Auktionshaus Künker

Münz-Marathon

Das Münzauktionshaus Künker in Osnabrück versteigert so viele bedeutende Sammlungen, dass eine Woche dafür nicht ausreicht

Von Hartmut Kreutzer
16.03.2022
/ Erschienen in Kunst und Auktionen Nr. 4/22

Von großer Seltenheit und besonderem historischen Interesse sind zwei habsburgische Goldmünzen (Taxen 150.000 und 50.000 Euro), sogenannte Dreikaiserprägungen – eine zu acht, eine zu fünf Dukaten –, auf deren Aversen hintereinander gestaffelt die bekrönten und geharnischten Brustbilder von drei aufeinanderfolgenden Kaisern aus dem Hause Habsburg abgebildet sind: Maximilian I. (1493 – 1519), Karl V. (1519 – 1558) und Ferdinand I. (1531 – 1564). Die Münzbilder unterscheiden sich dadurch, dass die Kaiser auf dem Achtdukatenstück eine Bügelkrone tragen, während man auf der anderen Münze eine sogenannte Mitrakrone auf ihren Köpfen sieht.

Mit diesen imposanten Goldstücken demonstrierte das Haus Habsburg, das seit 1438 ununterbrochen die Deutschen Kaiser stellte, seine Entschlossenheit, diese Reihe fortzusetzen und die Kaiserwürde über die Generationen hinweg nicht mehr aus der Hand zu geben – was dann ja tatsächlich auch gelang, bis mit Karl VII. (1742 – 1745) unprogrammgemäß ein Wittelsbacher Deutscher Kaiser wurde. Der ihm auf dem Kaiserthron nachfolgende, aus Lothringen stammende Joseph I., der den Kaisertitel nur seiner Verheiratung mit der Erzherzogin von Österreich – Maria Theresia aus dem Hause Habsburg – verdankte, war dann kein „echter“, sondern nur ein „angeheirateter Habsburger“.

Münzauktion Künker
Mit 2000 Euro taxiert ist ein Stater von der thrakischen Insel Thasos (um 435 / 411 v. Chr.). Der Avers zeigt einen Satyr im Knielaufschema, der lüstern eine keinen erkennbaren Widerstand zeigende Bacchantin davonträgt. © Künker, Osnabrück

Goldprägungen aus aller Welt bringt die Auktion 363 mit einer bedeutenden Sammlung gotischer Goldmünzen. Von besonderer Seltenheit ist eine in Valenciennes unter Albert von Bayern (1389 – 1404) geprägte Grande Couronne d’or (Taxe 7500 Euro). Albert hatte von seinem Vater Ludwig IV., dem ersten Wittelsbacher auf dem deutschen Königsthron, nicht nur das Herzogtum Bayern-Straubing geerbt, sondern auch die Grafschaften Holland, Seeland und Hennegau.

Mit der Auktion 364 („Vom Taler zur Mark“, Sammlung Köhlmoos) endet der erste Block.

Am 4. April geht es weiter mit „Münzen der antiken Welt“ (Auktion 365). Am Anfang steht eine Auswahl griechischer Münzen, deren teuerstes Stück ein goldener Doppelstater Alexanders des Großen ist (Taxe 20.000 Euro). Bei den Römern dominieren die kaiserzeitlichen Prägungen, unter denen ein mit 15.000 Euro taxierter Aureus des Lucius Verus (161 – 169 n. Chr.) besondere Erwähnung verdient. Die mehrfigurige Szene auf dem Revers zeigt einen realen historischen Vorgang: die Einsetzung des Sohaemus als König von Armenien durch Lucius Verus im Jahr 162 oder 163 n. Chr. Vorausgegangen waren Kämpfe zwischen Rom und den Parthern um die Herrschaft über Armenien. 144 n. Chr. war Sohaemus schon einmal von den Römern unter Antoninus Pius als König eingesetzt worden, hatte dann aber vorübergehend den Thron räumen müssen. Gegenüber dem lebensnahen, vollendet ausgeführten Kaiserporträt auf dem Avers fällt das Reversbild – wie so oft auf römischen Münzen – stilistisch stark ab.

Münzauktion Künker
Bei den Römern dominieren die kaiserzeitlichen Prägungen - wie der mit 15.000 Euro taxierte Aureus mit einem Bildnis des Lucius Verus. © Künker, Osnabrück

Die folgende, mit „Keltengeld“ betitelte Auktion 366 umfasst zahlreiche keltische „Regenbogenschüsselchen“ in Gold sowie eine Vielzahl „barbarischer Prägungen“ – vorwiegend mehr oder weniger verfremdete Nachahmungen hellenistischer oder römischer Münzen, wobei häufig makedonische Statere und Tetradrachmen kopiert wurden.

Am Ende der Reihe steht die Auktion 367 mit griechischen und römischen Münzen aller Epochen. Unter dem Titel „Griechische Münzen in schönen Erhaltungen – Die Sammlung Dr. Guy Sylvain Paul Bastin“ findet man zunächst griechische Prägungen von hoher Qualität. Mit 2000 Euro taxiert ist ein Stater von der thrakischen Insel Thasos (Abb. S. 12), dessen Avers einen Satyr im Knielaufschema zeigt, der lüstern eine keinen erkennbaren Widerstand zeigende Bacchantin davonträgt (kaum anzunehmen, dass von ihm zuvor korrekt eine Einverständniserklärung eingeholt wurde …). Ein zweites, nicht ganz so gut erhaltenes Exemplar desselben Typs ist mit 500 Euro taxiert. Es folgt eine kleinere, auch Prägungen der Kaiserzeit umfassende Kollektion römischer Münzen aus derselben Sammlung.

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