Botticelli-Bildnis bei Sotheby’s

Altmeister der ewigen Jugend

Auf unserer Auktionen-Watchlist in dieser Woche: ein makellos bewahrter Renaissance-Schönling von Botticelli bei Sotheby’s und ein elegantes Art-déco-Collier bei Henry’s

Von WELTKUNST Redaktion
25.01.2021

Ein Beau von Botticelli

Einen Namen braucht der Schönling mit dem aristokratisch schmalen Kopf und dem seidigen dunkelblonden Haar gar nicht. Schon das Schätzpreisschild von 80 Millionen Dollar, das seinem Porträt angeheftet ist, macht die beste Provenienz deutlich: Kein geringerer als Sandro Botticelli führte hier den Pinsel. Auch wenn das Bildnis „Junger Mann mit Medaillon“ wohl nicht den Rekord von Leonardos „Salvator Mundi“ aus dem Jahr 2017 übertreffen wird – die Erwartungen sind dennoch hoch, wenn Sotheby’s die Porträttafel in seiner Altmeister-Auktion am 28. Januar in New York aufruft.

Völlig unbekannt ist das in Tempera auf Pappelholz gemalte Bild des jungen Mannes nicht. Es hat  seit den Dreißigerjahren mehrmals den Besitzer gewechselt und war in prominenten Museen wie dem Frankfurter Städel ausgestellt. Das elegante dunkelblaue Gewand mit dem weiß abgesetzten Stehkragen betont die distinguierte Stellung des Porträtierten. Sie wiederum setzt die Zugehörigkeit zu den humanistischen Kreisen in Florenz voraus. Der junge Mann, der vermutlich aus der Familie Medici oder ihrem Umkreis stammte, präsentiert hier ein Medaillon aus dem 14. Jahrhundert, das dem Sienesen Bartolomeo Bulgarini zugeschrieben wird und einen bärtigen Heiligen zeigt. Damit bekennt er sich offenbar zur Philosophie dieses Heiligen. Andererseits lässt sich das Medaillon als versteckte Vanitas-Botschaft des Malers an sein Modell deuten, dass auch dessen stolze Jugend nicht ewig währt.

Boticelli Sothebys Auktionen
Um 80 Millionen Dollar erwartet Sotheby’s für das Bildnis „Junger Mann mit Medaillon“, das Sandro Botticelli (1444/45–1520) auf Pappelholz malte. © Sotheby’s

Perlen des Art déco

Schwungvolle Eleganz bestimmte die Epoche des Art déco. Am 28. Januar versteigert Henry’s in Mutterstadt Schmuck aus dieser Zeit. Ein Ring, besetzt mit einem großen Smaragd von über fünf Karat und Diamanten geht mit 5500 Euro ins Rennen. Passend dazu gibt es ein Collier mit einem Smaragd-Tropfen (3,7 Karat), sechs Diamant-Rosen und 24 Brillanten zum Startpreis von 7900 Euro. Besonders filigran ist ein um 1920 gefertigtes Collier mit aufwendig geknüpften Orientperlen, Diamanten und Onyx, das mindestens 5900 Euro bringen soll.

Art Deco Henrys Auktionen
Das um 1920 geschaffene Art-déco-Collier mit Orientperlen, Diamanten und Onyx geht bei Henry’s mit einem Startpreis von 5900 Euro ins Rennen. © Henry’s

Aquarellierter Amoklauf

„Enfant terrible“ nannten den jungen Maler-Heißsporn Oskar Kokoschka schon früh seine Kritiker. Wenn eine Geliebte ihn abwies, lief er im Geiste Amok. Daraus erklärt sich auch die tödliche Aggression in diesem Bild: Der Künstler als lodernder Berserker, die Verderbnis bringende, brennende Fackel in der Linken, den Dolch in der Rechten, stürmt er eine Straße hinunter. In „Der Amokläufer“ von 1909 verweisen die Tattoo-Monogramme OK und L. L. am Unterarm an die gerade zerbrochene Beziehung zwischen Kokoscha und der Malerin Lilith Lang. Das Wiener Auktionshaus Hassfurther bringt das Aquarell am 28. Januar in seiner Kunstauktion mit einer Taxe von 250.000 bis 500.000 Euro zum Aufruf.

Hassfurther Aquarell Auktionen
Eine Spur des Verderbens imaginierte Oskar Kokoschka in „Der Amokläufer“. Hassfurther schätzt das Aquarell von 1909 auf 250.000 und 500.000 Euro. © Hassfurther

Die Münze macht den Monarchen

Die stattliche Taxe von 100.000 Euro oder mehr bringen gleich sieben Spitzenstücke in der Versteigerung mit Münzen und Medaillen des Auktionshaus Künker am 28. Januar in Osnabrück mit. Auf 150.000 Euro geschätzt ist ein sehr seltenes sächsisches Zehndukatenstück mit dem Bild Augusts des Starken zu Pferde, welches 1711 anlässlich der Ausübung des Reichsvikariats nach dem Tode des Kaiser Joseph I. mit den Stempeln des Reichstalers geprägt worden war. August nutzte die Münze zur dezenten Propaganda, indem sie seinen umstrittenen Anspruch auf den polnischen Thron bildlich betonte: Auf dem Revers sieht man rechts den Kurhut und das Kurschwert als Insignien des sächsischen Kurfürsten und links die polnische Königskrone mit Szepter und Reichsapfel.

Künker Medaille Auktionen
Die polnische Königskrone und der sächsische Kurhut sind auf dem Zehndukatenstück aus dem Jahr 1711 vereint, das Künker auf 150.000 Euro taxiert. © Künker