29.04.2020 Tim Ackermann

Natürlich wertvoll: Design von Lalanne

Ende Juni ruft Sotheby’s in Paris ein lebensgroßes Nilpferd-Ensemble von Lalanne auf. Schon im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, wie stark der Auktionsmarkt für extravagantes Design von Claude und François-Xavier Lalanne ist

Draußen sitzt ein Bronzegorilla im Gras. Im Hof fällt die Sonne auf die Kohlkopfskulptur mit den Hühnerfüßen. Im Inneren des Hauses von Claude und François-Xavier Lalanne setzt man sich dann auf eine Bank mit einer Krokodilfigur-Rückenlehne. Oder man schreibt Briefe in der Flanke eines Rhinozeros-Sekretärs. Verwunschen wirkte das Reich der beiden Designer am Rande des Waldes von Fontainebleau im Jahr 2012. Und genau so beschrieb auch Sotheby’s dieses „Universe Lalanne“ im Vorfeld der gleichnamigen Versteigerung, bei der im Oktober 2019 in Paris das einstige Lebensumfeld des französischen Designerehepaars in alle Welt verkauft wurde. Es war die erfolgreichste Auktion für Sotheby’s in Frankreich überhaupt.

François-Xavier Lalanne starb 2008, seine Frau Claude im vergangenen April. Und selbstverständlich sorgen Nachlass-Auktionen immer für besondere Aufmerksamkeit. Dennoch sind die 91,3 Millionen Euro (inkl. Aufgeld), die Sotheby’s als Ergebnis nennt, herausragend für eine „monografische“ Versteigerung, die sich im Wesentlichen aus einer künstlerischen Position speist. (Damien Hirst erzielte am ersten Abend seines legendären Solo-Sales 2008 bei Sotheby’s in London umgerechnet rund 89 Millionen Euro.)

Hohe und stabile Preise

Von den 274 Losen, die restlos verkauft wurden, erreichten 19 einen Zuschlag von 1 Million Euro oder darüber. Für Claude Lalannes „Choupatte (Très Grand)“ von 2012 fiel der Hammer erst bei 1,8 Millionen Euro. Rekord für die Künstlerin. Acht Entwürfe von ihr erreichten entweder neue Millionenzuschläge oder bestätigten ihre siebenstelligen Ergebnisse der Vergangenheit. Der eingangs beschriebene Sekretär „Rhinocrétaire“ (1991) von François-Xavier Lalanne erzielte mit 4,6 Millionen Euro den immerhin dritthöchsten Zuschlag des Künstlers bisher. Das Fazit des Abends: Die starken Preise, die für Werke der Lalannes seit 2009 gezahlt werden, bleiben dank einer wohlhabenden Fangemeinde auch dann stabil, wenn eine größere Zahl von ihnen auf den Markt kommt.

Und noch ein Zuschlag war 2019 auffällig: Im November bot Christie’s bei der Auktion „La Ménagerie“ in New York das Badewannen-Unikat „Hippopotame I“ (1969) von François-Xavier Lalanne an. Mit rund 3,3 Millionen Euro war der Wertzuwachs gegenüber dem letzten Zuschlag der Wanne (107 000 Euro, erzielt 2006 bei Sotheby’s) enorm. Sammler, die sich frühzeitig besondere Werke der Lalannes gesichert haben, finden also gerade einen ideal bereiteten Markt zum Wiederverkauf vor.

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Sotheby’s, Paris

Important Design
29. Juni

Dieser Beitrag erschien in

WELTKUNST Nr. 167/2020