Besatzung durch die Nazis fliehen musste, zeigt nicht nur ihre wahrhaft fantastischen Gemälde voller Träume und Mythen („Der Gute König Dagobert (Elk Horn)“, 1948). Die Ausstellung gibt mit vielen Fotos auch berührende Einblicke in ihr bewegtes Leben, das sie vom englischen Lancashire bis nach Mexiko führte.
Städel Museum, Frankfurt, bis 5. Juli
Ihre Verwendung als Schauplatz in der Netflix-Serie „Lupin“ hat den Hype nur weiter befeuert, aber nicht erfunden: Denn die Kreidefelsen von Étretat verzücken schon seit Langem. Claude Monet zum Beispiel malte „Die Manneporte“ 1885/1886 in seinem leichthändig-sonnigen Impressionismus. Selbst wenn das Städel dem Namensgeber seiner Ausstellung nun mit gleich 24 grandiosen Küstenansichten den größten Platz einräumt, wird klar, dass Monet nicht der erste Maler in Étretat war: Bei romantischen Naturen wie Eugène Delacroix (um 1840) und Eugène Le Poittevin (1856) ragen die Felsen ebenfalls im Bild auf, stilistisch anders, aber nicht minder eindrucksvoll.