Im Februar freuen wir uns auf den späten Cézanne in Basel, bestaunen die „Superformen“ von Thomas Bayrle in Frankfurt am Main sowie Marthe Donas in Saarbrücken und tauchen in die starken Bildsprachen von Catherine Opie in Kassel und Graciela Iturbide in Berlin ein
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30.01.2026
Thomas Bayrle
SCHRIN, Frankfurt am Main, 12. Februar bis 10. Mai
Der regelmäßige Puls der Maschine ist diesem Künstler schon ganz zu Anfang ins Blut übergegangen. Thomas Bayrle arbeitete als junger Mann in einer Weberei, bevor er die Druckgrafik erlernte. Ende der Sechzigerjahre entdeckte er dann die serielle Ästhetik der Pop-Art für sich: Er ordnete tausendfach vervielfältige, winzige Piktogrammbilder von VW-Käfern oder Biergläsern so in Rastern an, dass sie zusammen eine große Darstellung des gewählten Motivs ergaben. Die Schirn Kunsthalle in Frankfurt zeigt in Bayrles Soloschau vom 12.2. bis 10.5. solch charakteristische „Superformen“, aber vor allem auch Werke aus den vergangenen 15 Jahren. In diesen betont der Künstler, der einst als einziges protestantisches Kind in einem erzkatholischen Dorf aufwuchs, auch die religiös-spirituelle Seite unserer Maschinengläubigkeit.
Catherine Opie
Fridericianum, Kassel, 14. Februar bis 19. Juli 2026
Wer die Gegenwart verstehen will, sollte sich in Kassel die Fotografien von Catherine Opie anschauen. Schließlich porträtierte die US-amerikanische Künstlerin schon Anfang der Neunzigerjahre ihre Freundinnen und Freunde aus der kalifornischen LGBTQIA+-Community mit einem strengen Stolz, der an die Renaissance-Gemälde von Hans Holbein erinnert. Opies visionäre Bildsprache ist heute Mainstream und strahlt hell im Fridericianum (14.2. – 19.7.).
Marthe Donas & Alexander Archipenko
Saarlandmuseum, 7. Februar bis 17. Mai
Alexander Archipenko kennt man, weil seine Skulpturen in den 1910er-Jahren den Kubismus in den dreidimensionalen Raum holten. Doch wer weiß von Marthe Donas? Die belgische Malerin war von 1917 bis 1920 die Lebenspartnerin von Archipenko und erlebte danach das Schicksal, das vielen Künstlerinnen widerfuhr: Sie wurde vergessen. Glücklicherweise präsentiert nun das Saarlandmuseum neben den Werken Archipenkos auch Donas’ originelle Bildschöpfungen (7.2. – 17.5.): Werke wie „Kubistische Puppe“ (1917/1918) setzte die Malerin aus unterschiedlich zugeschnittenen Leinwänden zusammen und nahm so die Idee der „shaped canvases“ der amerikanischen Nachkriegsabstraktion vorweg. Auch ihre ungegenständlichen Arbeiten zeugen von einem radikal modernen Geist.
Paul Cézanne
Fondation Beyeler, Basel, bis 25. Mai
Paul Cézannes (1839-1906) Motive lösen ein Gefühl großer Ruhe aus und doch entfalten sie eine starke sinnliche Präsenz. Mit seinen sichtbaren, feinen Pinselstrichen und der vielschichtigen Farbigkeit wird das Dargestellte beinahe zur Nebensache. Farbe und Struktur rücken in den Fokus und werden so zum prägenden Erlebnis der Betrachtung.
In der aktuellen Ausstellung in der Fondation Beyeler steht der späte Cézanne im Mittelpunkt. Gezeigt werden typische Werke wie das Stillleben mit „Äpfeln und Orangen“, Darstellungen seiner geliebten „Montagne Sainte-Victoire“ sowie die berühmte „Gruppe von Badenden“. Zu Lebzeiten fand Cézanne nicht viel Anerkennung. Nun wird er als der „Vater der Moderne“ gesehen. In den großzügigen, schlicht weißen Ausstellungsräumen sind rund 80 seiner Arbeiten zusehen. Die luftige Hängung bietet den einzelnen Werken genügend Raum, um innezuhalten, sich auf die Bilder einzulassen, sie einzeln zu betrachten und die Tiefe von Cézannes Malerei wirken zu lassen.
Graciela Iturbide
C/O Berlin, 7. Februar bis 10. Juni
In ihrer Serie „Juchitán de las Mujeres“ stellt die mexikanische Fotografin Graciela Iturbide Zapotekerinnen aus dem südmexikanischen Juchitán in den Mittelpunkt. Frauen prägen dort das wirtschaftliche und öffentliche Leben und widersprechen damit klassischen Geschlechterstereotypen. Graciela Iturbides Schwarz-Weiß-Fotografien stellen häufig die Bandbreite geschlechtlicher Identitäten dar, in der Ausstellung im C/O Berlin geht es aber vor allem um die Stärke sowie Verletzlichkeit der Frauen und ihre gesellschaftliche Rolle. Ihre Arbeiten wirken zunächst wie gängige dokumentarische Aufnahmen. Doch je länger man verweilt, desto deutlicher wird: Diese Bilder erzählen nicht nur von anderen, sie erzählen auch von einer sehr persönlichen Haltung zur Welt. Seit Jahrzehnten untersucht Iturbide das fragile Zusammenspiel von Identität, Ritual und Gesellschaft. Die aktuelle Retrospektive in Berlin macht diese Konstante eindrücklich sichtbar und zeigt ihre Bildsprache zwischen Dokumentation und Poesie. Durch die Reduktion auf Licht, Schatten und Form entsteht eine Bildwirkung, die über das Sichtbare hinausweist. Ihre Fotografien zeigen nicht nur den Alltag, sondern machen ihn spürbar.