Ausstellungstipps

Nicht verpassen: 6 Ausstellungen im September

Der Herbst beginnt mit abwechslungsreichen Kunstausstellungen: Im September gibt es Ulrike Theusners bunten Kosmos in der Kunsthalle Rostock, eine Retrospektive zu Judy Chicago und die Familie Giacometti in Südfrankreich

Von WELTKUNST Redaktion
01.09.2021
/ Erschienen in Weltkunst Nr. 189

Prämonstratenser

Kulturhistorisches Museum Magdeburg, 8. September bis 9. Januar 2022

Für seine Legende hat Norbert von Xanten hart gearbeitet: 1115 vom Blitz getroffen, wurde er Priester, zog im groben Gewand durch Frankreich und gründete 1120 das Kloster Prémontré, in dem die Nonnen und Mönche gemäß der schon damals wenig attraktiven Tugenden Armut, Gehorsam und Keuschheit leb­ten. Nach seiner Weihe als Erz­bischof von Magdeburg im Jahr 1126 verbreiteten sich der Ein­fluss und die Kunst des Ordens in Europa – wie zum Beispiel der Reliquienschrein des heiligen Simon aus der Abteikirche Sayn bei Koblenz beweist.

Kulturhistorisches Museum Magdeburg
Der Reliquenschrein des heiligen Simon aus der Abteikirche Sayn ist im Kulturhistorischen Museum Magdeburg zu sehen. © Michael von Ooyen/Europakloster Gut Aich, Sankt Gilgen

Judy Chicago

De Young Museum, San Francisco, 28. August bis 9. Januar 2022

Wenige haben die Macht­verhältnisse im Kunstbetrieb so gründlich umgekrempelt wie die Amerikanerin Judy Chicago. Als Mitbegründerin des Feminist Studio Workshop in L.A. schuf sie 1973 einen Raum für Künstlerinnen. Sie lud zudem in ihrer Installation „The Dinner Party“ (1974–1979) 39 Frauen aus des Geschichte zu einem imaginären Abendessen an einen Tisch oder ließ mit ihrer Serie „Women and Smoke“ Rauchzeichen des Wandels auf­steigen. Dass das Interesse der 1939 geborenen Künstlerin über den feministischen Blickwinkel hinausgeht, zeigt ihre Retro­spektive ebenso – mit minima­listischen Arbeiten der Sechzi­gerjahre, die sich der Bewegung Light and Space zuordnen lassen, oder auch einem Gemäl­de wie „Driving the World to Destruction“, das schon 1985 vor dem Klimawandel warnte.

Stühle für Kinder

Grassimuseum für Angewandte Kunst, Leipzig, bis 3. Oktober

Im 19. Jahrhundert veränderte sich der Blick auf die Kinder, die nun nicht mehr einfach kleine Erwachsene waren. Neben (noch geringfügigen) Einschränkungen der Kinder­arbeit bedachte die industrielle Gesellschaft zumindest die Sprösslinge bürgerlicher Fami­lien mit einem passenderen Mobiliar: Gestalter begannen, spezielle Stühle zu entwerfen, wie ein Kinderspeisesessel der Bugholzmeister Thonet aus den Jahren um 1880 in der Son­derschau des Grassimuseums belegt. Das Kinderstuhldesign lief dann ab 1945 zur Hochform auf mit kreativen Exem­plaren wie etwa dem frosch­grünen Lehnstuhl „Julian“ (2005) von Javier Mariscal.

Grassimusum Stuhl
Der Lehnstuhl „Julian“ von Javier Mariscal ist im Grassimuseum zu bestaunen. © Grassi Museum Leipzig

Ulrike Theusner

Kunsthalle Rostock, 18. September bis 24. Oktober

Wer Farbe sucht, wird hier fün­dig – in den Bildern von Ulrike Theusner, die ihre Verbunden­heit mit der Kunstgeschichte nicht verleugnen: Hinter der Fratze von „Taylor with Mask“ (2020) lauert der belgische Symbolist James Ensor, und die verschlungenen Zweige des Baumes in „Tent Cities IV, Treehouse“ (2019) wurzeln auf den Kringeln van Goghs. Theusners bunter Kosmos ist in Zeiten allgemeiner Melancholie viel­leicht genau der richtige Zufluchtsort.

Ulrike Theusner
Die Kunsthalle Rostock zeigt „Taylor with Mask“ von Ulrike Theusner. © Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin

Barock modern

Kunstpalast, Düsseldorf, 25. August bis 17. Oktober

Es mag überraschen, dass aus­gerechnet der Barock unter den zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern Fans hat. Die Gemälde und Skulpturen des 16. bis 18. Jahrhunderts sind so mit Emotionen vollgesogen, dass sie nicht so recht zum coolen Zeitgeist zu passen scheinen, der sich im 20. Jahr­hundert durchgesetzt hat. Der Kunstpalast wagt dennoch den vergleichenden Blick: Dass sich Niki de Saint Phalle in ihrem Werk „Saint Sébastian“ (1963) auf einen beliebten Heiligen des Barocks bezieht, ist offen­kundig. Dagegen würde man bei den großen Abstraktionen von K. O. Götz doch eher eine geistige Nähe zur fernöstlichen Philosophie als zum barockem Opulenzdrang annehmen. Über die Ausstellung wird sich vermutlich streiten lassen, aber das ist ja immer produktiv.

Die Giacomettis

Fondation Maeght, Saint-Paul-de-Vence, bis 14. November

Nicht leicht, die Gene eines Genies zu teilen: Im Biografiespielfilm „Final Portrait“ (2017) muss der arme Diego Giacometti die Launen des berühmten Bildhauerbruders Alberto ertragen und dessen Atelier am Laufen halten. Dass Diego trotzdem Zeit fand, wundervolle Möbel wie den Schminktisch mit Stuhl zu entwerfen, zeigt diese Schau, die die Künstlersippe Giacomet­ti versammelt. Ausgestellt sind auch Gemälde des in Schweizer Museen viel vertretenen Vaters Giovanni Giacometti sowie Bilder von dessen ebenfalls nicht unbekannten Cousin Augusto, Architekturentwürfe von Bruder Bruno – sowie natürlich die Skulpturen des großen Alberto.

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