Ausstellungen

Nicht verpassen: 6 Ausstellungen im Juli

Die schönsten Kunstausstellungen des Sommers: Im Juli warten Wolken im Landesmuseum Oldenburg, beseelte Skulpturen von Meister Arnt im Museum Schnütgen und Impressionisten in der Normandie 

Von Weltkunst Redaktion
05.07.2020

Wolken in der Kunst

Landesmuseum Oldenburg,
bis 2. August

Die Wolke gehört im Nordwesten Deutschlands auch im Sommer zu den beobachtbaren Himmelsphänomenen. Kein Wunder, dass sich die lokalen Maler von ihrer vielfältigen Erscheinungsform inspirieren ließen. Das Landesmuseum Oldenburg zeigt nun eine Ausstellung mit 30 Wolkenbildern des 19. und 20. Jahrhunderts. Mit tagesgenauer Datierung hielt etwa der Bremer Friedrich Wilhelm Rauschenberg 1893 den „Bewölkten Himmel über Hausdächern“ fest, dessen Lichtstimmung überirdisch beseelt und gleichzeitig fast abstrakt erscheint. Spielerischere Fingerübungen erkennt man hingegen in den Formationen, die Georg Müller vom Siel in Dötlingen bei Oldenburg malte.

SCHOKOLADE VON PAULA

Kunsthalle Bremen,
bis 6. September

Über Paula Modersohn-Becker ist alles erzählt. Meint man. Und dann zaubert die Kunsthalle Bremen doch noch eine Überraschung hervor, die das Bild von „Paula“ wieder um eine Facette bereichert: Um 1898/1900 griff die Worpswederin zu Tuschefeder und Aquarellpinsel und malte in leuchtenden Farben ein kleines Bild von zwei sitzenden Kindern unter Birken, zwei Gänse zu ihren Füßen. „Junge und Mädchen an Birkenstämmen sitzend“ ist ein Illustrationsentwurf, den die junge Künstlerin für ein Schokoladensammelbild der Firma Stollwerck anfertigte. Ein Werk mit praktischem Ziel also. Nun ist es im Rahmen einer Schau mit Zeichnungen aus der Kunsthallen-Sammlung zu sehen – zum ersten Mal nach 70 Jahren im Depot!

Arnt der Bilderschneider

Museum Schnütgen, Köln,
bis 20. September

Der Diener kniete einsam im Nirgendwo. Wie lange er so knien musste, fern von jeder Handlung, weiß keiner. Ja, als das Museum Schnütgen 1993 ein Relief mit der Anbetung der Heiligen Drei Könige aus französischem Privatbesitz erwarb, wusste man nicht einmal mehr von der Existenz des Dieners. Das zwischen 1480 und 1490 geschnitzte Relief galt auch so als ein Hauptwerk aus der Werkstatt des Meisters Arnt von Kalkar und Zwolle. Erst im vergangenen Jahr entdeckte man in Paris drei verschollen geglaubte Fragmente des Werks, die auch vom Museum erworben wurden. Der nun sorgfältig restaurierte Diener ist wieder am alten Platz rechts hinter „seinem“ König zu finden – und Anlass für eine Schau mit 60 Werken, die sich dem Schaffen des Meister Arnt widmet.

Normandie-Impressionen

Diverse Orte in der Normandie,
3. Juli bis 15. November

Auslandsreisen werden immer noch zurückhaltend geplant. Aber wenn man sich für ein Kunstevent nach Frankreich wagen will, warum dann nicht für dieses: Der Impressionismus kehrt mit dem Festival „Normandie Impressioniste“ in die Region zurück, in der alles begann. In Caen widmet man sich dem Thema „Arbeit in der Stadt“ mit Werken wie Edgar Degas’ „Büglerinnen“ (1884–1886), während in Le Havre das Licht der „Elektrischen Nächte“ im späten 19. Jahrhundert aufscheint. Rouen würdigt den Sammler François Depeaux (1853–1920), der vor Ort eines der ersten Kathedralenbilder von Monet erwarb. (Die Laufzeiten der Schauen variieren leicht.)

Heiliger Zeno

Bayerisches Nationalmuseum, München,
bis 14. Februar 2021

Es ist Zeit für die Münchner, sich von einem lieb gewonnenen „Silberkopf“ zu verabschieden. Die Reliquienbüste des heiligen Zeno, die das Bayerische Nationalmuseum seit 1949 als eine Dauerleihgabe des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg bewahrt, wird dorthin zurückkehren. Zuvor würdigt man das Meisterwerk gotischer Goldschmiedekunst, das um 1451 nach Isen gestiftet wurde, jedoch mit einer kleinen, aber fokussierten Präsentation, in die neueste Erkenntnisse aus der abgeschlossenen Restaurierung des Werks und der kunstgeschichtlichen Forschung Eingang finden. So stellte man etwa fest, dass der Kopf der über zwei Kilogramm schweren Silberplastik gegossen wurde – was besondere Fähigkeiten von einem Goldschmied verlangte.

Göttliches Geschenk

Kunsthalle Recklinghausen,
bis 30. August

Leidenschaft für Ikonen ist in der Ruhrgebietsstadt Recklinghausen überdurchschnittlich vorhanden – und nun wird sie noch einmal kräftig befeuert: Der Sammler Reiner Zerlin hat dem dortigen Ikonen-Museum fast 250 Werke vermacht – vor allem Kultbilder der Orthodoxie aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, aber auch liturgische Objekte. Zu den Prunkstücken der Sammlung mit Schwerpunkt auf den Kernländern Griechenland und Russland gehört auch ein russischer Erzengel Michael aus dem 16. Jahrhundert. Die kooperierende Kunsthalle Recklinghausen räumt temporär drei Etagen frei, damit das Publikum zu den neuen Ikonen pilgern kann.

 

Service

DIESER BEITRAG ERSCHIEN IN

Weltkunst Nr. 173/2020

Zur Startseite