Bild des Tages

Das Chaos im Kopf

Mit deutschen Sprachfetzen inszenierte der Shootingstar Jean-Michel Basquiat 1983 seine innere Verfasstheit im Comic-Stil: ein universeller Ausdruck von Chaos und Verwirrung

Von Simone Sondermann
26.10.2022

Schon die Kindheit von Jean-Michel Basquiat war unruhig. Die Eltern trennten sich früh, die Mutter erkrankte. Er zog mit seinem Vater und seinen Schwestern nach Puerto Rico und dann wieder zurück nach New York. Mit 17 haute er endgültig von zu Hause ab, tauchte ein in die Sprayerszene, kurz danach begann der kometenhafte Aufstieg in der Kunstwelt. „Untitled (Infantry)“ entstand 1983, da war Basquiat 22 und hatte schon an der Documenta teilgenommen. Die großen Galerien rissen sich um ihn, den schwarzen Jungen unter weißen Künstlerfreunden, in einem weiß dominierten Markt. Darunter Bruno Bischofberger in Zürich, der die mehr als zweite Meter breite, grellgelbe Leinwand als Erster verkaufte und den Künstler womöglich zu den deutschen Sprachfetzen inspirierte. Jahrzehnte später, da war Basquiat schon lange tot, kam sie für mehrere Millionen bei Christie’s unter den Hammer, dann explodierten die Preise endgültig. Mit dem „Boom“ und „Bang“ verneigte sich der junge Maler vor der Pop-Art, die sich wie er bei den Comics bediente. Doch wie immer bei Kunst, die bleibt, ist das Gemälde viel mehr: ein universeller Ausdruck von Chaos und Verwirrung, von Spiel und Gewalt, von Jugend und Tod. So spiegelt sie nicht nur Basquiats inneren Aufruhr, sondern auch die Konfusion unserer heutigen Welt. Die sich immer mehr anfühlt wie ein Schlag auf den Kopf.

Übrigens: Die Wiener Albertina widmet Jean-Michel Basquiat bis zum 8. Januar in eine große Retrospektive.

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