Ausstellungen

Fotografie zwischen Kunstwerk und Lehrstück

Die Schenkung Bartenbach im Kölner Museum Ludwig

Von Peter Dittmar
14.11.2018

Das Museum Ludwig in Köln besitzt etwa 70 000 Fotografien. Manches gekauft, vieles geschenkt. Und auch die Käufe waren oft Sammlungen, die die Vorlieben und Interessen eines Privatmannes spiegeln. Dementsprechend ist der Museumsbesitz kein Bestand, mit dem sich lückenlos die Geschichte des Mediums darstellen ließe, obwohl er von Daguerreotypien bis in die Gegenwart reicht und sowohl historische Aufnahmen wie alle Formen, die mehr als private Knipserei sind, von der Kunstfotografie der Jahrhundertwende bis zur künstlerischen Fotografie der Gegenwart einschließt.

Die Schenkung Bartenbach

Deshalb erweisen sich die mehr als zweihundert Aufnahmen, die die Familie Bartenbach dem Museum geschenkt hat, als hilfreiche Ergänzung. Sie beschränkt sich auf zwanzig Fotografen aus Deutschland und den USA, die gemeinsamen Arbeiten von Gabriele und Helmut Nothhelfer sowie Hugo und Karl Hugo Schmölz eingeschlossen. Karl Blossfeldt, 1865 geboren, ist der älteste, Wolfgang Tillmans, Jahrgang 1968, der jüngste. Manche wie Florence Henri, Friedrich Seidenstücker, Tillmans oder Piet Zwart sind nur mit einer oder zwei Aufnahmen vertreten. Von anderen wie Walker Evans, August Sander, Max Regenberg sind es umfangreiche Folgen von 44, 34 bzw. 30 Fotografien. Vorwiegend schwarz-weiß. Und thematisch offen für die strengen Landschaft von Albert Renger-Patzsch genauso wie für die Streetfotografie von Garry Winogrand oder die Momente und Monumente des Zerfalls von Boris Becker.

Ein Generalnenner ist da nicht auszumachen. Mögen die Kuratorinnen auch zum archivalischen Denken neigen, das aufzählt, was man bisher hatte, und was nun bereichernd dazugekommen den Bestand erweitert, die Beweggründe, warum sich die Sammler für eine Aufnahme entschieden, waren recht heterogen. Sie schwankten zwischen dem kantschen „interesselosen Wohlgefallen“, den Geschichten, die manche Bilder zu erzählen scheinen, und dem historisierenden, das Dokumentarische nicht ausschließenden Versuch, über das Persönliche hinausgehende Erinnerungen „wie es gewesen sei“ zu bewahren. Und nicht zuletzt spielten die Freundschaften zu den Fotografen, die sie kennengelernt hatten, mit.

Zwischen doku­men­tarischem und kün­st­lerischem Anspruch

Also wurde die Vielfalt unter dem Titel „Doing the Document“ gebündelt. Stets den Spagat auskostend, den Walter Benjamin in der dritten seiner „Dreizehn Thesen wider Snobisten“ anriss: „Das Kunstwerk ist ein Meisterstück. Das Dokument dient als Lehrstück“. Dem Betrachter bleibt damit überlassen, was er dem einen, was er dem anderen zurechnen will. Ob er Susan Sontag beipflichtet: „Fotografieren heißt Bedeutung verleihen“. Oder ob er eher dem Sarkasmus von Henry Peach Robinson, einem der frühen Fotografen, zuneigt: „Die Fotografie ist eine Kunst, weil sie lügen kann“. Die knapp hundert Aufnahmen im Museum Ludwig sind eine vielseitige, ansprechende Einladung, sich jenseits aller fotohistorischen Bedeutsamkeiten ein Bild von den Bildern zu machen.

Service

Ausstellung

„Doing the Document – Fotografien von Diane Arbus bis Piet Zwart“,
Museum Ludwig, Köln
bis 6. Januar 2019

 

Dieser Beitrag erschien in

Kunst und Auktionen Nr. 17/2018

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