06.09.2019 Lisa Zeitz

Schätze der Renaissance

Alte Meister aus der privaten Alana Collection in Paris

Das Musée Jacquemart André im Pariser Stadtteil Monceau spiegelt den Geschmack und die Vorlieben seiner Erbauer: Édouard André und seine Frau, die Künstlerin Nelie Jacquemart. In diesem prunkvollen, mit Werken der Renaissance und des Barock gespickten Ambiente des späten 19. Jahrhunderts ist ab Mitte September eine besonders kostbare, aber bisher nur Insidern bekannte Sammlung zu Gast. Aus den Vornamen des milliardenschweren chilenischen Ehepaares Álvaro Saieh und Ana Guzmán ist ihr Name abgeleitet: Alana Collection. Jetzt präsentieren sie ihre Schätze erstmals der Öffentlichkeit. 

Nardo di Cione, Verkündigung, circa1350-1355, Tempera und Gold auf Holz, Alana Collection, Newark, DE, United States, Foto: © Allison Chipak
Nardo di Cione, Verkündigung, circa1350-1355, Tempera und Gold auf Holz, Alana Collection, Newark, DE, United States, Foto: © Allison Chipak

Meisterwerke der Renaissance im Sammlungsfokus

Den Beginn ihrer Sammeltätigkeit markieren Werke des 13. und 14. Jahrhunderts. „In letzter Zeit haben wir uns bis ins 16. und 17. Jahrhundert vorgewagt“, sagt Álvaro Saieh. „Aber weiter werden wir nicht gehen.“ Fünfundsiebzig ausgewählte Werke von italienischen Künstlern wie Nardo di Cione, Fra Angelico, Uccello, Bronzino und Tintoretto bis zu Annibale Carracci und Orazio Gentileschi spannen einen Bogen von der Gotik bis zum Barock. Beginnend mit byzantinisch beeinflussten Bildern, versetzt vor allem die Goldgrundmalerei der Frührenaissance den Betrachter in himmlische Sphären.

Antonio Vivarini, „Sankt Peter vertreibt einen Dämon in der Gestalt der Madonna
Antonio Vivarini, „Sankt Peter vertreibt einen Dämon in der Gestalt der Madonna", circa 1450, 
Tempera und Gold auf Holz, Alana Collection, Newark, DE, United States, Foto: © Allison Chipak

Tradierte Motive machen Vielfalt der Ausdrucksformen sichtbar

Auch Kurioses ist dabei: Der Venezianer Antonio Vivarini malte um 1450 die seltene Darstellung eines Exorzismus, „Sankt Peter vertreibt einen Dämon in der Gestalt der Madonna“. Maria ist hier gehörnt wie ein Teufel und hat schwarze Fledermausflügel.

Giovanni di Balduccio, Erzengel Gabriel und Maria Verkündigung, 1333-1334, Carrara Marmor, Alana Collection, Newark, DE, United States, Foto: © Allison Chipak
Giovanni di Balduccio, Erzengel Gabriel und Maria Verkündigung, 1333-1334, Carrara Marmor, Alana Collection, Newark, DE, United States, Foto: © Allison Chipak

Das Thema der Verkündigung lässt sich über die verschiedenen Jahrhunderte hinweg vergleichen: Die mit originaler Goldbemalung verzierten gotischen Marmorfiguren schuf Giovanni di Balduccio wohl in den Jahren 1333/34 in Pisa. Lorenzo Monaco war Anfang des 15. Jahrhunderts der führende Maler in Florenz und ließ Giottos robuste Körperlichkeit hinter sich, um Maria und den Engel als Figuren von zarter Eleganz zu erfinden. Eine um 1600 auf Alabaster gemalte Verkündigung des Orazio Gentileschi schließlich ist barock bewegt und von einer fröhlich durcheinandergewirbelten Engelsschar begleitet.

Meister von Pratovecchio, Thronende Madonna und Kind mit Engeln, flankiert von St. The Madonna and Child Enthroned with Angels and Flanked by St. Brigida und Erzengel Michael, um 1450, Tempera auf Holz, Alana Collection, Newark, DE, United States, Foto: © Allison Chipak
Meister von Pratovecchio, Thronende Madonna und Kind mit Engeln, flankiert von St. The Madonna and Child Enthroned with Angels and Flanked by St. Brigida und Erzengel Michael, um 1450, Tempera auf Holz, Alana Collection, Newark, DE, United States, Foto: © Allison Chipak

Service

Ausstellung

„La Collection Alana“

Musée Jacquemart André, Paris
13. September bis 20. Januar

Dieser Beitrag erschien in

WELTKUNST Nr. 161/2019