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Die besten Ausstellungen 2026: Teil 2

Im Jahr 2026 locken die Museen wieder mit zahlreichen großartigen Ausstellungen. Wir zeigen, was Sie nicht verpassen sollten. Teil 2: April bis Juni

Von Tim Ackermann
23.12.2025

April

Marcel Duchamp

Museum of Modern Art, New York, vom 12.4. bis 22.8.

Überfigur Duchamp. Schon viel wurde gesagt über diesen Künstler, dessen Wirken die Kunstgeschichte wie mit der Kreissäge in ein Davor und ein Danach zerschnitt. Jetzt gibt es endlich wieder Duchamp zum Anschauen: Die erste Retrospektive in den USA seit 53 Jahren bietet im MoMA eine Hitparade, vom kubistischen Bild „Nude Descending a Staircase, No.2“ über die Schnurrbart-Mona-Lisa bis zu originalen Readymades. Die zweite Station in Philadelphia zeigt ab 10. Oktober auch noch das „Große Glas“. Bombastisch!

Humor hatte Marcel Duchamp mehr als genug. Welch tieferer Sinn sich hinter seinen Insiderwitzen wie „Fountain“ (1950) verbirgt, lässt sich ab April in seiner Retrospektive in New York erkennen.
Humor hatte Marcel Duchamp mehr als genug. Welch tieferer Sinn sich hinter seinen Insiderwitzen wie „Fountain“ (1950) verbirgt, lässt sich ab April in seiner Retrospektive in New York erkennen. © Association Marcel Duchamp/VG Bild-Kunst, Bonn 2025/Philadelphia Museum of Art

Zweimal Deutschland um 1980

Museum Ludwig, Köln, vom 18.4. bis 11.10.

Anfang der Achtzigerjahre geriet der Kalte Krieg in seine frostigste Phase. Gleichzeitig schien das Leben in den beiden deutschen Staaten zu stagnieren. Das Museum Ludwig fokussiert auf diesen Moment des angespannten Atemanhaltens und präsentiert Alltagseindrücke aus der BRD und der DDR von dokumentarischen Fotokünstlern wie Derek Bennett, Ute Mahler oder Evelyn Richter. Die kleine Schau zeigt Gemeinsamkeiten über Grenzen hinweg auf. 

Derek Bennett begegnete 1978 dem „Public park guard, Düsseldorf“ und seinem wachsamen Schäferhund. Das Museum Ludwig erinnert an die angespannte Zeit des Kalten Kriegs.
Derek Bennett begegnete 1978 dem „Public park guard, Düsseldorf“ und seinem wachsamen Schäferhund. Das Museum Ludwig erinnert an die angespannte Zeit des Kalten Kriegs. © Ruth Bennett/Historisches Archiv mit Rheinischem Bildarchiv

Mai

Nanne Meyer

Staatliche Kunsthalle, Karlsruhe, vom 9.5. bis 2.8.

Als ewiger Geheimtipp wird diese Künstlerin hoffentlich nicht in die Annalen eingehen. Denn die 72-jährige Nanne Meyer schafft seit vier Dekaden wundervolle, manchmal konzeptuelle, oft humorvolle Zeichnungen. Nicht selten nutzt sie dabei alte Landkarten als Untergrund für ihre Bilder. „Pläne für gezieltes Umherirren“ lautet der Titel ihrer großen Schau in Karlsruhe mit über 300 Werken. Wir folgen diesem Ruf gerne!

Ein Ferngespräch

Lenbachhaus, München, vom 12.5. bis 27.9.

Trotz der zeitlichen Distanz erscheinen uns die vielfarbigen Zwanzigerjahre sehr nah: Das Lenbachhaus sucht den titelgebenden Dialog ohne Theorieüberbau und mit Blick auf die Zeugniskraft der großen Kunstwerke – wenn etwa Rudolf Schlichter den Dramatiker Bertolt Brecht verewigt oder Käte Hoch sich selbst als feministische Aktivistin.

Rudolf Schlichter porträtierte um 1926 Bertolt Brecht so einfühlsam, dass er auf uns vertraut wie ein Thekenkumpel wirkt. Im Lenbachhaus spüren wir, wie nahe uns die 1920er-Jahre noch sind.
Rudolf Schlichter porträtierte um 1926 Bertolt Brecht so einfühlsam, dass er auf uns vertraut wie ein Thekenkumpel wirkt. Im Lenbachhaus spüren wir, wie nahe uns die 1920er-Jahre noch sind. © Viola Roehr v. Alvensleben, München

Prikker / Talbot

Kunstmuseen Krefeld, vom 17.5. bis 24.1.2027

Wenn Emma Talbots frei hängende Bilder aus bemalter Seide durch einen Luftzug ins Vibrieren geraten, geht von ihren fantasievollen Szenen ein besonderer Zauber aus. Die 1969 geborene Engländerin wirkt ihre Magie im Kaiser-Wilhelm-Museum vor dem Wandgemälde-Zyklus „Lebensalter“ von Johan Thorn Prikker (1868–1932). Flankiert wird dieses Ereignis durch eine Werkschau des Niederländers, der zwischen Jugendstil und geometrischer Form schwebte und wunderschöne Glasfenster, Mosaike und Gemälde schuf.

Emma Talbot
„A Journey You Take Alone“, Detail, 2023. © Emma Talbot/Rolf K. Wegs

Cassirer

Alte Nationalgalerie, Berlin, vom 22.5. bis 27.9.

Vor 100 Jahren, am 7. Januar des Jahres 1926, verstarb der große Paul Cassirer. Die Alte Nationalgalerie richtet ein Jubiläumsfest für den Berliner Kunsthändler und Verleger aus, der dem muffigen Kaiserreich die nötige Portion französischen Esprit einimpfte: Die Impressionisten, van Gogh und Cézanne – viele sahen das erstmals in Cassirers 1898 gegründeter „Kunst- und Verlagsanstalt“. Über 100 Bilder ehren ab Mai ein formidables Lebenswerk.

Hier geht es weiter zu Teil 3 unserer Ausstellungstipps

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