15.07.2019 Christiane Meixner

Nachruf auf Frieder Burda

Frieder Burda zählt zu den wichtigsten deutschen Sammlern. Nun ist der Spross der großen Verleger-Dynastie gestorben

Das Haus ist ein Solitär, genau wie sein Bauherr und Mäzen Frieder Burda. Mit 83 Jahren verstarb der der große Sammler nun nach längerer Krankheit im Kreis seiner Familie. Der Öffentlichkeit hinterlässt er das Museum Frieder Burda in Baden-Baden, dessen Ruf auf Burdas gut 1000 Werke umfassender Kollektion gründet – mit Namen wie Pablo Picasso, Max Beckmann, Ernst-Ludwig Kirchner, Jackson Pollock, Gerhard Richter und Georg Baselitz.

2015 ließ er ein Gemälde von Mark Rothko für mehr als 40 Millionen Dollar versteigern. Ziel der Trennung war es, den Fortbestand des Museums zu sichern, das der amerikanische Star-Architekt Richard Meier in der Kurstadt errichtet hatte. Im Jahr darauf übertrug Burda seiner Stieftochter Patricia Kamp wichtige Aufgaben. Schon da war klar, dass er sich Gedanken über die Zukunft seiner Sammlung machte, die ihm ab den Sechzigerjahren zur Herzenssache geworden war; nach dem Erwerb einer zerschnittenen Leinwand von Lucio Fontana.

Der Sammler vor seinem Museum in Baden-Baden

Ebenso wichtig empfand Burda allerdings, dass sich mit Kamps eine junge Generation dem Thema widmet – mit Impulsen, was künftige Ankäufe anbelangt, und dem Salon Frieder Burda, den die Stieftochter erfolgreich in Berlin als Dependance installiert hat. Wann immer es ihm möglich war, besuchte Burda auch die neuen Ausstellungsräume. Sein Vermächtnis aber ist das Museum, für das er 1998 die nach ihm benannte Stiftung gründete.

Dabei war seine Biografie anders vorgezeichnet. Am 29. April 1936 in Gengenbach als Sohn der bekannten deutschen Medienunternehmerfamilie Burda geboren, sollte er wie seine Brüder das Geschäft übernehmen. Also absolvierte Frieder Burda erst eine Drucker- und Verlagslehre und ließ später im Konzern des Vaters zum Kaufmann ausbilden. Seine wahre Lebensaufgabe aber fand er in der Kunst, von der er sich nicht zuletzt Erkenntnisse über die tieferen Zusammenhänge versprach.

Diese Liebe wollte Burda teilen und dachte früh daran, die Werke auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. „Humanistische Werte waren ihm stets wichtiger als materielle, der Besitz von Kunst war ihm immer Verpflichtung, diese zugänglich zu machen“, heißt es in einer Erklärung des Museums.

Hier findet mit „Ensemble“ aktuell eine Ausstellung zu seinem 15-jährigen Bestehen statt. Es handelt sich um eine Kooperation mit dem Centre Pompidou, in dessen Ankaufskommission Burda als einziger Deutscher vertreten war. Im Ausstellungskatalog von „Ensemble“ bezeugt der Sammler noch einmal seine ganz persönliches Verhältnis zur Malerei und Skulptur: „Die Gegenüberstellung einzelner Werke deutscher und französischer Künstler zeigt, wie sehr die Kunst verbindet, sich über Grenzen hinweg positiv beeinflusst und ergänzt. Das macht mich froh und bestärkt mich im Glauben an das universell Verbindende der Kunst über alle Krisen hinweg.“