18.03.2020 Simone Sondermann

Beethoven zu Hause

Auch die große Beethoven-Ausstellung der Berliner Staatsbibliothek wurde durch die Corona-Krise gestoppt. Ein sehr guter Begleitband und eine virtuelle Tour zeigen die wertvollen Handschriften und Notenblätter

Es hätte so schön sein können. Doch nach nur drei Tagen war alles vorbei. Am 11. März eröffnete, begleitet von großem Medieninteresse, die Ausstellung „Diesen Kuß der ganzen Welt! Die Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin“. Die Statsbibliothek besitzt die weltweit bedeutendste Autografen-Sammlung des berühmten Komponisten. Sie umfasst die Partituren seiner Sinfonien Nr. 4, 5, 8 und 9 – Letztere ist Teil des UNESCO-Weltdokumentenerbes. Sodann die Klavierkonzerte 1–3 und 5, die Oper Leonore/Fidelio wie auch den berühmten Brief an die „Unsterbliche Geliebte“. Insgesamt knapp die Hälfte der überlieferten Handschriften Beethovens. Zum Beethoven-Jahr sollten nun die Highlights daraus bis 30. April bei freiem Eintritt in dem fast vollständig sanierten Prachtbau Unter den Linden der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Unter den 380 Briefen, die in der Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin überliefert sind, befindet sich auch der Brief an
Unter den 380 Briefen, die in der Beethoven-Sammlung der Staatsbibliothek zu Berlin überliefert sind, befindet sich auch der Brief an "die Unsterbliche Geliebte". (Copyright: Staatsbibliothek zu Berlin - PK)

Am 13. März verkündete die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dass ab dem Folgetag alle Einrichtungen für den Publikumsverkehr geschlossen würden, darunter die Häuser der Museumsinsel und die Staatsbibliothek. Dies war das Aus für die Beethoven-Schau, die für die Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf den Rang einer „Jahrhundertausstellung“ hat. Noch hofft sie, dass es nach der Corona-Krise weitergehen kann, doch fürs Erste sind die wertvollen Notenbätter und ausdrucksvollen Briefe zurück im Tresor.

Ludwig van Beethovens Konversationshefte mit dunkelroten Ledereinbänden aus den 1930er-Jahren (Copyright: Staatsbibliothek zu Berlin - PK)
Ludwig van Beethovens Konversationshefte mit dunkelroten Ledereinbänden aus den 1930er-Jahren (Copyright: Staatsbibliothek zu Berlin - PK)

Zum Glück hat die Staatsbibliothek einen ausführlichen und hochwertigen Begleitband zur Ausstellung herausgebracht, der im Michael Imhof Verlag erschienen ist. Darin werden nicht nur Leben, Werk und Rezeptionsgeschichte Ludwig van Beethovens ausführlich beleuchtet. Der Band vermitelt auch anhand von großen und zahlreichen Abbildungen etwas von der sinnlichen Erfahrung, die der Anblick der rot eingebundenen Partituren der 9. Sinfonie oder die krakelige Handschrift in den Konversationsheften des ertaubten Komponisten bedeuten. Darüber hinaus ist auf der Website der Staatsbibliothek eine virtuelle Ausstellungstour zu finden, die ebenfalls mit Anschauungsmaterial und Hintergrundinformationen in den Kosmos des Komponisten einführt. Wer sich ergänzend zu Hause noch durch die eigene CD- oder Streamingsammlung hört, kann viele schöne Stunden mit Beethovens musikalischer Welt verbringen.

Der Begleitband zur Beethoven-Ausstellung der Staatsbibliothek, erschienen im Michael Imhof Verlag, 29,95 Euro
Der Begleitband zur Beethoven-Ausstellung der Staatsbibliothek, erschienen im Michael Imhof Verlag, 29,95 Euro